Vendée Globe: Simon und Davies lassen sich treiben – Herrmann auf Platz fünf

Erhöhtes Kollisionsrisiko

Bei der Vendée-Globe befinden sich Sébastien Simon und Samantha Davies nach ihren Havarien immer noch im Treibmodus gen Norden. Nur Louis Burton geht volles Risiko im Sturm.

Nach der Schreckensnachricht am Abend, dass die britische Skipperin Sam Davies (Initiatives Coeur) ebenfalls mit einem schwimmenden Objekt zusammengestoßen ist, gibt es von ihr noch keine weiteren Nachrichten. Sie lässt sich wie Seb Simon (Arkea-Paprec) vor dem Sturm hertreiben, um bei Licht und einfacheren Bedingungen den Schaden genauer zu begutachten.

Sam Davies (rot) und Seb Simon (violett) haben ihre Bugspitzen nach Norden gerichtet und lassen sich in den leichteren Wind treiben.

Davies war in den vergangenen Tagen dadurch aufgefallen, dass sie nach einem bis dahin überaus starken Rennen immer langsamer geworden ist. Vor fünf Tagen hatte sie nach einer mutigen und im Nachhinein strategisch richtigen Positionierung noch neben dem Louis Burton (Bureau Vallée) gelegen. Nun segelt der aber 450 Meilen voraus auf Rang zwei, nachdem sie sehr viel Speed aus ihrem Foiler genommen hat, der neben Seaexplorer Yacht Club de Monaco, PRB und MACSF (Isabelle Joschke) als einer der Schnellsten mit neuen Foils nachgerüsteten IMOCAs gilt. Joschke war nun auch im Begriff, Davies zu überholen, als die Kollision passierte.

Foil, IMOCA, Boris Herrmann, Sam Davies

Die gigantische Tragfläche von Sam Davies. © initiative coeur/zedda

Unerwartet kommen die Kollisionen nicht. Die Skipper konnten das Risiko insbesondere durch die OSCAR-Technik verringern, die gerade von Samantha Davies sehr beworben wurde. Die Zahl der damit ausgerüstetem IMOCAs erhöhte sich kurz vor dem Rennen schon auf 20. Und im Atlantik schienen die Zusammenstöße einer geringere Rolle zu spielen, als sonst. Aber die zunehmend vermüllten Meere haben längst die Wahrscheinlichkeit für Zusammenstöße erhöht.

Kontraproduktiv ist dabei auch die immer weiter gen Norden verschobene virtuelle Eisgrenze. Um Kollisionen mit Eisschollen zu vermeiden, erhöht sich das Risiko einer Treibgut-Kollision. Beobachter wiesen schon darauf hin, dass sich insbesondere der Korridor zwischen der Landmasse Afrikas und der erlaubten Südroute so sehr verengt, dass die Vendée-Globe-Yachten eher auf schwimmende Objekte stoßen können. Die Schiffahrtsrouten am Kap der Guten Hoffnung vorbei liegen näher. Und dort sollen Frachter und Fischer im durch Sturm und den Agulhas-Strom aufgewühlten Meer besonders viel Ladung verlieren.

Louis Burton (gelb) segelt mit seinem Südkurs direkt durch den Sturm und ist auf Platz zwei vorgerückt.

Vor diesem Hintergrund mag der extreme südliche Kurs von Louis Burton (Bureau Vallée 2) nahe dem Sturmzentrum vielleicht sogar weniger risikoreich erscheinen als auf den ersten Blick sichtbar. Weiter im Norden schwimmt weniger Müll. Andererseits kommt auch der Unterschied zum Tragen zwischen seiner Vendée-Globe-gestählten Siegeryacht (ex Banque Populaire) und den neuen oder modifizierten Foilern. Er adaptierte nur das neu erlaubte Rake-System, mit dem man den Anstellwinkel der Tragflächen um fünf Grad verändern kann und schöpft ansonsten viel mehr das Potenzial seines IMOCA als die Konkurrenz.

Der 230 Meilen vor ihm liegende führende Charlie Dalin berichtet, dass er 50 Prozent der Zeit damit verbringe, seine Apivia zu verlangsamen, damit sie nicht zu sehr in die Wellen krache. Und auch Boris Herrmann berichtet immer wieder, wie wichtig es sei den Speed zu verringern. Er habe bisher noch nicht einmal mit 30 Knoten Vollgas geben können wie beim Training in Frankreich. Und er hoffe, dass er die entsprechenden Flachwasserbedingungen noch bekomme. Herrmann segelt weiterhin sicher und solide auf Rang fünf. Paralympics-Sieger Damien Seguin ist vorbei gezogen auf Rang vier.

Boris Herrmanns Co-Skipper Will Harris über die aktuellen Routing-Optionen:

Harris über die Optionen, die Herrmann abwägen muss. Es geht nicht nur um Wind, sondern auch Welle und Strömung, die im Routing-Programm berücksichtigt werden:

Race-Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Vendée Globe: Simon und Davies lassen sich treiben – Herrmann auf Platz fünf“

  1. avatar Benmyr sagt:

    Es müsste wohl heißen: “Weiter im Süden schwimmt weniger Müll.” statt im Norden………

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

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