Vendée Globe: Nach Untergang im Southern Ocean – Kevin Escoffier startet 2024 mit Neubau

Harter Konkurrent für Boris

Kevin Escoffier ist als Unglücksrabe in die Annalen der Vendée Globe 2020/21 eingegangen, als sein Boot auseinanderbrach und versank. Aber Sponsor PRB hält ihm die Treue. Nun bekommt er einen IMOCA Neubau.

Der französische Cartoonist Vincent Beaufrère hat versucht den Moment des Untergangs der “PRB” nachzuempfinden.

Kevin Escoffier hat der Vendée Globe und seinem Sponsor PRB jede Menge Aufmerksamkeit verschafft – wenn auch in einer Weise, auf die er wohl gerne verzichtet hätte. Der Volvo Ocean Race Sieger von 2018 (Dongfeng) und langjährige Banque Populaire Projekt Manager gehörte schon zuvor zu den Mitfavoriten, auch wenn sein Schiff elf Jahre alt war. Aber seine Reputation als Ingenieur und Segler machte ihn zu einem Podium-Anwärter, obwohl er seine Vendée-Globe-Premiere absolvierte. Escoffier hatte das Schiff schließlich vielbeachtet bei der Transat Jacques Vabre (2019) auf Rang zwei gesegelt.

Escoffier verlässt schwimmend Jean Le Cams IMOCA. © Marine Nationale / Défense

Den Erwartungen wurde der Skipper in der Anfangsphase der Vendée Globe bis zum Untergang auch durchaus gerecht. Aber schließlich mehrten sich die Stimmen, dass der Franzose sein altes Boot, das auch das leichteste der Flotte war, im Sturm wohl zu stark gepuscht und den Schaden forciert habe.

Halbfertiger Neubau

Sein Sponsor PRB zweifelt aber offenbar nicht an den Fähigkeiten. Im Gegenteil. Die Baufirma mit rund 200 Angestellten, die ununterbrochen seit 1992 Teilnehmer bei der Vendée Globe unterstützt und 2000 (Michel Desjoyeaux) und 2004 (Vincent Riou) siegreich war, gibt nun noch einmal richtig Gas. Dabei deutete vor der vergangenen VG viel auf einen langsamen Abschied des Sponsors hin. Die Teilnahme von Kevin Escoffier mit dem alten Boot war durch viel Eigeninitiative des Skippers zustande gekommen.

PRB im Kampf mit den Elementen. Sie liegt nun auf dem Grund des Southern Ocean. © Jean-Marie Liot/PRB

Aber nun bekommt der sympathische Hochseesegler aus Saint Malo, der auch im Interview mit Manuel Macron eine gute Figur machte, einen Neubau für die nächste Vendée Globe 2024. Dabei muss er nicht bei Null starten, sondern bedient sich eines IMOCAs, der sich schon im Bau befindet.

Eigentlich war das Schiff für den Crewmodus beim The Ocean Race 2022 gedacht. Die Zeichnung stammt von Apivia- und LinkedOut-Designer Guillaume Verdier und das Schiff ist schon bei der britischen Werft von Jason Carrington im Bau, wo Alex Thomson seine IMOCAs fertigen lässt. Der potenzielle Projekt-Finanzier ist aber abgesprungen und so hat das Ocean Race nun einen Teilnehmer weniger und die Vendée Globe einen mehr.

Ende November 2021 soll der Rumpf nach Frankreich geliefert und dann in Lorient fertiggestellt werden, wo Kevin Escoffier sein Team aufbaut. Der Stapellauf ist für Ende März 2022 geplant. Danach soll bei der Regatta Vendée-Arctique im Juli 2022 mit Start und Ziel in Les Sables d’Olonne der erste Renneinsatz erfolgen. Im November folgt dann mit dem Solorennen Route du Rhum der erste Höhepunkt.

Großer technologischer Wandel

PRB-Chef Jean-Jacques Laurent erklärt per Pressemitteilung: “PRB ist seit dreißig Jahren im Segelsport tätig und die Geschichte wird weitergehen. Die Gespräche mit Kevin Escoffier sind sehr gut verlaufen. Wir haben einen Skipper, der von unseren Mitarbeitern schnell akzeptiert wurde. Wir konnten schon früh ejntscheiden, dass wir ihn bei einer zweiten Vendée Globe begleiten wollen. Aber wir haben uns die Zeit genommen, alle möglichen Wege zu erkunden, um das Budget nicht ausufern zu lassen. Mit diesem Rumpf ist uns das nun gelungen. Er ermöglicht uns außerdem, viel Zeit zu sparen.” PRB will das Projekt mit einem Co-Partner angehen, dessen Identität aber erst später gelüftet werden soll.

Escoffier sagt zu seinem neuen Abenteuer: “Wir wussten, dass dieser Rumpf existiert. Und es wäre eine Schande gewesen, diese Gelegenheit nicht zu nutzen. Zumal es von Guillaume Verdier entworfen wurde, den ich schätze und gut kenne. Durch diese Option können wir früh genug auf das Wasser und das Schiff optimieren. So wird es für die Vendée Globe zuverlässiger. Wir werden auch Zeit haben, an der Performance zu arbeiten. Bei den IMOCA-Booten findet ein großer technologischer Wandel statt, vor allem bei den Foils. Es gibt noch viel zu entwickeln, viel zu lernen und wir werden von vielen Optimierungen profitieren.

Ich bin natürlich sehr froh und stolz, dass PRB mir weiterhin das Vertrauen schenkt. Es herrscht eine unglaubliche Energie und Dynamik bei PRB. Ich war sehr beeindruckt und berührt von der Unterstützung, die ich bei meiner Rettung erhielt. Ich weiß, dass ich bei dieser nächsten Vendée Globe nicht allein an Bord sein werde! ”

Mit dem Start dieser ambitionierten Kampagne wird Kevin Escoffier von Anfang an zum Favoritenkreis für die nächste Vendée Globe gehören. Er mag durch die spektakuläre Havarie zwar als Bruchpilot in die Geschichte der Vendée Globe eingegangen sein, aber eigentlich passt das überhaupt nicht zu seinem Image als gewissenhafter Ingenieur, der sich seit vielen Jahren eher im Hintergrund mit siegreichen Hochsee-Projekten beschäftigt. Der Untergang hat insbesondere damit zu tun, dass er wenig Zeit und auch kein großes Budget hatte, um sein altes Schiff ausreichend zu optimieren. Wenn er nun deutlich länger und intensiver an seinem neuen Projekt arbeiten kann, sollte er auf dem Wasser noch leistungsfähiger sein. Allerdings ist nicht klar, wie viele Kompromisse Designer Verdier bei den Konstruktionslinien machen musste, um sie für das eigentlich geplante Crewrennen um die Welt zu optimieren. Neuere Bauvorhaben, wie etwa das von Boris Herrmann, mögen flexibler auf die neuen IMOCA-Regeln reagieren können. Aber mit Sicherheit ist Escoffier eine Bereicherung für die Szene.

Vorläufige Regatta Zeitplan für Kevin Escoffier

– März 2022: Stapellauf

– Juli 2022:  Vendée – Arktis – Les Sables-d’Olonne

– September 2022:  Défi – Azimut

– November 2022:  Route du Rhum – Destination Guadeloupe

– September 2023:  Défi – Azimut

– November 2023:   Transat Jacques Vabre

– Mai 2024:  The Transat CIC 

– Juni 2024: New-York Vendée – Les Sables d’Olonne

– September 2024: Défi – Azimut

– November 2024: Vendée Globe

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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