Vendée Globe: Nicht-Foiler schieben sich nach vorne – Thomson schwer gebeutelt

Herber Rückschlag

Die Führungsgruppe ist gehalst, und nun zeigt sich, wie kostspielig Alex Thomsons Ausbruchversuch nach Westen war. Es gibt aber jemanden, der noch brutaler verloren hat.

Alex Thomson hat schon früh eingesehen, dass seine risikoreiche Absplittung vom Feld wohl nicht gut ausgehe. Aber er äußerte die Überzeugung, dass er wenigstens noch in Schlagweite der Spitzenboote segeln würde. Das ist nun nicht passiert. Der Abstand hat sich auf 61 Meilen vergrößert, und der Brite ist immer noch nicht auf Südkurs gehalst, wo der Wind für die Führungsgruppe immer stärker wird.

Hugo Boss Thomson

Alex Thomson hat viel verloren und versucht, sich wieder heranzukämpfen. © Hugo Boss

So früh im Rennen ist so ein Rückschlag schon eine empfindliche psychologische Bürde. Noch schwerer dürfte in seinem Kopf aber wiegen, dass er auch den Speed-Zweikampf bei Foil-Bedingungen gegen Le Cleac’h verloren hat. Thomson scheint nicht den technischen Vorsprung zu haben, den ihm sein Design-Team versprochen hat.

“Hugo Boss” segelt sicher nicht langsam, aber eben auch nicht so schnell, dass es sich auszahlt,  beim Gegner zu bleiben, und ihn einfach mit überlegenem Speed nieder zu ringen. Aber das letzte Wort ist längst nicht gesprochen. Vielleicht macht der sympathische Brite seine Wunderwaffe noch im Southern Ocean scharf. Es bleibt nur zu hoffen, dass er nicht jetzt schon die Nerven verliert und sich durch weitere Extremschläge früh aller Chancen beraubt.

Stimmungstief für Dick

Thomson steckt schließlich nicht alleine im Stimmungstief. Noch mieser geht es Jean-Pierre Dick, der vor genau einem Tag noch auf Rang zwei lag und nun mit 81 Meilen Rückstand zwölfter ist. Der 51-Jährige, der 2012 die letzten 2643 Meilen der Vendée Globe ohne Kiel zurücklegte und Vierter wurde, hatte einen Mittelweg zwischen Thomsons Extremschlag und Le Cleac’hs West-Option gewählt und schien der Gewinner zu sein.

Die gesamte Flotte ist wie gegen eine Wand gefahren und vom Hochdruck-System eingebremst worden.

Die gesamte Flotte ist wie gegen eine Wand gefahren und vom Hochdruck-System eingebremst worden.

Zumal seine “St.Michel Virbac” offenbar speedmäßig besser dabei ist als ihr zuvor zugetraut worden war. Aber er blieb in der Flaute stehen, halste dann auch noch zu spät auf Südkurs und verlor in wenigen Stunden über 40 Meilen auf die fast gleichauf liegende “Safran”, die zurzeit auf Platz vier rangiert und damit der größte “Mover” im Feld ist.

Nicht-Foiler machen Druck

Auf den Podiumsplätzen zeigt sich bei den aktuellen Vorwind-Bedingungen, wie gut die Nicht-Foiler unterwegs sind. “PRB” macht mächtig Druck auf “Banque Populaire”, die perfekt die Rechtsdrehung des Windes ausgesegelt hat, und liegt nur noch acht Meilen zurück. Das optimierte extrem leichte Schiff scheint tiefere Winkel steuern und bessere VMG-Werte erreichen zu können.

Den Windschatten von Madeira weiträumig umfahren. Le Cleac'h hat die Rechtsdrehung perfekt erwischt.

Den Windschatten von Madeira weiträumig umfahren. Le Cleac’h hat die Rechtsdrehung perfekt erwischt. Dick (oben links) ist der große Verlierer der letzten Stunden

Aber das ist offenbar kein Selbstgänger für die Nicht-Foiler wie auch “SMA”. Denn der mit Tragflächen ausgestattete Morgan Lagravière (“Safran”) zeigt im Zweikampf mit “SMA”, dass er durchaus die Tiefe des Gegners halten kann.

Sébastian Josse erklärt die Situation für seine “Edmond de Rothschild”: “Ich werde Madeira gegen Mittag passieren und die Passatwinde verstärken sich. Ich segele mit vollem Groß und großem Spinnaker, aber wir sind nicht schnell genug, um das Foil in Position zu bringen.” Auch Josse hat die West-Option taktisch bestens gemeistert und war bis auf 13 Meilen an Le Cleac’h heran aber der zog nach der Halse auf nun 41 Meilen davon.

Seb Josse

Der Ausblick von Seb Josse kurz vor seiner Halse gen Süden. © Josse

Der Non-Foiler "PRB" (orange) segelt tiefer als das Führungsboot und holt auf.

Der Non-Foiler “PRB” (orange) segelt tiefer als das Führungsboot und holt auf.

Die Foiler hoffen auf mehr Wind, um ihre Stärken zeigen zu können. Sie spitzen dann ihre Rennmaschinen etwas höher an, tauschen den runderen Vorwind-Gennaker gegen ein flacheres Segel und können dann über den bis zu zwei Knoten höheren Speed im Vergleich zu den Nicht-Foilern mit dem vorlicher einfallenden scheinbaren Wind auch wieder tiefer segeln.

Für den Spanier Didac Costa sind das alles Feinheiten, die ihn wenig beschäftigen dürften. Er hat immer noch in Les Sables d’Olonne festgemacht, um Reparaturen an der Maschine, Elektrik und am Wassertank zu erledigen. Die großen Profi-Teams haben ihm ordentlich unter die Arme gegriffen, so dass er heute Mittag ablegen kann. Allzu eilig hat er es nicht mehr. So verschob er seinen Start, um sich die brutale Kreuz in der zurzeit von mehr als 30 Knoten aufgewühlten Biskaya zu ersparen. Dennoch wird er von Beginn an mächtig auf die Mütze bekommen.

Tracker Vendée Globe

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Vendée Globe: Nicht-Foiler schieben sich nach vorne – Thomson schwer gebeutelt“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Ist rechts nicht Osten?

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