Vendée Globe: Thomson chancenlos, Le Cleac’h auf der Überholspur – Foil-Spekulationen

"Kein Kommentar"

Alex Thomson spielt ein Verwirrspiel um seine gebrochene Tragfläche. Seinen Verfolger hat das wenig beeindruckt. Er donnerte jetzt einfach auf seinem Foil vorbei.

Vendée Globe, Vorschau

“Banque Populaire” von Armel Le Cleac’h im Hardcore-Einsatz © BP

Alex Thomson konnte nach dem Bruch seines Foils überraschend souverän seine Führung zu behaupten. Und schon gab es Vermutungen, dass der Schaden vielleicht gar nicht so groß sei. Nach wie vor gibt es kein Bild von der lädierten Tragfläche. Besonders Konkurrent Le Cleac’h sollte wohl im Unklaren gelassen werden.

Aber Thomson behielt seinen Vorsprung an der Südpitze von Afrika, weil er sich einfach am längsten in dem Tiefdruckgebiet halten konnte. Und Le Cleac’h erklärte, dass die Wellensysteme so kompliziert und extrem seien, dass die Foils – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht zum Tragen kommen.

Spekulationen

Zusätzlich heizte Thomson die Spekulationen darüber an, dass er möglicherweise eine Ersatz-Tragfläche an Bord habe. Auf die Frage der Vendée-Organsatoren, ob das so sei, antwortete er: “Kein Kommentar”.  Er ließ offen, ob er sie ausgetauschen könnte, wenn es die Bedingungen erlauben. Aber auch als der Brite in den Genuss eines südlichen Windes kam, und sich nach der Halse der Stumpf auf der Steuerbordseite aus dem Wasser hob, scheint Thomson keine Verbesserung seiner Lage durch einen Tausch herbeigeführt zu haben.

Das Führungsduo segelt eng an der Eisgrenze entlang und versuch unter einer Leichtwindzone durchzuschlüpfen.

Das Führungsduo segelt eng an der Eisgrenze entlang und versuch unter einer Leichtwindzone durchzuschlüpfen.

Thomson sagt, “Hugo Boss” sei das einzige Boot, bei dem man auch von innen ein neues Foil durch die Bordwand schieben könnte. Aber so eine Operation dauere wohl 16 Stunden, denn die Tragfläche wiege gut 140 Kilogramm. Deshalb haben die Konkurrenten auf Ersatz verzichtet.

Thomson macht sein Ding, halste weg und zeigt, dass er alleine mit Speed nichts machen kann

Thomson macht sein Ding, halste weg und zeigt, dass er im Moment alleine mit Speed nichts machen kann

Hat das “Hugo Boss”-Team absichtlich eine Fake News gestreut? Es gibt immer noch kein Bild von dem gebrochenen Profil und ebenso wenig das angekündigte Video. Ein Interview mit Thomson zu dem Thema, bei dem er permanent ausweichend antwortet, wurde auf der Vendée Globe Seite gelöscht. Was ist da los?

Pech für Thomson

Inzwischen ist klar, dass im Moment gar nichts los ist. Thomson hat Pech, weil der Wind immer noch aus der für Thomson ärgerlichen Nord-Richtung weht, bei der er nicht foilen kann. Und diesmal ist der Unterschied deutlich zu sehen. Armel Le Cleac’h segelt bis zu zwei Knoten schneller und hat dem Konkurrenten auf direktem Kurs Bord an Bord an einem Tag gut 40 Meilen abgenommen. In den vergangenen 24 Stunden legte der Franzose 30 Meilen mehr zurück als “Hugo Boss”. Er liegt jetzt mit 30 Meilen Vorsprung in Führung.

Der Unterschied des Foils. Le Cleac'h segelt gut zwei Knoten schneller als Thomson. Josse (hellblau) kann seit vier Tage bei weniger Wind nicht vorne mithalten.

Der Unterschied des Foils. Le Cleac’h segelt gut zwei Knoten schneller als Thomson. Josse (hellblau) kann seit vier Tage bei weniger Wind nicht vorne mithalten.

