Vendée Globe: Samantha Davies ist aus dem Rennen – Fast mit Isabelle Joschke kollidiert

"Ich dachte, ich müsste sterben"

Samantha Davies gibt die Vendée-Globe auf. Die Entscheidung fiel, nachdem sie in den ruhigeren Gewässern vor Kapstadt ihre bei einer Kollision erlittenen Schäden genauer begutachten konnte.

Samantha Davies hat die Vendée Globe aufgegeben. © Anne Beauge

Sam Davies (Initiatives-Cœur) wird in den Hafen von Kapstadt einlaufen, dort Reparaturen vornehmen lassen und ist damit aus dem Rennen. Die Regeln der Vendée Globe besagen, dass jede Hilfe von außen während der Regatta verboten ist. Nur im Starthafen darf das passieren – so wie es Jéremy Beyou (Charal) getan hat. Davies erklärt in einer emotionalen Ansprache ihren offiziellen Ausstieg.

Sam Davies im Interview vor Kapstadt. Die Beschädigungen am Kiel zeigen, wie weit unten die Kollision passiert ist. Die Hebelwirkung war dadurch sehr groß.

Sie werde aber den Weg um die Welt außer Konkurrenz fortsetzen, wenn die Reparaturen erfolgreich verlaufen. Auch um weiter für Initiatives-Cœur und die One click=One heart-Kampagne zu werben, die herzkranken Kindern hilft. Für sie kamen bei dieser Regatta schon 343.000 Euro zusammen. Damit können 28 Kinder gerettet werden.

Davies erklärt, dass es nicht vernünftig erscheint, das Rennen im Southern Ocean mit einem beschädigten Boot fortzusetzen. Nach dem harten Aufprall mit dem Kiel seien zwar die Lager, auf denen der Neigekiel montiert ist, ebenso in Ordnung wie die vorderen und hinteren Schotts des Kielgehäuses. Aber die Längsschotts weisen Risse auf. Sie haben den den heftigen Schlag absorbiert.

Das Neigekiel-System. Zwei hydraulische Rammen drücken den Kielkopf nach Lee und die Bombe nach Luv.

Durch die Kollision hat sich auch die wasserdichte Verbindung zwischen dem Kielgehäuse und der Ramme gelöst. Deshalb sei permanent Wasser eingedrungen, das dauerhaft mit der Pumpe entleert werden musste.

“Es ist einfach zu gefährlich, im Südpolarmeer zu segeln, wenn all diese Dinge mit dem Boot nicht in Ordnung sind. Das Rennen ist beendet, aber ich hoffe, nicht das ganze Abenteuer. Wenn man das Boot reparieren kann, werde ich weiter um die Welt segeln.” Die Reparatur werde aber wahrscheinlich viel Zeit brauchen.

“Jeder weiß von Anfang an, dass so etwas passieren kann. Ich habe ja bereits bei der Vendée Globe 2012-13 meinen Mast verloren. Aber als mir diese Kollision vor drei Tagen passierte, dachte ich erst, ich würde sterben. Nach der überstandenen Krise wollte ich aufhören zu segeln. Aber dann fand ich, das ist dumm, das ist Unsinn. Ich muss zurück, um mich nach so einem Schock wieder aufzubauen.”

Mit Simon Tränen ins Bier vergießen

Sie sei ja auch nicht die Einzige, die so in Kapstadt ankommt. Alex Thomson ist schon da und auchSeb Simon habe hier aufgegeben. Sie stehe mit Simon in Kontakt. “Ich glaube, wir werden zusammen ein paar Tränen in unser Bier vergießen.” Es sei erstaunlich, dass er genau hier ankomme ebenfalls nach einer Kollision. “Auch Pech gehabt. Er ist ein tolles Rennen gesegelt.”

Alex Thomsons letzte Botschaft von der Vendée Globe aus Kapstadt:

Dann erzählt Davies, dass es auf hoher See nach ihrem Unfall fast noch zu einem zweiten Desaster gekommen wäre. Kurz nach dem Aufprall, der das Schiff zum Stillstand brachte, ertönte der AIS-Kollisionsalarm. Der bezog sich auf die gebürtige Münchnerin Isabelle Joschke, die sich in der Dunkelheit von hinten mit großer Geschwindigkeit näherte. “Ich hatte Angst, dass sie mich nicht sehen würde.” Per Funk habe es eine etwas gestresste Unterhaltung gegeben, damit Joschke rechtzeitig auszuweichen sollte.

Die Deutsch-Französin, die schon vor dem Unglück im Begriff war Davies zu überholen, ist nun die beste Frau im Feld. Sie liegt auf Rang neun und holt weiter auf. “Ich freue mich super für sie. Sie segelt eine wirklich gute Regatta. Sie hat ein schönes Comeback in diesem Rennen geschafft. Komm schon, Isa, ich stehe voll hinter dir! ”

Damit rückt auch ihr Mann Romain Attanasio einen Platz weiter nach vorne. Er segelt mit seinem alten Schiff ein beherztes Rennen und liegt nun auf Rang 12.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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