Vendée Globe: Rennfavorit “Charal” auf Gegenkurs – Was Jérémie Beyou wirklich passiert ist

Backstag gebrochen

Es ist die erste Schocker-Nachricht dieser Vendée Globe: Jérémie Beyou dreht um. Er erklärt nun, was in dieser Schicksalsnacht passiert ist. Eine Kettenreaktion zwingt ihn zum Umdrehen.

“Charal” bei der ersten Testfahrt im Mai 2020 nach Montage der Version-2-Tragflächen. © Team Charal

Jérémie Beyou muss mehr als 600 Meilen zurück zum Starthafen von Les Sables d’Olonne segeln und hat damit alle Chancen auf den Rennsieg bei dieser Vendée Globe vertan. Die Startlinie ist zwar zehn Tage lang offen, und das Charal-Team könnte die Reparaturen wohl noch rechtzeitig für einen Neustart erledigen, aber es wäre eine Überraschung, wenn er dem Feld noch einmal hinterherjagen sollte.

Schon wird darauf verwiesen, dass Michel Desjoyeaux bei seinem Vendée-Globe-Sieg 2009 mit Foncia ebenfalls kurz nach dem Start umdrehen musste, weil ein geborstener Wasserballasttank Elektronik und Autopilot beschädigt hatten. Aber der Franzose segelte damals nur 200 Meilen zurück  und nahm das Rennen mit einem Rückstand von 360 Meilen wieder auf.

Inzwischen ist auch klar, dass sich Beyous Schaden nicht alleine auf ein kaputtes Ruderblatt beläuft. Das Charal-Team hat erklärt, dass der 44-Jährige schon am Dienstag-Nachmittag gegen 14 Uhr Probleme bekommen hat.

Unkontrolliert gehalst

Ein Block – wohl an der Großschot – soll abgerissen sein, er sei durch das ganze Cockpit geflogen und habe eine Spur mit Karbonsplittern hinterlassen. Beyou war dabei, die Reparaturen zu erledigen, als der Zusammenstoß mit einem nicht identifizierten schwimmenden Objekt passierte. Dabei halste “Charal” unkontrolliert.

Beou stellte dann fest, dass das Steuerbordruder beschädigt war. Er beschloss, den nächtlichen Durchgang der Front abzuwarten, um mit den Reparaturen am Ruder zu beginnen. Am Morgen wendete er und wartete auf den Sonnenaufgang wartete, um mit den Arbeiten zu beginnen. Aber nach einigen Stunden brach plötzlich das Steuerbord-Backstag. Das Team vermutet, dass die Verbindung vorher durch den gebrochenen Schotblock beschädigt worden ist, der in der Nähe montiert war.

Aus der Summe der erforderlichen Reparaturen ergab sich die Notwendigkeit umzudrehen. Schließlich besteht auch noch die Möglichkeit, dass bei der Kollision eine der Tragflächen etwas abbekommen hat.

“Charal” wird jetzt am Freitag zurückerwartet. Die Ankunftszeit hängt aber davon ab, wie lange er mit Wind von Backbord segeln kann. Auf dem anderen Bug wird es deutlich langsamer, weil er ohne Backstag das Rigg nicht voll belasten kann. Immerhin erwartet er hauptsächlich achterlichen Wind.

Das Ruder kann wohl schnell ersetzt werden, aber das Ausmaß der weiteren Reparaturen ist nicht klar. Es wäre wohl eine Überraschung, wenn Beyou noch einmal dem Feld chancenlos hinterherjagen sollte. Andererseits hat er zurzeit wohl auch nichts Besseres zu tun.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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