Vendée Globe: Plötzlich Favorit – Drittplatzierter Louis Burton kauft Plattbug “L’Occitaine”

Frühstarter

“L’Occitane en Provence” von Armel Tripon wird zu “Bureau Vallée 3” wird. Louis Burton gewinnt den Bieter-Wettstreit und soll mehr als 4,4 Millionen Euro gezahlt haben. Schon bei der vergangenen Vendée Globe führte seine besondere Planungstrategie zum Erfolg.

Louis Burton mit seinen Kindern am Ziel er Vendée Globe. © Bernard Le Bars/Alea

Louis Burton musste einigen Spott ertragen, als er die Vendée Globe am 8. November mit einem Frühstart begann. Es schien so, als wolle sich wie bei der Tour de France ein vermeintlich chancenloser Teilnehmer ins Rampenlicht begeben, um seinem Sponsor Übertragungszeit zu beschaffen.

Der Moment des Starts. Louis Burton ist zu früh dran und erhält eine 5h Strafe. Boris Herrmann (Kreis) lässt es vorsichtig angehen, ist aber auf der richtigen Seite.

Niemand hätte es für möglich gehalten, dass der Außenseiter mit seiner “Bureau Vallée 2” am Ende auf dem Treppchen stehen würde. Schließlich kostete der peinliche Frühstart kostete fünf Stunden Strafe, die er nach ein paar Tagen in der Flaute abbummelte und damit eine frühe Spitzenposition verlor. Als 17. folgte er der Spitzengruppe Richtung Süden, hielt aber dann mitten in den Sturm Theta rein und kam elf Plätze weiter vorne wieder raus.

Louis Burton (unten) ist am 8.11. schon am Startschiff vorbei bevor der Schuss fällt. © Jean-Marie Liot / Alea

So etwa segelte er die gesamte Vendée Globe. Augen zu und durch. Immer extrem, sei es bei der Routenwahl oder im Sturm. Immer Vollgas. Immer alles auf eine Karte. Normalerweise zerstört man mit diesem Stil sein Boot bei einer Vendée Globe. Und diese Regel schien Bestand zu haben, als er im Southern Ocean erst mit Autopoilot-Problemen von zwei auf sieben zurückfiel und schließlich einen Reparaturstopp wegen eines kaputten Fallenschlosses am Großsegel einlegt. Auf Platz elf jagt er der Flotte hinterher und ist am Kap Hoorn tatsächlich wieder dran. Am Ende hätte er Platz vier belegt. Das Missgeschick von Boris Herrmann brachte ihm schließlich sogar Bronze.

Burtons erfolgreiche Kauf-Strategie

Burton war zuvor in der französischen IMOCA-Szene ein eher unbeschriebenes Blatt. Weil er in St. Malo stationiert ist, weit entfernt etwa von der Szene in Lorient oder der erfolgreichen Trainingsgruppe in Port La Foret. Diese hat bis zur aktuellen Auflage jeden Vendée Globe-Sieger gestellt – und diesmal mit Charlie Dalin auch nicht enttäuscht.

Louis Burton vertraut bei seiner Bureau Vallée (ex Bnque Popularie) auf die alte Flügel-Generation. © Stephane MAILLARD

Aber für den 35-Jährigen, der nicht zu den Trainingsfleißigsten gehört und auch schon mal zum Glimmstengel greift (Porträt), führte eine Strategie zum Erfolg, die er vor vier Jahren fast zum gleichen Zeitpunkt umsetzte. Er kaufte eine der schnellsten Yachten – die damals für das Rennen neu gebaute “Banque Populaire” vom Sieger Armel Le Cleac’h.

Es schien auf den ersten Blick der falsche Schritt für einen potenziellen Podiumsplatz zu sein. Nach einigen technischen Regeländerungen und der rasanten Foil-Entwicklung mochte man nur noch mit einem Neubau ganz vorne konkurrenzfähig sein. Auch deshalb liefen gleich acht IMOCAs vom Stapel. Charlie Dalin prophezeihte schon 24-Stunden Rekorde von 600 Meilen an.

Neue Flieger hoben nicht ab

Wer konnte wissen, dass die besonderen Wetterbedingungen, insbesondere die Flaute im Süd-Atlantik, die neuen Flieger nicht abheben lassen würde. Normalerweise holen sich die schnellsten Raumschots-Racer vor dem Erreichen des Southern Ocean den nötigen Vorsprung, mit dem sie sich vom passenden Wettersystem durch das Südmeer blasen lassen.

