Vendée Globe Flash: Kevin Escoffier (PRB) in der Rettunginsel – Jean Le Cam kommt zu Hilfe

Seenotfall PRB

Der Southern Ocean hat bei der Vendée Globe sein nächstes Opfer gefunden. Der drittplatzierte Kevin Escoffier hat seinen Notruf-Sender ausgelöst und ist in die Rettungsinsel gestiegen. UPDATE

UPDATE II 20:45 h: Auch Sébastien Simon (Arkea Paprec) ist von der Wettfahrtleitung zur leckgeschlagenen PRB gebeten worden. Er segelte vor dem Hilferuf etwas 80 Meielen achteraus. Thomas Ruyant (LinkedOut) war nur knapp 20 Meilen entfernt. Er hätte aber bei 25 bis 30 Knoten Wind und fünf Meter hohen Wellen gegen den Wind umdrehen müssen.

Alle Skipper werden das Rennen nach erfolgreicher Rettung fortsetzen dürfen, auch wenn sie den Motor benutzt haben. Für die verlorenenen Meilen vergibt die Wettfahrtleitung Zeitgutschriften als Wiedergutmachung, die nach Beendigung der Regatta von der Endzeit abgezogen werden. Die Motoren werden neu verplombt.

UPDATE I: Die Rettung scheint nicht so einfach für Jean Le Cam. Sein Motor bereitet Probleme. Deshalb wuden Yannick Bestaven und Boris Herrmann ebenfalls zur Unglückstelle umgeleitet, um Escoffier aus der Rettungsinsel zu befreien.

Kevin Escoffier bei der Arbeit in der Nacht. © Kevin Escoffier / PRB

Kevin Escoffier war zuletzt der schnellste Skipper im Vendée-Globe-Feld. Der Mann aus St. Malo schien mit seiner PRB bestens gerüstet für den Southern Ocean und schien einen furiosen Angriff auf die Führungsposition starten zu können. Zu Platz zwei fehlten im nur noch 26 Meilen und er segelt zuletzt teilweise fast zwei Knoten schneller als Konkurrent Thomas Ruyant mit seinem gestutzten Backbord-Foil. Auch auf Charlie Dalin (Apivia) schien er aufholen zu können. Zuletzt 267 Meilen Rückstand nach nicht einmal der Hälfte des Rennens kann man immer noch als Schlagdistanz bezeichnen.

Escoffier zu einem fröhlicheren Moment auf PRB. © Kevin Escoffier / PRB

Aber nun ist auch für den 40-Jährigen Franzosen das Ende besiegelt. Der Mann, der nach dem Volvo-Ocean-Race-Sieg mit Dongfeng 2018 nun den großen Coup landen wollte, hat nun seinem Team vermeldet, dass er einen schweren Wassereinbruch an Bord erlitten hat.

Für Kevin Escoffier wurde PRB mit Foils nachgerüstet. Sie ist zurzeit der schnellste “alte” IMOCA. © CHRISTOPHE FAVREAU-DÉFI AZIMUT

Die Rettungsbehörden (MRCC Kapstadt und CROSS Griz Nez) koordinieren zusammen mit dem PRB-Team a Land und der Wettfahrtleitung die Rettung. Jean Le Cam, der nächstgelegene Konkurrent hinter, hat den Kurs geändert und ist inzwischen bei Escoffier eingetroffen. Unter Motor steuert er auf den Havaristen zu. Er hat ihn in der Rettungsinsel gesichtet.

Genauere Umstände des Schadens sind noch nicht bekannt.

Die letzte Position von PRB (orange).

Escoffier hatte schon drei Tage nach dem Start einen Wassereinbruch vermeldet. Er musste aber nicht vom Gas gehen, nachdem er den Grund für das im Schiff schwappende Wasser gefunden hatte. Es soll sich um ein Ventil gehandelt haben, das sich im Bereich des Foil-Schachts befindet.

Escoffier in seiner elf Jahren alten massiv modernisierten PRB. © Yann Riou / PRB

Bei fünf Knoten Wind sei das leicht zu reparieren aber nicht bei 40 Knoten. Er erledigte den Job später souverän. Tatsächlich gilt Escoffier als einer der fähigsten Techniker der Flotte. In dieser Rolle des Mac Gyver tat sich schon beim Volvo Ocean Race auf Dongfeng als  hervor, als er mit seiner Reparatur einen Notstopp verhindern konnte.

Wenn er aber nun die Rettungsinsel bestiegen hat, dürften auch seine Bastelkünste nicht mehr ausreichen.

Escoffier galt als einer der Mitfavoriten bei dieser Vendée Globe und wurde seiner Rolle bisher gerecht. Dabei gründete sich die vorhergesagte Leistungsfähigkeit insbesondere auf seine Person, da er ein Maschinenbaustudium mit besonderem Schwerpunkt auf den beim Bau von Rennbooten verwendeten Materialien und Strukturen absovliert hat.

Er lernte beim Vendée-Sieger Michel Desjoyeaux und dessen Team Mer Agitée und war schließlich beim Team PRB  für den Neubau von Vincent Riou verantwortlich. Der Top Favorit scheiterte schließlich nach einer Kollision mit Treibgut. Escoffier wurde schließlich als Projektmanager bei Banque Populaire, einem der stärksten Rennställe der Szene. Als ihm Riou sein Boot für die Vendée Globe 2020 anbot, nutzte er die Chance. Das Schiff wurde als eines der ersten mit den neuen Flügel modifiziert und Escoffier zeigte immer wieder, dass es auch mit den Neubauten mithalten kann. Nun scheint die Möglichkeit zu bestehen, dass es für immer verloren ist.

Vendée Globe Tracker

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe Flash: Kevin Escoffier (PRB) in der Rettunginsel – Jean Le Cam kommt zu Hilfe“

  1. avatar Kwasi sagt:

    Kevin Escoffier ist wohlbehalten an Bord von “Yes We Cam”.
    Eine Geschichte die wohl nur die Vendée Globe schreiben kann.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *