Vendée Globe: Le Cleac’h dominiert an der Spitze – Tasmanien-Ausflug könnte Dick helfen

Der "Schakal" gibt Gas

Armel Le Cleac’h zeigt bei dieser Vendée Globe Alex Thomson die Grenzen auf. Erst nach Rio glaubt der Brite wieder mitspielen zu können. Jean-Pierre Dicks Umweg zahlt sich aus.

Armel Le Clea'ch

Armel Le Clea’ch ist guter Dinge mit seinem 320 Meilen Vorsprung. © Le Clea’ch

Es scheint fast so, als hätte der “Schakal” auf diesen Moment gewartet. Armel Le Cleac’h war viele Tage neben Alex Thomson hergesegelt, so als wolle er sich im unwirtlichen Southern Ocean gar nicht von dem Mitsegler trennen. “Hugo Boss”  konnte nach dem Bruch des Steuerbord-Foils nur mühsam folgen, denn der Wind wollte auch nicht auf die in diesen Breitengraden übliche Süd-Richtung drehen.

Die Limits der Foiler-Technik

Aber auch als unter Australien der Wind von Steuerbord wehte, konnte Thomson nicht die noch im Atlantik gezeigte Überlegenheit zeigen. Immer mehr stellt sich heraus, wie schmal eigentlich das Fenster ist, bei dem die neue Foiler-Technik wirklich gewinnbringend zum Einsatz kommt.

Der Dreikampf um Rang vier ist spannend. Das Tief ist einigermaßen durch. Zahlt sich der Bass-Strait-Abstecher von Dick im Norden noch aus?

Der Dreikampf um Rang vier ist spannend. Das Tief ist einigermaßen durch. Zahlt sich der Bass-Strait-Abstecher von Dick im Norden noch aus?

Der inzwischen ausgeschiedene Sébastien Josse hatte das kürzlich noch einmal klar gemacht. “Es gibt nur einen kleinen Bereich, in dem die Foils ins Spiel kommen. Raumschots bei ausreichend Wind ab etwa 15 Knoten. Ansonsten werden die Schiffe wie normale IMOCA gesegelt.

Es ist auch nicht gefährlicher mit den Tragflächen. Je schneller man segelt, umso weniger ist das Boot belastet. Es knallt nicht so sehr in die Wellen. Man segelt wie auf einem Luftpolster. Die Stabilität wird mit zunehmendem Speed größer.”

Thomson in der Flaute

Armel Le Cleac’h hat in den vergangenen Tagen immer mal wieder solche Bedingungen gehabt aber einfach auch mehr Wind auf seinem südlicheren Kurs, nachdem er den Tiefdruck-Kern besser umfahren hatte. Besonders bei dem zuletzt abnehmenden Wind hat seine Positionierung geholfen.

Thomson steckte häufiger in der Flaute fest und sein Rückstand ist auf nun stattliche 322 Meilen angewachsen. Er ist mit 178 Meilen in den vergangenen 24 Stunden das langsamste Schiff im Feld, während sein Kollege immerhin 236 Meilen schaffte.

Viel Hoffnung hat der “Hugo Boss”-Skipper für den Zweikampf offenbar nicht mehr. “Es ist wirklich schade, dass ich nicht an Armel dranbleiben kann. Wirklich schade. Es wäre anders, wenn ich das Foil noch hätte.”

Und es kann noch schlimmer kommen. Thomson äußert die Befürchtung, dass er mit Wind von Backbord hoch am Wind segeln muss. Dann behindert ihn nicht der ausbleibende Tragflügel-Effekt, sondern die fehlende vertikale Foil-Fläche. Sie arbeitet gegen die Abdrift, wenn der Kiel weit nach Luv geneigt wird, um mit der Bombe dem Segeldruck entgegenzuwirken. Thomson muss die Kielfinne also eher wie ein normales Kielboot unter dem Rumpf halten müssen. Der Wasserballast kann das fehlende Gewicht in Luv nicht ausgleichen. Der Segeldruck muss verringert werden. Speed geht verloren.

Das alles sind keine guten Aussichten für ein Comeback des Briten. Er glaubt, erst nach Kap Hoorn ab Rio wieder den Wind von Steuerbord zu haben, der seinem flügellahmen IMOCA schmeckt.