Diesmal segelte das Feld aber so lange eng beisammen, dass die Leistung der Boote im chaotischen Wellenbild des Southern Ocean zählte. Dort zahlte sich aus, dass Burton sich auf sein Schiff verlassen konnte. Er stand ständig auf dem Gaspedal, machte Druck mit den erprobten kleineren Flügeln während die der Neuen abbrachen oder kaum zum Tragen kamen.

Armel Tripon in Aktion mit seinem Plattbug-Foiler in schwerer See. © Pierre BOURAS / L’Occitane en Provence

Boris Herrmann, der mit Malizia ein Schiff der gleichen Generation wie Burton segelte, es aber mit neuen Flügeln nachgerüstet hatte, wünschte sich schon mal im Süden, auch die erprobten alten Foils noch zu haben. Damit hätte er nicht so vorsichtig segeln müssen.

Der einzige Neubau, der im Südmeer richtig gut zu funktionieren schien, war der Plattbug von Armel Tripon. Der erste IMOCA aus der Feder von Samuel Manuard, den Tripon schweren Herzens abgeben muss. Zahlreiche Skipper, auch Boris Herrmann, äußerten während des Rennens die Meinung, dass ein solches Design wohl die beste Wahl für die erlebten Bedingungen der Vendée Globe wäre.

Die Rumpfform hilft insbesondere in den Momenten, wenn die Foils wegen des Wellenbildes nicht zum Einsatz kommen. Bei den Atlantikrennen zuvor kam dieser Vorteil nicht so sehr zum Tragen. Die Wellen sind einfach kleiner.

Plattbug für 5 Millionen

Umso begehrter war das Boot in der Szene. Der Zehntplatzierte Maxim Sorel sprach offen darüber, mit diesem Schiff seiner VG-Karriere einen neuen Dreh geben zu wollen. Aber nun hat ihn offenbar Louis Burton mit Sponsor Bureau Vallée ausgestochen. Es hieß, “L’Occitaine” stehe für 4,4 Millionen Euro zum Verkauf. Der Bieterwettstreit dürfte aber den Preis bis nahe der 5 Millionen gepuscht haben.

Tripon im Flugmodus. © carli

“Dieses Konzept hat mich sofort angesprochen”, erklärte Louis Burton bei einer Pressekonferenz, die er in St. Malo zu diesem Anlass gegeben hat. Er sei von den Fähigkeiten Sam Manuards schwer begeistert. Der habe in den Klassen Mini 6.50 und Class40 als Segler und Konstrukteur alles gewonnen. “Wir werden die Entwicklung dieses fabelhaften Bootes fortsetzen und im Frühjahr nach einem Check-up in Saint-Malo übernehmen.”

Damit steht nun sein altes Boot zum Verkauf, das immer noch einen Marktpreis von etwa 2,7 Millionen haben soll. Burton will mit vierköpfiger Crew auch am Ocean Race Europe teilnehmen und im Herbst am Zweihandrennen Transat Jacques Vabre. 2022 steht die Route du Rhum auf dem Programm, 2024 die Vendée Globe und auch für 2025 ist schon die Transat Jacques Vabre geplant.

Es gab viel zu reparieren – Burton hat alles geschafft. Wer hätte das zuvor gedacht? © burton

Mitgefühl zeigte er auf der Pressekonferenz für Armel Tripon, der wegen Vertraulichkeitsklauseln nicht in den Transfer eingeweiht war. Der hatte selber noch gehofft rechtzeitig ein Budget generieren, um “sein” Schiff selber zu kaufen. Er werde ihn sofort anrufen.

Mit dem Erwerb des Bootes dürften für Burton die kommenden Jahre auf dem Rennkurs ungewohnt werden. Er wird nicht mehr als Außenseiter unbeobachtet hinterher segeln können, sondern erst einmal eine Favoritenrolle übernehmen. Nach seiner Leistung bei der Vendée Globe und mit dem neuen Boot gehört er nun zu den Stars der Szene. Es ist wieder ein wohl kalkulierter Frühstart, den er diesmal gerne in Kauf nimmt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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