Vendée Globe: Rettung von Kito de Pavant – Rumpf aufgerissen, starker Wassereinbruch

"Es ist schrecklich"

Kito de Pavant ist bei der Vendée Globe nach einer dramatischen Rettungsaktion von der Crew des Versorgers “Marion Dufresne” abgeborgen worden. Ein anderer Teilnehmer hat große Schwierigkeiten.

Der französische Vendée Globe Skipper Kito de Pavant ist bei dem ersten Morgenlicht von seiner sinkenden “Bastide-Otio” gerettet worden. Bei immer noch sieben Windstärken und sehr rauher See gelang es der Crew vom 110 Meter langen Versorger “Marion Dufresne” mit einem Schlauchboot zum Havaristen überzusetzen und den Einhandsegler aufzunehmen.

Kito de Pavant kann es nicht fassen. In der Nacht ist er mit seiner havarierten `Groupe Bel´ im portugiesischen Cascais angekommen... © Ricardo Pinto | Groupe Bel

Kito de Pavant ist Kummer gewohnt. © Ricardo Pinto | Groupe Bel

De Pavant ist unverletzt aber sehr müde und schwer enttäuscht. Dabei spricht er in einer ersten Stellungnahme von “Glück im Unglück”. Denn südlich des 40 Breitengrades herrscht nicht gerade viel Schiffsverkehr. Die “Marion Dufresne” befindet sich nur viermal im Jahr in diesem Gebiet. Sie war auf der Insel Réunion bei Madagaskar gestartet, um die kleineren französischen Inseln im südlichen Teil des Indischen Ozeans zu versorgen.

Der Ort der Rettung. Kito de Pavant ist an Bord der "Marion Dufresne" auf dem Weg zu den Crozetinseln im Süden.

Der Ort der Rettung. Kito de Pavant ist an Bord der “Marion Dufresne” auf dem Weg zu den Crozetinseln im Süden.

Der nächste Vendée Globe Kollege Louis Burton wäre erst in mehr als zwei Tagen am Unglücksort eingetroffen. Dann hätte das Schiff des Franzosen schon gesunken sein können.

Die Rettungsaktion verlief kritisch, nachdem die “Marion Dufresne” beim Havaristen eingetroffen war. Bei der einbrechenden Dunkelheit schien das Abbergen zu gefährlich. Aber der Kiel von Kito de Pavant hing nur noch an der Hydraulik-Ramme und konnte jeden Moment ganz abreißen.

Der Versorger "Marion Dufresne". De PAvant bleibt drei Wochen an Bord. © Vendée Globe

Der Versorger “Marion Dufresne”. De PAvant bleibt drei Wochen an Bord. © Vendée Globe

Das Schiff wäre vermutlich gekentert. Darauf bereitete sich De Pavant in Funk-Absprache mit dem Kapitän des Versorgers vor. Aber die Situation verschlimmerte sich noch, weil das Wasser im Boot immer höher stieg. Die Energie für die Pumpen schwand und die Batterien konnten nicht mehr geladen werden, weil die Maschine unter Wasser stand.

“Ein großer Bereich des Rumpfes ist durch das Abreißen der Kielbefestigung beschädigt”, sagt der Skipper. Bei dem Zusammenstoß habe sich der hintere Teil des Kiels in den Rumpf gedrückt und die Befestigung sei dort zerstört. Die Ramme habe mehr als einen Meter des Rumpfes aufgerissen. “Es hat mich krank gemacht, das Boot in diesem Zustand zu sehen. Es wurde für mich immer gefährlicher.”

kito de Parvant © miku

Kito de Prvant an einem besseren Tag. © miku

Eine mögliche Bergung des IMOCAs, wie bei Bernhard Stamm 2008, war wegen der schweren See offenbar keine Option. Das Schiff treibt zur Zeit im südwestlichen Windstrom nach Norden ab. De Pavant muss nun drei Wochen lang auf der “Marion Dufresne” verbleiben bevor er eine Möglichkeit bekommt, nach Frankreich zu reisen.

“Es ist schrecklich, das Boot so zu verlassen. Ich habe sehr viel verloren und daraus folgen sehr ernsthafte Konsequenzen. Ich habe zum ersten Mal ein Boot verloren. Das trifft mich sehr hart. Aber körperlich geht es mir gut.”

Darüberhinaus hat auch der Franzose Éric Bellion auf Rang 17 die Wettfahrtleitung über Probleme informiert. Sein Steuerbord-Ruder ist schwer beschädigt. Bei starkem Wind über 30 Knoten sei seine “COMMEUNSEULHOMME” in einer 50 Knoten Böe aus dem Ruder gelaufen und dabei habe sich der Ruderschaft verdreht.  Das Ruderblatt sei immer noch mit dem Boot verbunden, könne aber nicht benutzt werden.

Bellion will jetzt versuchtn, das mitgeführte Ersatzruder zu montieren. Dafür benötigt er aber ruhigeres Wasser. Er hofft, die Operation am Morgen erfolgreich über die Bühne bringen und das Rennen fortsetzen zu können.

Eric Bellion auf seiner COMMEUNSEULHOMME. © Vendée Globe

Eric Bellion auf seiner COMMEUNSEULHOMME. © Vendée Globe

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Carsten Kemmling

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