20 Knoten Wind aus Nordwest und eine relativ ruhige See mit langen Wellen sind die perfekten Foiler Bedingungen für Le Cleac’h. Beide Boote steuern die Kerguelen Inseln an, die sie wohl nördlich in Luv passieren werden. Und bis dahin sollte sich die Differenz der beiden Duellanten noch vergrößern.

Der große Verlierer der vergangenen Tage ist Sébastien Josse mit seiner “Edmond de Rothschild” auf Rang drei. Seit vier Tagen segelt er deutlich langsamer als die Gegner an der Spitze. Es ist unglaublich, wie sehr sich der kurzen vierstündigen Reparaturstopp für sein hochgeklapptes Ruder, ausgewirkt hat. Er verpasste gleich zwei Wettersysteme von denen die beiden Führenden beschleunigt wurden.

Gegen eine Wand gefahren

Seitdem hat sich sein Rückstand um gut 300 Meilen auf 485 vergrößert. “Ich bin wie gegen eine Wand gefahren”, sagt ein frustrierter Josse, der im Rennen bisher eigentlich gezeigt hat, dass er mit seinem Speed durchaus diese Vendée Globe gewinnen kann. Aber das wird jetzt sehr schwierig. Seit zwei Tagen ist die Konkurrenz hinter ihm sogar deutlich schneller unterwegs.

Interessant: Die virtuelle Position des letztmaligen Siegers Francois Gabart vor vier Jahren.

Interessant: Die virtuelle Position des letztmaligen Siegers Francois Gabart vor vier Jahren.

Paul Meilhat and Jérémie Beyou liegen nur noch 270 Meilen hinter dem Dritten zurück. Dabei ist Beyou mit seinem umgebauten Foiler “Maître Coq” zurzeit im Blindflug unterwegs. Seine Satellitenanlage funktioniert nicht mehr, und er erhält keine Wetterinformationen.

Aber das hielt ihn nicht davon ab mit 470 Meilen den weitesten Weg der Flotte in den vergangenen 24 Stunden zurückzulegen. Zurzeit ist der Weg auch relativ einfach. Er führt nahe an der Eisgrenze entlang und bietet kaum Spielraum für taktische Varianten.

Zurück in Les Sable d’Oonne ist inzwischen Tanguy de La Motte, der mit gebrochenem Toppmast zurückkreuzen musste. Er zeichnete mit seiner Kurslinie noch ein Herz ins Wasser, um seinem Sponsor Initiatives-Cœur zu danken, einer Organisation zur Hilfe für Kinder mit Herzerkrankungen.

De La Motte segelt vor seinem endgültigen Rennabbruch ein Herz ins Wasser für seinen Sponsor

De La Motte segelt vor seinem endgültigen Rennabbruch ein Herz ins Wasser für seinen Sponsor

 

Vor dem Wochenende freute sich Alex Thomson noch über den Wind von Steuerbord. Das ist nun vorbei:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Vendée Globe: Thomson chancenlos, Le Cleac’h auf der Überholspur – Foil-Spekulationen“

  1. avatar Fabian sagt:

    Thomson hat bei sailing anarchy inzwischen zugegeben, dass er kein ersatzfoil dabei hat. Auf den Videos sieht man, dass der Foil fehlt. Bilder gibt es wohl, wurden aber vom Team noch nicht veröffentlicht.
    Im Interview mit SA sagt er, dass er das Boot stoppen und stark krängen muss um an den abgebrochenen Stumpf zu kommen. Da derweit die Wetterlage aber immer noch die vorderen Boote begünstigt, will er das erstmal nicht machen um nicht unnötig meilen zu verlieren.
    Derzeit is interesant zu sehen, das Armels Foils anscheinend wirklöich nur in Reaching Bedingungen funktionieren. Da war er 2-3 kn schneller. Jetzt in VMG Bedingungen ist er Thomsen schneller, wohl auch wegen etwas mehr VMG betonten fliegenden Segeln.

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