Vendée Globe: Le Cleac’h ist frustriert – Haben die Windgötter nun ein Einsehen?

"Wetterverständnis am Limit"

Das Duell an der Spitze der Vendée Globe hat erneut eine unerwartete Wendung genommen. Alex Thomson scheint in der Stimmung für Katzenvideos zu sein.

Die Videos, die Alex Thomson von Bord schickt, sind zum Gradmesser für die aktuelle Lage im dramatischen Zweikampf an der Spitze der Vendée-Globe-Flotte geworden. Diesmal geht es nicht um taktische Überlegungen, sondern die Tierwelt. Ein Vogel greift sich fliegenden Fische. So würde es der Brite gerne auch mit Armel Le Cleac’h machen. Aber der hat sich inzwischen seinem Zugriff entzogen.

Armel Le Clác'h

Armel Le Clác’h grübelt vor dem Bildschirm. Hat er nun den schlüssel gefunden? © V.Curutchet/BPCE

Immerhin zeigt der Hugo-Boss-Skipper noch keine Katzenvideos (wohl auch mangels Katze). Aber die jüngste Entwicklung bei der Einhand-Regatta um die Welt dürfte seine Angriffs-Ambitionen doch ziemlich eingeschränkt haben. In 24 Stunden hat Armel Le Cleac’h seinen Vorsprung fast verdoppelt auf zuletzt 192 Meilen.

Le Cleac’h zieht davon

Ausgerechnet auf der Höhe der Kap Verden, wo Alex Thomson vor zwei Monaten so großartig mit seiner Passage zwischen den Inseln gepunktet hatte, zieht ihm sein Widersacher davon. Frischer Wind hat den Franzosen teilweise auf 17 Knoten Speed beschleunigen lassen während der Brite kaum halb so schnell unterwegs war.

"Banque Populaire" zieht mit gutem Wind von den Kap Verden an der Spitze davon.

“Banque Populaire” zieht mit gutem Wind von den Kap Verden an der Spitze davon.

Le Cléac’h zeigt, dass er trotz der jüngsten Schwäche-Perioden immer noch in der Lage ist, mächtig Gas zu geben. Sein Schiff scheint gut in Schuss, und “Hugo Boss” kann im Moment nichts dagegen setzen. Offenbar hat sich der Franzose seine Kräfte und die seiner “Banque Populaire” gut eingeteilt.

Ungewohnt nachdenklich

Le Cléac'h ist deutlich schneller unterwegs.

Le Cléac’h ist deutlich schneller unterwegs.

Dabei klang er vor einem Tag noch erstaunlich negativ. Normalerweise lässt Armel Le Cléac’h wenige Einblicke in sein Seelenheil zu, aber diesmal äußerte er sich frustriert über die Situation und die verlorenen Meilen.

“Ich hatte zu früh gedacht, dass die Doldrums hinter mir lägen. Aber das war dann doch nicht der Fall. Für Alex lief es günstiger und das war hart. Im Moment sind wir noch vorne, aber wir müssen abwarten, was passiert.”

Das hörte sich ungewohnt nachdenklich an. Die Windgötter schienen ihn gebrochen zu haben. Seit dem Äquator seien die Bedingungen gewittrig und die Vorhersagen sehr ungenau. Der Weg nach Norden werde sehr hart. Die Doldrums seien quasi mit ihnen gezogen. “Voraus liegen noch sehr komplizierte Bereiche und das Szenario weicht erheblich von der Normalität ab. Ich bin mit meinem Verständnis des Wetters am Limit.”

Rasmus Respekt

Aber nun zollen Rasmus und Co den Bemühungen des Einhand-Skippers offenbar doch noch Respekt. Sie schicken ihm den Wind, den er nach der bisherigen souveränen Bewältigung der härtesten Rennstrecke der Welt verdient hat.

Allerdings kann man sich bei dieser Regatta nach dem bisherigen Verlauf auch nicht sicher sein. Vielleicht treiben die Herren der Winde nur ihr Spielchen mit dem Franzosen. Aber was wäre das für ein Drama, wenn er noch auf den letzten Metern irgendwo einparken würde. Man mag es ihm nicht wünschen.

Vendée Globe Tracker

Die Vendée Vlotte im Überblick. Acht Boote haben Kap Hoorn passiert.

Die Vendée Vlotte im Überblick. Acht Boote haben Kap Hoorn passiert.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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