Vendée Globe Technik: Geheimnis der verschiedenen Foils – Warum “Hugo Boss” so schnell ist

Beflügelt um die Welt

Bei der aktuellen Vendée Globe kommt dem Foil-Design eine große Bedeutung zu. Thomson scheint Vorteile zu haben. Wo die Unterschiede der “Hugo Boss” zu “Banque Populaire” liegen.

Die Kräfte am typischen VPLP Foil Design mit V-Shape. © VPLP

Die Kräfte am typischen VPLP Foil Design mit V-Shape. © VPLP

Vendee Hugo Boss

Das “Hugo Boss” Foil ist länger horizontaler und gerader geformt. © Hugo Boss

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Das “Banque Populaire” Foil steht steiler im Wasser. © BP

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Die Last wird von dem sogenannten Ellenbogen getragen, der Krümmung am Ende der Tragfläche. © Zedda

Die Entwicklung des Zweikampfes an der Spitze lässt den Schluss zu, dass Alex Thomson klare Vorteile gegenüber Armel Le Cleac’h hat. Seine “Hugo Boss” scheint dem gegnerischen Design überlegen zu sein. Dabei geht es nicht nur darum, wie sehr und wann die Tragflächen beschleunigen, sondern auch, wie wenig sie bei nicht vorteilhaften Bedingungen bremsen.

Wo liegen die Unterschiede der Designs?

Seit die IMOCA-Klasse ihre Regeln für Neubauten geändert hat, mussten die Designer jede Menge Neuland betreten. Dabei war ihr Spielraum eigentlich eingegrenzt, weil zahlreiche One-Design-Elemente festgelegt wurden. Das gilt für die Riggs, also den Flügelmast, aber auch die stählerne Kielfinne. Allein durch diese beiden Details sind die Neubauten schwerer geworden als ihre Vorgänger. Und konventionell konfigurierte Boote wie PRB oder SMA können auch deshalb ordentlich mithalten.

Vendee Globe, Sebastien Josse, Baron de Rothschild, gitana

“Baron de Rothschild ” weist die gleiche Konfiguration von VPLP auf wie die von “Banque Populaire” © Th. Martinez/Gitana

Aber die größte Entwicklung hat im Foil-Bereich stattgefunden. Dabei konkurrieren nun insbesondere die Konstruktionen von “Hugo Boss” und “Banque Populaire” im direkten Vergleich. Der größte Unterschied ist der Austrittswinkel aus dem Rumpf. Die britische Tragfläche führt weniger steil ins Wasser, ist länger und soll mehr nach dem DSS-Prinzip für Auftrieb sorgen.

Jean-Pierre Dick, Foil, IMOCA, Vendée Globe

Auch Jean Pierre Dick segelt mit der steilen Foil Konfiguration. © Y.Zedda/StMichel-Virbac

Das heißt, der gesamte horizontale Schaft hebt das Boot aus dem Wasser, während bei dem System von “Banque Populaire” “Edmond de Rothschild” und auch “St Michel-Virbac” die Last mehr auf dem V-förmigen Ende der Tragfläche ruht.

Vorteil für “Hugo Boss”

Thomson äußerte vor dem Start in Les Sables d’Olonne die Hoffnung, dass seine Konfiguration das Schiff deutlich früher bei geringerem Speed anhebt und er mit Wind von hinten einen tieferen Kurs steuern kann.

Damals täuschte er noch vor, durch den Bruch seines neuen Foils gehandicapt zu sein, weil er auf eines der ersten Entwicklungsgeneration zurückgreifen müsste. Aber längst hat er gezeigt, dass seine Konstruktion offenbar tatsächlich den erhofften Vorteil bringt.

Die nagerüstete "Maitre Coq" weist noch ein etwas anderes Merkmal auf. © Maitre Coq

Die nagerüstete “Maitre Coq” weist noch ein etwas anderes Merkmal auf. © Maitre Coq

Ein Flügelchen am unteren Ende vergrößert die Wirkung gegen die Abdrift. © Maitre Coq

Ein Flügelchen am unteren Ende vergrößert die Wirkung gegen die Abdrift. © Maitre Coq

Dabei ist erstaunlich, dass er gerade bei dem leichteren Wind, der gerade vorherrscht, so schnell unterwegs ist. Aber genau in diesem Bereich von 14 bis 15 Knoten Bootspeed kann es sein, dass Thomson schon einen Tragflächen-Effekt auf Backbord-Bug hat, Le Cleac’h dagegen nicht. Etwa ab dieser Geschwindigkeit wird der Vorteil größer als der Bremseffekt durch die zusätzliche Fläche im Wasser.

Das erklärt auch, warum “Hugo Boss” sehr schnell auf dem Bug ohne Foil unterwegs ist. Le Cleac’h kann sein V-förmiges Foil noch nicht gewinnbringend einsetzen. Dafür müsste der Wind stärker wehen, oder der Wind spitzer einfallen. Der Franzose scheint aber vielleicht auch noch nicht alles zu geben, wenn man das Video aus dem Southern Ocean richtig interpretiert.

