Vendée Globe: Probleme bei Burton und Seguin – Dalin zieht vor 55 Knoten Sturm Flügel ein

"Mein stärkster Sturm"

Der führende Charlie Dalin muss seinen bisher heftigsten Sturm bei dieser Vendée-Globe überstehen. Zwei Top-Acht-Skipper fallen mit großen technische Schwierigkeiten zurück.

Während sich Boris Herrmann noch über einen schönen Sonnenaufgang freut und seinen Rückstand auf die direkte Konkurrenz deutlich verkürzt hat, haben einige Top-Ten-Kollegen in den vergangenen Stunden mit großen Problemen zu kämpfen.

Paralympics-Sieger Damien Seguin ist nach einer bisher unglaubliche stark gesegelten Vendée Globe vom vierten auf den siebten Platz zurückgefallen, seit er mit der Technik des Autopiloten kämpft. Die ersten Schwierigkeiten seien in der Nacht von Sonntag auf Montag nach einer Halse aufgetreten. Das Boot habe komische Dinge getan.

Die VG-Situation am 8.12. Dalin (r.) segelt im Sturm. Burton (u.) ist mit Problemen in den Süden abgerutscht

“Es war ein schrecklicher Tag.” Fast 24 Stunden musste er basteln, um erst einmal einigermaßen mit einem Ersatzgerät wieder auf Spur zu kommen. Mehrmals drehte er bei, um das Porblem zu beheben. Schließlich beschloss er zu schlafen, um die Reparaturen am im Laufe des Tages wieder aufnehmen zu können. Bisher sei nur zu 50 Prozent eine Lösung gefunden.

Er ist aber zuversichtlich. “Im Moment hat man den Eindruck, dass es ein Drama ist. Aber der Weg ist noch lang, und ich bin stolz auf dieses erste Drittel des Rennens. Wir werden alles versuchen, um so weitermachen zu können”. Seguin hat gut 190 Meilen auf Boris Herrmann verloren und liegt nur noch knapp vor ihm.

Der Abstand zum Führenden. Herrmann (grau) hat viele Meilen gut gemacht.

Ähnliches gilt für Louis Burton, der im Begriff war, ganz vorne anzugreifen. Aber auch der ehemals Drittplaztierte hat einen Platz und etwa 160 Meilen zu Herrmann verloren. Sein Bug zeigte mehrfach in alle Himmelsrichtungen und der Speed-Schnitt liegt unter zehn Knoten. Zuletzt plagte ihn ebenfalls der Autopilot und offenbar hat Burton einen südlichen Kurs in eine ruhigere Windzone, um das Problem vollständig zu beheben.

Für Burton ist es ein Dejavu. Schon bei der vergangenen Vendée Globe, die er als Siebter beendete,  kosteten ihn Probleme mit dem Autopiloten eine mögliche bessere Platzierung. In der dritten Woche hatte er außerdem bremsen müssen, um nach einer Kollision Reparaturen an einem Ruderkopf vorzunehmen. außerdem bremsten ihn Schäden an einem Schwertkasten wie auch Verletzungen an Knie und Ellenbogen.

Die Speed-Kurven von Seguin (rot), Burton (gelb) und auch Le Cam (weiß) sind extrem abgesackt.

Sorgen macht auch die Speedkurve von Jean Le Cam. Er war zuletzt ebenfalls langsamer als mit zehn Knoten unterwegs und hat in Bezug zu Herrmann 100 Meilen verloren.

Dalin muss durch den Sturm

Schwierig ist die Situation für Charlie Dalin an der Spitze. Er sieht sich seit Tagen einem extremen Tief gegenüber, das er bewältigen muss. Es sei der “stärkste Sturm”, dem er sich bei dieser Regatta gegenüber sieht, sagt er. Die Aussage erstaunt, nachdem er immerhin schon den ehemaligen Hurrikan Theta abgewettert hat.

Charlie Dalin gibt Gas mit seiner Apivia. © Yvan Zedda /VG 2020

Dabei hat er zuletzt nicht etwa gebremst, um das Unheil vorüberziehen zu lassen, sondern er gab mächtig Gas, um sich weiter nördlich des Sturms zu positionieren. Aber er wird den Bedingungen nicht ausweichen können. In der Nacht sollen mehr als 55 Knoten starke Böen über ihn hinwegziehen. Beim Abwettern plant er, die Tragflächen maximal einzufahren.

Thomas Ruyant segelt zurzeit 222 Meilen dahinter und zeigte sich mit Wind von Backbord im Genuss seines intakten Steuerbord-Foils nach wie vor auf Augenhöhe mit dem Speed des Führenden. Zuletzt ging er aber vom Gas und wird damit den Großteil des Tiefs vermeiden.

Schnellster Mann im Feld ist wieder Armel Tripon (L’Occitane de Provence) auf Platz 14. Er schaffte mit seinem Scowbug-Foiler einen 24 -Stunden-Schnitt von 19 Knoten und legte dabei 457 Meilen zurück. Wenn er diesen Höllenspeed beibehalten kann, mag mit etwas Wetterglück doch noch ein Comeback möglich zu sein. Der Abstand zum nächstplatzierten Konkurrenten beträgt allerdings noch 660 Meilen.

Boris Herrmann erklärt am Morgen von seiner Seaexplorer-Yacht-Club de Monaco, dass er bei 20-22 Knoten Wind segelt und der Speed zwischen 11 und 32 Knoten pendelt – je nach Wellenrampe. Er bereitet sich jetzt auf stark zunehmenden Wind in den nächsten 48 Stunden vor. Erst nach weiteren 800 Meilen im Osten soll er nachlassen. Aber er habe kein Problem damit.

Am Donnerstag soll das Schlimmste überstanden sein. Danach könnten sich auch endlich Bedingungen mit unter 15 Knoten ergeben, bei denen er das andauernde Problem mit dem Reißverschluss der J2 Fock lösen kann. Die fehlende Einsatzmöglichkeit für dieses Segel habe ihn schon viele Meilen gekostet.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Probleme bei Burton und Seguin – Dalin zieht vor 55 Knoten Sturm Flügel ein“

  1. avatar Durchsetzer sagt:

    Mehrmals drehte er bei, um das Porblem zu beheben.

    Ab da fangen die Porbleme an. Der Text müsste nochmal in die Korrektur… Es wimmelt…

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