Vendée Globe: Ruderbruch bei Pip Hare – Bemerkenswerte Britin stoppt ihre “Medallia”

"Am Boden zerstört"

Pip Hare (46) ist eine der großen Entdeckungen dieser Vendée Globe. Mit dem ältesten Boot segelt die Britin beständig auf Rang 15. Nun ist ein Ruderschaft gebrochen.

Will den bestehenden Rekord von Ellen MacArthur bei der kommenden Vendée Globe unterbieten: Pip Hare © pip hare

Wenn französischen Einhand-Legenden wie Armel Le Cleac’h gefragt werden, wer sie bei dieser Vendée Globe besonders beeindruckt, fällt oft der Name Pip Hare. Die Super-Profis haben sonst meist nur ein höfliches Lächeln für die sogenannten Abenteurer mit ihren Uralt-Kisten übrig, aber die Britin verlangt ihnen ehrlich Respekt ab. Jéremie Beyou etwa sagt während seiner Aufholjagd: „Eine Pip Hare segelt klasse Schläge, da gibt es was zum Abgucken!“

Frauenpower auf den älteren IMOCA – hier Pip Hare auf Medallia © pip hare

Denn die Britin segelt zwar den ältesten IMOCA, den der Schweizer Bernhard Stamm drei Jahre lang mit Freunden in einer bretonischen Halle baute und 2000 vom Stapel laufen ließ, aber sie tuckert dem Feld nicht etwa im Cruising-Modus hinterher und wiederholt ständig das Mantra vom Erstmal-Ankommen-Wollen. Sie liegt auf Platz 15 und zeigt im Wettkampf Fähigkeiten, die ihr nur wenige zugetraut hätten.

Aber dieser Höhenflüge sind nun erst einmal vorbei. Emotional angefasst berichtet die Britin von Bord, dass sie einen Riss im Ruderschaft entdeckt hat:

“Bei meinen Routine-Checks habe ich einen Schaden an meinem Backbord-Ruderschaft. Ich muss deshalb vorerst bei dieser Regatta pausieren.Der Riss befindet sich im Schaft zwischen Deck und Rumpf auf Höhe des unteren Lagers. Direkt unter der Stelle, an der der Quadrant befestigt ist. Und jedes Mal, wenn der Autopilot das Ruder bewegt, wird der Riss schlimmer. Ich habe keine andere Wahl, als das Ruder zu wechseln. Sonst würde der Schaft unter Last in wenigen Stunden versagen.

Natürlich bin ich völlig am Boden zerstört über diesen Ausfall und was er für mein Rennen bedeutet. Aber das Einzige, was ich jetzt tun kann, ist, das Rennen zu stoppen und mich auf die Lösung dieses Problems zu konzentrieren.”

Sie habe Glück gehabt, weil sie den Schaden an dem unbelasteten Teil der Doppelruder-Anlage bemerkte kurz bevor sie halsen wollte.  So konnte sie es schnell vom Steuergestänge trennen, aber die Kontrolle noch mit dem Steuerbord-Ruder bewahren. Eigentlich wollte sie sich schön vor einer 30-Knoten-Front platzieren und hart segeln, um weiterhin etwa Alan Roura in Schach zu halten, von dem sie ihren IMOCA übernommen hat.

“Ein paar Tränen vergossen”

Sie habe auf Medallia ein Ersatzruder an Bord und könne das Problem beheben. Dafür muss sie aber nun sehr langsam nach Osten segeln nur mit der kleinen Fock. Sie wartet  auf leichteren Seegang, um den komplizierten Ruderwechsel vornehmen zu können.

“Natürlich bin ich am Boden zerstört. Aber ich akzeptiere es auch. Es ist passiert und kann nicht mehr geändert werden. Das Einzige, was wir jetzt tun können, ist, das Problem so gut wie möglich zu lösen und von dort aus weiterzumachen. Ich bin unheimlich stolz auf meine bisherige Leistung. Es hat so viel Spaß gemacht 59 Tage lang so intensiv zu segeln. Es wird wieder so sein, wenn ich fertig bin und das Rennen wieder aufnehme.

Pip Hare behebt ein Problem am Achterliek. © Pip Hare

Ich habe ein paar Tränen vergossen, aber nicht viele. Denn dieses Problem ist bedeutend und es gibt nur einen Weg, damit umzugehen – ich muss meine Energie sammeln und mich auf die Lösung konzentrieren.

Ich werde nie vergessen, dass ich so lange 15. war. Und wenn ich das Rennen wieder aufnehme, wann auch immer das sein wird, werde ich mein Bestes geben, um mich in der Flotte wieder nach vorne zu kämpfen.”

Segelsportjournalistin und Coach

Hare träumt schon als Teenager von einer Teilnahme bei der Vendée Globe. Aber erst vor zehn Jahren kam sie zum Einhandsegeln. Ihre erste Einhand-Regatta war die OSTAR (von Plymouth/GBR nach Newport/USA). Seitdem bestritt sie reichlich shorthanded-Hochseeregatten (u.a. Transat Jacques Vabre, Fastnet) und bastelte an ihrer Karriere als Segelsportjournalistin, TV-Kommentatorin, Buchautorin und Segelcoach.

Nach eigenen Angaben ging sie das Abenteuer Vendée Globe mit „winzigem Budget“ an und wurde dann von vielen Freunden und Fans bei ihren Vorbereitungen unterstützt. Unter anderem gehört Paul Larsen dazu, der den Geschwindigkeits-Weltrekord im Segeln hält (65 Knoten).

Pip Hare in typischer “Vendée-Globe-Pose” © pip hare

Auf die Frage, warum sie an der Vendee Globe teilnehmen möchte, antwortet sie: “Weil es eines der härtesten Sportereignisse der Welt ist, weil das Regattieren in einem dieser riesigen Boote allein auf dem Meer mich dazu zwingt, in jeder Hinsicht der beste Mensch zu sein und weil ich das Meer liebe, ich liebe die Herausforderung, ich will mich immer verbessern“.

Auf die Frage, wie es wohl nach der Vendée Globe 2020/21 weitergehen wird, antwortet sie im Brustton der Überzeugung: „Vendée Globe 2024, ohne Zweifel!“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Ruderbruch bei Pip Hare – Bemerkenswerte Britin stoppt ihre “Medallia”“

  1. avatar Sundance sagt:

    Das Beste ist – sie fährt schon wieder.

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