Vendée Globe: Mathe-Lehrer Rich Wilson (66) um die Welt – 750.000 Schüler erreicht

Nicht bereit für Pfeife und Pantoffeln

Überraschungsparty 20 Meilen vor dem Ziel für Rich Wilson:

Der Amerikaner Rich Wilson hat mit 66 Jahren seine zweite Vendée Globe beendet und betont, wie hart es diesmal war. Was ihn zum Weinen gebracht hat.

“Manchmal hätte ich mir die Haare ausreißen können, wenn ich mal wieder in Kreisen umher trieb”, sagt der Rich Wilson (66) ältester Skipper bei dieser Vendée Globe. “Es war die Müdigkeit oder der Frust. Daraus entstand Ärger. Man denkt, alle Götter sind gegen dich. Neptun ist gegen dich. Ich versuchte manchmal zu heulen, um die Spannung abzubauen, aber ich konnte nicht.”

Rich Wilson

Der Amerikaner Rich Wilson (66) im Ziel der Vendée Globe. © B. Gergaud

Nur einmal seien alle Dämme gebrochen. Vor ein paar Tagen ist Wilson ein Bild übermittelt worden von einer Schulklasse in Indien, die seinem Unterricht-Programm gefolgt ist. “Da habe ich mir auf dem Kartentisch die Augen ausgeweint. Das genau ist es, warum ich diese Vendée Globe gemacht habe.”

Rich Wilson besitzt einen Mathematik-Abschluss von der Harvard-Universität und hat am MIT (Massachussetts Institute of Technology) in Boston Wissenschaften studiert. Er arbeitete als Mathematik-Lehrer in Boston, als Analyst für Verteidigungsstrategien in Washington und als Berater für eine Entsalzungsanlage in Saudi Arabien. Aber diese Vendée Globe hat er unternommen, um junge Menschen mitzunehmen und zu inspirieren.

750.000 Schüler erreicht

Sein facettenreiches Lehrprogramm SitesAlive mit täglichen Audio-Beiträgen von Bord soll 750.000 Schüler in 55 Ländern erreicht haben. Es geht um Meeresverschmutzung, Medizin, Fischerei, Klimawechsel, Kunst, Sprache oder Navigation. Selbst in China und Taiwan werden 12.000 Klassenräume erreicht.

Rich Wilson

Ältester Vendée Globe Teilnehmer Rich Wilson. © B. Gergaud

Diese Verbindung hat Wilson angetrieben, das Abenteuer Vendée Globe noch einmal im hohen Alter zu bestehen. Er verbreitet auch die Botschaft, das Alter sei nur eine Zahl. Und er erklärt vor dem Start, dass er sich noch nicht bereit fühle für Pfeife und Pantoffeln.

So bewältigte er die Regatta diesmal in 107 Tagen und war damit mehr als zwei Wochen schneller als bei seiner ersten Vendée. Sein Schiff (Baujahr 2006) hat diese Tortur damit schon zum vierten Mal überstanden. Ursprünglich sollte es Dominique Wavre als “Temenos II” 2009 zum Erfolg führen. Aber der Schweizer scheiterte beim ersten Versuch und absolvierte die Regatta um den Globus dann 2012/13 in 90 Tagen. Danach segelte das Schiff noch zweimal beim Barcelona World Race um die Welt. Wilson kaufte den IMOCA 2013 und musste ihn einem umfassenden Refit unterziehen, nachdem ein Jahr später ein Blitz eingeschlagen war.

“Immer war es grau”

Wilson war nicht besonders schnell unterwegs. Er hadert mit den vielen Flauten, die ihn gebremst haben, ist aber auch etwas erschreckt, als sein Schiff 24,7 Knoten erreicht. “Ich verstehe nicht, wie die Spitzenleute, den Stress bei diesen Geschwindigkeiten aushalten.” Außerdem beschäftigten ihn technische Probleme mit dem Autopiloten und dem Hydrogenerator zur Energiegewinnung. Aber er löste sie alle.

Rich Wilson

Rich Wilson mit seiner 11 Jahre alten IMOCA. im Ziel. © B. Gergaud

Enttäuscht äußert er sich über das Wetter. “Es war immer grau, grau, grau…Deprimierend und sehr, sehr hart. Einmal nur vor vier Tagen habe ich die Sonne für etwa 20 Minuten gesehen.” Das Beste sei die Kommunikation mit den Teilnehmern unterwegs gewesen. Täglich habe man sich per Email ausgetauscht. “Wir sind eine echte Gemeinschaft.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Vendée Globe: Mathe-Lehrer Rich Wilson (66) um die Welt – 750.000 Schüler erreicht“

  1. avatar Backe sagt:

    Mal ein dickes Lob an die Vendee-Veranstalter, aber auch an SR:

    Ich finde es toll, dass auch über den Zieleinlauf und die Backstories der weiter hinten platzierten Vendee-Teilnehmer ausführlich berichtet wird. Es ist eine phantastische Leistung, so ein Ding überhaupt gesegelt und “gestanden” zu haben, die von uns Teichseglern (fast) genauso großen Respekt verlangt, wie die Leistung der Podiumsgiganten.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

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