Vendée Globe: Mit Herrmanns Erfolg wachsen Hoffnungen auf einen Effekt für den deutschen Segelsport

Bumm-Bumm-Boris

Tracker checken, Nachrichten lesen, Wetterentwicklungen beobachten: Für die Fans der Vendée Globe wird der Zieleinlauf der Spitze im Laufe des Mittwochs zu einem Fulltime-Job. Mittendrin im Geschehen: Offshore-Bundestrainer Tim Kröger. Er wird den Zieleinlauf als Co-Kommentator im NDR-Livestream analysieren und ist voller Begeisterung ob der Leistung von Deutschlands erstem Vendée-Segler Boris Herrmann.

Boris Herrmann gibt auch beim Endspurt alles. © Jean-Marie LIOT / Malizia

„Ich bin nicht überrascht, dass die Vendée jetzt in Deutschland zu solch einem Hype wird. Wenn es einen Protagonisten gibt, der seine Erlebnisse greifbar rüberbringen kann, dann ist das klar. Das war beim Tennis mit Graf und Becker so, und das passiert nun bei Boris“, sagt Tim Kröger. „Dass er nun auch noch vorn dabei ist, macht das Ding noch größer. Das freut mich unglaublich.“

Bundestrainer Tim Kröger begleitet die Zielankunft der Vendée Globe mit viel Enthusiasmus und den Erfahrungen seiner eigenen Offshore-Karriere. Foto: Eike Schurr

Aus Sicht des Bundestrainers sind drei Faktoren für den medialen Erfolg dieses Rennens verantwortlich: 1. Die Persönlichkeit von Boris Herrmann. 2. Die Tatsache, dass er als erster Deutscher in diesem stark besetzten Feld segelt. 3. Der sportliche Erfolg. Und diesen Erfolg habe sich Boris Herrmann redlich erarbeitet, so Kröger. Diskussionen über Zufall, Glück und Pech der anderen sowie die in französischen Kreisen diskutierte Zurückhaltung von Herrmann im Southern Ocean will er nicht gelten lassen: „Abgerechnet wird im Ziel. Und es bewahrheitet sich hier das Sprichwort: to finish first, first you have to finish. Eine Weltumseglung zu bestreiten, ist eine ständige Schlacht gegen Widrigkeiten. Das fängt mit der Beschaffung des Budgets an, geht weiter bei der Vorbereitung bis hin zur dauerhaften Arbeit an Bord. Allein das Rennen durchzustehen, ist eine großartige Leistung.“

Noch ist vieles offen im Zielsprint, eine Top-Fünf-Platzierung ist für Boris Herrmann aber wahrscheinlich.

Dabei will Kröger nicht über den Ausgang des Rennens diskutieren: „Boris ist gut dabei, aber er muss es noch nach Hause bringen. Es gilt für ihn, in den kommenden 30 Stunden voll konzentriert zu sein und die Euphorie, die inzwischen von außen hingetragen wird, komplett hintanzustellen. Aber er hat ein gutes Package und lange nicht die technischen Probleme, die ein Bestaven mit den Segeln oder ein Ruyant mit dem Foil hat. Aber jeder, der Regatten segelt, weiß, dass das Rennen erst im Ziel zu Ende ist.“ Und dann blitzt doch die Hoffnung durch, dass es weit nach oben geht für Boris Herrmann: „Als zur Halbzeit die Top-Favoriten dahinbröckelten, da wurde deutlich, dass er gut rauskommen könnte. Eine Top-Fünf-Platzierung ist ein gigantischer Erfolg.“

Der NDR überträgt die Zielankunft im Livestream ab Mittwoch um 18 Uhr mit Tim Kröger als Co-Kommentator.

Ein Erfolg, der nach dem Wunsch des Bundestrainers gern auf den deutschen Segelsport abfärben darf: „Was Boris macht, kann Signalwirkung haben – hoffentlich bei denen, die solche Kampagnen finanzieren können, aber natürlich für das Offshore-Segeln an sich. Man merkt es jetzt schon an der Begeisterung und an dem gesteigerten Verständnis für das Rennen. Es ist aber auch eine einfache Formel: Man, Machine und ein Rennen um die Welt. Boris‘ Erfolg macht Lust auf mehr. Ich hoffe, dass er seine Vorbildfunktion auch nutzen wird.“

Als Offshore-Bundestrainer interessiert Tim Kröger auch, wie sich der Erfolg für den deutschen Segelsport insgesamt nutzen lässt. Foto: Jens Anders

Kröger hat dabei natürlich auch das Doublehanded Mixed Offshore Segeln im Fokus, das in 2024 in Marseille nach dem Willen von World Sailing olympisch werden soll. „Wir warten da noch auf das Go des IOC. Die Entscheidung soll bis zum Mai gefallen sein. Wir brauchen eine schnelle Entscheidung. Aber gerade in Frankreich wird dafür intensiv hinter den Kulissen gearbeitet. Das geplante Olympia-Format bietet eine große Chance, um Segeln näher zu bringen: Ein Rennen, keine Rechnerei, Medaillenvergabe.“ Bis zu der finalen Entscheidung des IOC ist es aber noch schwer für den DSV, Gelder für die Disziplin zu generieren. Dabei gibt es in der kurzen Zeit bis 2024 genug Arbeit: „Wir arbeiten intensiv mit den schmalen Mitteln in unserer Trainingsgruppe. Im Herbst haben wir die Defizite bestimmt. Die liegen vor allem im meteorologischen Bereich. Da kooperieren wir nun mit Sebastian Wache, um dann gestärkt auf das Wasser zurückzukehren. Die Mini-Segler, die im Herbst beim Transat an den Start gehen wollen, haben aber schon gute Dynamik in das Geschehen gebracht“, so Kröger.

Jetzt aber ist der Fokus des Bundestrainers erst einmal auf die Zielankunft bei der Vendée gerichtet: „Ich hänge am Rechner, bereite mich auf den Livestream vor. Ich werde den Chronisten geben, der das Geschehen einordnen soll. Aber natürlich bin ich voller Begeisterung. Offshore-Segeln ist mein Leben. Ich habe meine Weltrennen sehr genossen. Und das jetzt ist Boris‘ Zeit.“

NDR-Livestream

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