Spannung auf den Plätzen

So wandert die Aufmerksamkeit weiter zurück im Feld. Der Zweikampf um Rang drei ist enorm spannend, und Jérémie Beyou macht mit seinem nachgerüsteten Foiler “Maître CoQ” mächtig Druck auf Paul Meilhat mit dem Siegerboot von 2012 “SMA”. Beyou hat in den vergangenen 24 Stunden auf direktem Kurs gut 50 Meilen aufgeholt und liegt nur noch 25 Meilen achteraus, während Meilhat mit Problemen am Großsegel-Fallenschloss zu kämpfen hat.

Auch der Dreikampf dahinter ist aufregend. So könnte sich der ungewöhnliche Ausflug von Jean-Pierre Dick (StMichel-Virbac) nach Tasmanien noch richtig gut auswirken. Zwar ist er durch den Umweg auf Rang sieben zurückgefallen, aber mit einem perfekten Windwinkel segelte er zuletzt gut drei Knoten schneller als Yann Eliès (Quéguiner-Leucémie Espoir) und Jean Le Cam (Finistère Mer Vent) und riss dabei 80 Meilen mehr ab als die beiden Gegner.  Der virtuelle Rückstand auf Eliès beträgt nur noch 40 Meilen.

Der Querabstand beträgt aber immer noch mehr als 300 Meilen. Es wird darauf ankommen, wie der Wind südlich von Neuseeland dreht und ob er einen Winkel aufweist, bei dem Dick seine Foils einsetzen kann. Bei zurzeit immer noch fünf bis sechs Meter hohen Wellen sind die Flügel schwer einzusetzen.

Vendée Globe Tracker

 

 

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Vendée Globe: Le Cleac’h dominiert an der Spitze – Tasmanien-Ausflug könnte Dick helfen“

  1. avatar Borgfels sagt:

    Armel hat ein intaktes Boot, Alex nicht. Das ist nicht Grenzen aufweisen sondern Glück.
    Mit intaktem Foil wäre Alex mittlerweile auf in und davon, Hugo Boss wäre dann vom Design das schneller Boot. Taktik von Alex war im Atlantik überragend, nun muss er den geänderten Eigenschaften seines Bootes Tribut zollen. Da sind seine Optionen eingeschränkt und er muss mehr riskieren.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 6

    • avatar stefan sagt:

      ….auch im Südatlantik war sein Boot schon “kaputt”. Trotzdem konnte er sehr gut mithalten. Scheint eher, als ist bei Thomson die Luft raus. Ist halt ein langen Rennen, viel länger als mal eben vom Mast zu springen. 🙂
      Aber hey, immerhin ist er noch dabei.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 7

      • avatar Fabian sagt:

        Oh man ey, wie oft will eigentlich noch jemand sagen, dass bei Thomsen die Luft raus ist?

        Ich bin mir sicher, dass er fast immer bei 100% seinert Polar Speeds liegt, also kein Problem von wegen Luft raus.
        Bei der diesjährigen VG machen kleine Unterschiede manchmal viel aus. Vor ein paar Tagen segelte Thomsen etwas höher als AC, dann hatte er ein Foil Problem und verlor nochmal ca 30 sm. die angesammelten 120 sm Rückstand führten dazu, dass er früher Halsen musste und deutlich nördlicher als AC war. Sicher nicht gewollt, aber bei über 50 kn Wind geht man auch nicht hart an den Wind. NAch den Tiefs stand er mit über 200 sm Abstand hinter AC. Was macht man da? 1. VAriante: Nach Süden halsen, sicherer Weg, aber bedeutet auch, dass man hinter AC her fährt und auch keine Chance hat vorbei zu kommen, vorallem wenn man ein halb kaputtes Boot hat. 2. VAriante: Höheres Risiko gehen und im Norden bleiben. Eventuell verliert man (wie geschehen) aber man segelt auch in anderem Wetter, hat also eine Chance wieder ran zu kommen.

        Armel segelt fehlerfrei, zumindest so gut wie und hat das entsprechende Glück. Thomson segelt taktisch extrem gut. Aber als zweiter mit einem kaputten un dadurch langsameren Boot ist es extrem schwer eine gute Taktik zu fahren. “Gib mir ein schnelles Boot und ich bin ein guter Taktiker…”
        Alle mal schön durch die Nase atmen die finden, Alex Thomson kann nicht segeln sondern nur Marketing. Er hatte auch in diesem Rennen wieder viel Pech.