Thomson hat sogar ein Segel mehr gesetzt, und war mit starker Krängung unterwegs während “Banque Populaire” eher entspannt, den Speed des Gegners gehalten hat. Diese Haltung könnte aus einem Überlegenheitsgefühl erwachsen und ihn dazu bringen, das Gaspedal nicht voll durchzudrücken. Die nächsten Tage werden es zeigen.

Konservativ gedacht

Dabei ist es eigentlich überraschend, dass die Unterschiede bei der Interpretation der neuen Foil-Regel dann doch relativ gering sind. Das hat sicher damit zu tun, dass allein das französische Design-Büro VPLP hinter den Konstruktionen – auch von Hugo Boss – steckt. Die Möglichkeiten sind weitaus größer.

So weist Sébastien Josse in einem Interview vor dem Start darauf hin, dass diesmal noch sehr konservativ gedacht wurde. “Wir stehen erst am Anfang. Nach der Vendée werden andere Winkel mit größeren Tragflächen ausprobiert werden. Dann wird man auch das Rumpfdesign überdenken.”

Diesmal sei man immer noch davon ausgegangen, dass man im Falle eines Problems eben auch ohne Foils segeln kann. Ein falsches Design wäre ein zu großes Risiko gewesen. Aber beim nächsten mal werden sich auch die Rümpfe anpassen.

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Carsten Kemmling

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7 Kommentare zu „Vendée Globe Technik: Geheimnis der verschiedenen Foils – Warum “Hugo Boss” so schnell ist“

  1. avatar Mantis sagt:

    Hallo, man sollte eigentlich Mitleid mit jemanden haben, der bei der Erklärung der Funktion der Flügel so viele Ungereimtheiten von sich gibt. Zu Gute halten muß man ihm jedoch, dass er die Darstellung von VPLP glaubt, die nach dem “Lotta-Prinzip” ich mach mir die Welt so wie sie mir gefällt, besser wie ich sie brauche,hergestellt wurde.
    Die Fehler in diesem Schaubildchen sind aber offensichtlich. Die Angriffspunkte und Größe der relevanten Kräfte sind willkürlich gewählt, wichtige weggelassen worden , trotz aller Manipulationen, sie ergeben am Ende keinen Gleichgewichtszustand . Das Niveau der Beschreibung der Gründe für schneller oder langsamer ist deshalb anderen ähnlichen aus dem Bootsjurnalismus bekannten Erklärungen ebenbürtig, z.B. der für den Gleitvorgang, das Boot hebt sich auf die Bugwelle und fährt ihr davon.

    einen wunderschönen Tach auch noch

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    • avatar Armel Le Cléac'h sagt:

      Ich verstehe die Disliker hier hier nicht.

      Labil, stabil, indifferent.
      Metazentrische Höhe.
      Mantis hat fachlich absolut Recht. (Seine Art der Darstellung ist diskutabel.)
      Mann muss kein Bootsbaumeister oder Schiffbauingenieur sein. Hättet ihr im Physikunterrricht etwas aufgepasst, verstanden und behalten…

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  2. avatar Olli sagt:

    Dürfen wir darauf hoffen, eine grafische Richtigstellung zu sehen? Würde mich interessieren, da ich selbst keine Ahnung von der Funktion der Flügel habe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 2

  3. avatar Mecker sagt:

    Wo wird im “Artikel” etwas erklärt?

    Das ist doch nur der seichte Versuch was zu foils zu schreiben. Handfeste Fakten Fehlanzeige.

    Man mag dem Autor raten in Zukunft bei den leidlich lesbaren Beschreibungen von Regatten zu bleiben…

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  4. avatar 3624 sagt:

    Finde den Text sehr gut! @ Mantis: dann liefere einmal deine wissenschaftlich korrekte Abhandlung!

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  5. avatar jorgo sagt:

    Meine Güte …. hier sind aber auch viele Fachleute unterwegs!
    Selbstverständlich sind alle Erklärungsversuche zu diesem Zeitpunkt spekulativ und basieren auf Ideen. So lese ich es jedenfalls.
    Es gibt hier aber wohl scheinbar andere Leser, die – ließe man sie nur- den ultimativen Foiler konstruieren und bauen könnten.
    Da bin ich aber mal gespannt.

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    • avatar eku sagt:

      Ja, so ist das wohl …
      Aber mal ganz sachlich: weiß eigentlich jemand, ob der Kiel beim drehen seinen Vorrauswinkel zur Mittschiffsachse ändert? Also an BB in einem anderen Winkel steht als auf SB und somit tatsächlich einen gewissen Lift macht?
      Würde mich wirklich interessieren – vor allem wie das funktioniert (ME nur über ein weiteres Gelenk, was ich mir nur schwer vorstellen kann)

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