Vendée Globe: Sébastien Simon gibt auf – Alex Thomson angekommen – Davies emotional

"Hier endet das Abenteuer"

Sébastien Simon gibt die Vendée-Globe auf. Die Reparatur ist zu kompliziert. Hugo Boss liegt in Kapstadt und Smantha Davies wird von ihren Gefühlen übermannt.

Sébastien Simon (ARKEA PAPREC), der am vergangenen Mittwochmorgen kollidiert ist und sein Steuerbord-Foil beschädigte, wird seine Vendée Globe beenden. Der 30-Jährige läuft Kapstadt an und wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag dort erwartet.

Seb Simon, als er noch motiviert Bastelarbeiten erledigen konnte. © Sebastien Simon / Arkea Paprec

Er erklärt, dass die Beratungen mit seinem Team die Komplexität der notwendigen Reparaturarbeiten zu Tage gebracht hätten. Dafür müsste er die 300 Kilogramm schwere Tragfläche in mehreren Stücken absägen. Dann wäre der Rumpf von außen und auf dem Deck zu reparieren, um den Folien-Schacht abzudichten.

Deshalb sei er in ruhigeres Wetter Richtung Kapstadt gesegelt, wo er im Schutz geankert hätte. Diese Reparaturen hätten vier bis fünf Tage gedauert. Dazu wären noch Arbeiten am Schott und an einem Leck an der Ruderanlage gekommen. Das Wetter entwickelt sich für Kapstadt nun aber doch so ungünstig, dass Simon erst zwei oder drei Tage nach seiner Ankunft hätte beginnen können. Und es sei längst nicht sicher gewesen, dass die Reparaturen für den Rest des Rennens halten.

Bloß weg hier – und wiederkommen

“Ich kann nicht weitermachen. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier aufhören würde. Ich lag auf Platz vier bei der Vendée Globe. Ich dachte, ich würde es schaffen! Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Ich habe so viel Leidenschaft und Energie in die Sache gesteckt, ich wollte das Ziel erreichen. Hier endet nun das Abenteuer. Es tut mir für alle leid. Alle meine Partner unterstützen mich bis zum Schluss. Nun habe ich nur einen Wunsch: Bloß weg hier, aber in vier Jahren wieder zurückkommen. Es war eine großartige Erfahrung, eine einzigartige Gelegenheit. Vielen Dank an alle, die es mir ermöglicht haben, dieses schöne Projekt mit diesem schönen Boot zu verwirklichen.”

Hugo Boss im Hafen von Kapstadt. © Nikki Behrens/4DGS photo

Was für Enttäuschungen diese Skipper durchmachen. So ähnlich hat sich schon der Abschied von Alex Thomson angehört. Der Brite ist heute Morgen in Kapstadt angekommen. Er äußert sich erleichtert, wieder an Land zu sein, sei aber immer noch erschüttert. “Ich muss mich immer noch damit arrangieren.”

Über eine mögliche Rückkehr sagt in vier Jahren er noch nichts. Nur so viel: “Gerade in unseren schwierigsten Momenten erreichen wir unsere größte Stärke. Jetzt müssen wir uns aufraffen und vorwärts bewegen. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass wir das als Team gemeinsam schaffen können.” Was das nun genau heißen soll für einen möglichen neuen Versuch ist nicht klar.

Thomson sagt weiter: “Wir sind mal wieder daran erinnert worden, wie schwierig dieses Rennen ist. Es gibt wirklich keine sportliche so schwierige Herausforderung auf der Welt, wie die Vendée-Globe. Ich bewundere jeden Skipper, der dieses Rennen in Angriff nimmt. Meine Gedanken sind bei denen, die, wie wir, aus dem Rennen ausscheiden müssen. Und ich wünsche den verbliebenen Skippern eine sichere Passage und ein gutes Rennen. Ich werde es genau verfolgen. Im Moment freue ich mich auf eine Dusche, etwas Schlaf und darauf, nach Hause zu meiner Frau und meinen wunderbaren Kindern zu kommen.”

Schleudertrauma

Auch Samantha Davies ist auf dem Weg nach Kapstadt, hat aber noch nicht entschieden, ob sie das Rennen nach den nötigen Reparaturen fortsetzt. Nach der schweren Kollision habe sie endlich mal wieder geschlafen, aber danach die körperlichen Schmerzen gespürt. Ein Schleudertrauma im Nacken, Muskelschmerzen und die Rippenprellung.


Credits
Sam Davies wurde schwer getroffen. © Sam Davies / Initiatives Coeur

Die Bedingungen werden langsam ruhiger, sie sei rausgegangen an die Sonne – und plötzlich von einer Flut von Tränen überrascht worden. “Das ist ein bisschen seltsam für mich. Ich weine sonst nie, um mit solchen Emotionen fertig zu werden. Ich war mir nicht einmal sicher, warum – ob es Trauer um mein Boot und meinen Platz in diesem Rennen war oder Erleichterung, dass wir langsam in Sicherheit sind? Oder eine Mischung? Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass es dumm ist, zu weinen, wenn man allein auf seinem Boot ist – niemand wird dir helfen, dich umarmen oder dich beruhigen. Also ist es eine ziemliche Verschwendung von Zeit und Energie. Aber in diesem speziellen Moment hatte ich keine Kontrolle über meine Emotionen.”

Dann sei auch noch der schönste Albatros vorbei geflogen, den sie je gesehen habe. “Er glitt schweigend und langsam vorbei. Er war so nah. Normalerweise halten Albatrosse Abstand, aber das war anders. Als wenn er meine Emotionen fühlen konnte und helfen wollte. Er blieb nahe bei mir und zeigte mir seinen wunderbaren, mühelosen Flug. Man sagt, dass die Albatrosse die Seelen gestorbener Seeleute in sich tragen, und ich kann das gut glauben. Ich habe das Gefühl, von dieser erstaunlichen Kreatur in Sicherheit gebracht worden zu sein und bin sehr dankbar.”

Race-Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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