        Was man auch nicht vergessen darf: Einige der jungen aufstrebenden Skipper sind gecastet. Extrem gute Segler, so wie Armel lC, Francois G. oder jetzt auch Paul M. Aber die Finanzierung, Boot, Team etc wird von anderen geregelt. In AC Fall ist BAnque Pop das Team und nicht AC. (Nochmal: nichts gegen AC, er segelt extrem gut und fehlerfrei!). Alex segelt für Alex Thomson Racing, er ist das Team, er stellt die Leute zusammen. Da ist ein Unterschied. Ist man begabter Franzose und wird von einem grossen Team als Skipper angestellt hat man es oft leichter als wenn man Brite ist. Schaut doch mal wo die anderen Skipper sind, die nicht für ein grosses Team segeln… AC muss auch nicht vom MAst springen um sein Sponsoring zu behalten, AT muss…

        BTW.: Schaut mal was Conrad Colman für ein Rennen fährt. Mit einem alten Boot, was noch nie wirklich getestet wurde. Ohne Windinstrument, mit massig Problemen, aber er segelt deutlich schneller als die anderen Boote seiner Generation. Genial der Typ. UND: Er bringt auch noch tolle Videos und Berichte auf seiner Website.

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        • avatar Tyske Amatør sagt:

          D`accord!
          Besser kann man es nicht beschreiben.

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        • avatar dubblebubble sagt:

          Apopos Colman… ganz stark finde ich auch was Didac Costa abliefert. Er ist vier Tage später als die anderen gestartet – die Moral dafür muss man erstmal haben – und hat sich zäh herangekämpft. Die ersten der nur auf Ankommen segelnden hat er auch schon überholen können.

          Tja, Le C’leach, ein absoluter Ausnahmesegler: unheimlich ruhig, ohne jedes Drama und sauschnell. Hat auch nie Pech mit UFOs… tocktock…

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  2. avatar Fabian sagt:

    Naja, Armel segelt aber auch echt fehlerfrei. Ist natürlich auch extrem viel Glück. Schaut man sich die Routings der letzten Tage an, sah es nach dem 1. Tief häufig so aus, als ob Thomson als Gewinner raus kommen würde. Dann hat sich das hässliche Hoch vor im gebildet und das Tief bei Armel l C ist nicht so schnell weggezogen.
    Ist halt neben können auch viel Glück. Armel l. C hat ja selbst gesagt, dass er jetzt entspannter ist, glaub also nicht, dass er langsam gefahren ist. Die Jungs nehmen in so engen Zweikämpfen jede Meile Vorsprung die sie bekommen können.
    Thomson muss jetzt abwarten. Es kommen ja noch Hochdruckgebiete im Südatlantik und die Doldrums. In den Doldrums sind 400 sm ganz schnell weg…

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  3. avatar harry sagt:

    Macht Spaß, das hier zu lesen. Gute Berichte, gute Kommentare. Coleman gefällt mir auch. Zum Team-spirit: Armel le C. ist ein Individualist, aber er arbeitet mit einem Top-Rennstall zusammen. Alex segelt enorm gut, und er hat mir vor dem Rennen gesagt, dass er darauf vorbereitet ist, dass ein Foil bricht. War dennoch überraschend, wie gut er weiter gefahren ist. Bei le Cléac’h auf Fehler zu hoffen… der weißt, was Fehler sind, und wie man sie vermeidet. Bleibt 98% Können und Taktik, und 1% Glück. Wer bei Speed was rammt und wer nicht, das ist Glück. Wie man ein Ramming übersteht, das ist zum teil konstruktive Intelligenz. Die Lösung besteht nicht darin, einen Eisbrecher zu bauen.

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    • avatar Tyske Amatør sagt:

      Das “ER” -Alex- darauf vorbereitet ist, dass ein Foil bricht hat “ER” zu “DIR” gesagt ???
      Du siehst mich ein wenig skeptisch aber nicht minder neidisch und interessiert gucken…
      Erzähl mehr!!!

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      • avatar Björn sagt:

        Welches Foil ist ihm nochmal gebrochen?
        Jetzt lag er schon ein paar mal in der Flaute aber auf den Auslöser drücken hat er immer noch nicht geschafft.
        Wie sagt man es ist nur passiert was auch auf Video ist.

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