Vendée Globe: Promi-Traumpaar Davies und Attanasio – Gegeneinander um die Welt

Mit der Hilfe von Oma und Opa

Mit Samantha Davies (Initiatives Cœur) und Romain Attanasio (Pure Best Western) ist bei der Vendée Globe zum ersten Mal ein Paar im Rennen. Was das für die beiden Segler und ihren Sohn bedeutet:

Sam Davies und Romain Attanasio kurz vor dem Start in Les Sables-d’Olonne © Jean-Marie Liot/Alea

Die Teilnahme an der Vendée Globe ist weder für Sam Davies (46) noch für Romain Attanasio (43) eine Premiere, doch diesmal ist etwas Grundlegendes anders. 2008 und 2012 machte sich nur Sam zu Weltumrundung auf, 2016 ging Romain an den Start, während Sam an Land blieb. 2020 segeln die Britin und der Franzose, die in der Bretagne leben und einen neunjährigen Sohn großziehen, nun erstmals beide gleichzeitig um die Welt.

Hilfe von Oma und Opa

Wie auch schon während anderer Regatten kümmern sich derzeit Davies Eltern um den Sohn Ruben. Die Familie ist ein eingespieltes Team. Je älter der Sohn wird, desto weniger setzen die Eltern auf eine strikte Arbeitsteilung, dafür mehr auf die Großeltern.

Ready: Sam Davies am 8. November 2020 © Olivier Blanchet/Alea

So groß wie diesmal war der Organisationsaufwand im Vorfeld eines gemeinsamen Rennens allerdings noch nie. Schließlich werden Davies und Attanasio nicht ein paar Tage oder Wochen, sondern Monate unterwegs sein, sofern alles gut geht. Auch das erste Weihnachtsfest ohne seine Eltern steht Ruben bevor.

Ihr Regattaleben ist für ihn jedoch längst nicht neu. Davies und Attanasio nahmen den Sohnemann schon als Säugling erstmals mit zum Segeln. Beim zweiten Vendée-Globe-Start seiner Mutter war Ruben 14 Monate alt.

Leicht werde die lange Trennung trotzdem nicht, erklärten Davies und Attanasio noch vor dem Rennstart – auch wegen der Sorge, dass einem von ihnen, dem Sohn oder den Großeltern etwas passieren könnte. Enger Kontakt nach Hause soll alles ein wenig erträglicher machen.

Und auch untereinander bleibt das Paar im Austausch, so weit das eben geht per WhatsApp oder E-Mail. „Wir müssen vorsichtig sein mit dem, was wir sagen“, so Romain Attanasio gegenüber französischen Medien. Über Dinge wie Strategien dürften sie sich wegen der Vendée-Globe-Regeln schließlich nicht austauschen. Letztlich sei er Unterstützer und Konkurrent in einem.

Ziel: Rekord unterbieten

Anders als Sam Davies stammt Romain Attanasio aus einer Skifahrer-Familie. Die Ferien bei einem Großonkel im Département Morbihan an der Küste brachten ihn dennoch früh mit dem Segeln in Kontakt. Bei der Mini-Transat 1999 machte Attanasio mit einer dramatischen Rettungsaktion Schlagzeilen: Nachdem sein Boot gekentert war, wurde er nur knapp von einem Frachter gerettet. Seine erste Vendée Globe beendete er 2017 nach 109 Tagen, 22 Stunden und 4 Minuten auf Platz 15.

© Jean-Marie Liot/Alea

Samantha Davies hingegen wuchs in einer Seglerfamilie auf, machte ihre ersten Schritte auf dem Boot der Eltern und nahm als Kind Wasserkontakt beim Synchronschwimmen auf. 1998 war sie Teil von Tracy Edwards Jules-Verne-Trophy-Crew. Danach probierte sie sogar für Athen 2004 eine Olympia-Kampagne mit Shirley Robertson. Aber das funktionierte nicht. Robertson gewann ohne Davies Gold. Die nahm dagegen die Erkenntnis mit, dass ihr seglerisches Leben besser weiter draußen auf dem Wasser stattfinden sollte. Bei der Vendée Globe 2008/2009 glänzte sie mit einem vierten Platz, musste vier Jahre darauf allerdings nach einem Mastbruch aufgeben.

SR traf die damals einzige weibliche VG-Teilnehmerin vor dem Start 2012. In dem Portrait heißt es: „Sie ist berühmt geworden weniger durch großartige Siege oder Platzierungen, sondern eher durch Sprüche wie ‚unterwegs steuere ich auch durchaus mal nackt‘ oder durch ein Filmchen, auf dem sie mitten im Southern Ocean bei der letzten Vendée Globe zu ‚Girls just wanna have fun‘ tanzt.

Foil, IMOCA, Boris Herrmann, Sam Davies

Die gigantische Tragfläche von Sam Davies. © initiative coeur/zedda

‚Wenn ich zu Talkshows eingeladen bin, läuft ewig dieser Streifen, die Leute wollen immer das Gleiche serviert bekommen‘, sagt sie, keineswegs bedauernd. ‚Das können sie haben!‘ Also gibt sie die verschmitzt lächelnde Kleine, die sich angeblich gerne in den Arm nehmen lässt (‚Blödsinn!‘), die beschützt werden will (‚noch größerer Blödsinn!‘) und überhaupt, so gar nicht in die Welt der harten Kerle passt (‚Bullshit‘).“

Volvo-Ocean-Race-Skipperin

Danach stieg Davies 2014 zur Skipperin bei dem ambitionierten schwedischen Volvo-Ocean-Race-Frauen-Projekt SCA auf. Es gewährte ihr Zugriff auf eine höchst professionelle Vorbereitung mit den besten Trainern und war eine perfekte Weiterbildung auf dem Weg zum Offshore-Profi-Skipper. Dafür ist sie ohnehin mit einem Ingenieurabschluss an der Universität Cambridge, längerem Praktikum bei einem Yacht-Designbüro und mehrere Jahre langer Arbeit vor allem für den Ausrüster Harken bestens gerüstet.

Ihren heutigen Mann traf sie 2003 bei der Solitaire du Figaro. Erst nach monatelangem Werben und viel Überzeugungsarbeit konnte Attanasio Davies für sich gewinnen, so erzählt es der Franzose zumindest gerne. 

© Yvan Zedda/Alea

Für die diesjährige Vendée Globe hat sich Attanasio mit seinem langsameren Schiff ein realistisches Zeitziel von 80 bis 90 Renntagen gesetzt. Davies dagegen will mit ihrem legendären IMOCA der vorletzten Generation, gepimpt mit langen Flügeln, den Rekord von Armel Le Cléac’h unterbieten und in weniger als 74 Tagen finishen. Ihr Mann traut ihr sogar den Sieg zu. Realistischer ist das Podium, wenn vorne noch Ausfälle passieren. Die zurzeit Siebtplatzierte steuert Bord an Bord mit Boris Herrmann durchaus in diese Richtung.

Die Konkurrenz mit ihrem Mann ist kein allzugroßes Thema – eigentlich! Vergangene Woche wurde es nämlich doch einmal richtig spannend beim ersten Vendée-Globe-Paar: Zwischenzeitlich wurde Attanasio überraschend auf einem sensationellen vierten Rang geführt – knapp vor seiner Liebsten. Nun hat sich das Ranking aber wieder normalisiert. Er segelt standesgemäß hinter der Liebsten auf Platz 15.

Vendée Globe Tracker

 

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