Vendée Globe: Thomson hat es schwer – Desjoyeaux bezweifelt Hugo Boss Ufo-Kollision

"Thomson könnte weiter vorne sein"

Entgegen allen Vorhersagen hat Alex Thomson bei der Vendée Globe den Druck auf den Spitzenreiter nicht aufrecht erhalten können. Aber nun gibt er wieder Gas.

Es erscheint etwas rätselhaft, wie “Hugo Boss” in zwei Tagen gleich 150 Meilen auf den Spitzenreiter Armel Le Cléac’h verlieren konnte. Der Banque-Populaire-Skipper schien schon reif für das finale Überholmanöver, nachdem er sich erstmals in diesem Rennen emotional verwundbar gegeben und sogar von Frust gesprochen hatte.

Le Cléac'h liegt solide vorne. Voraus braut sich was zusammen. Thomson wird wieder auf dem schlechten Bug segeln müssen

Le Cléac’h liegt solide vorne. Voraus braut sich was zusammen. Thomson wird wieder auf dem schlechten Bug segeln müssen

Aber seitdem hat sich viel getan. Le Cléac’h hob bei den Kapverden geradezu ab, und segelte im auffrischenden Wind, den Thomson nie erreichte, teilweise doppelt so schnell wie der Konkurrent. Er zeigte, dass sein Foiler gut geschont ist für die entscheidenden letzten Meilen vor dem Ziel. Eine Woche soll das Rennen noch dauern bis zum 19. Januar in Les Sables d’Olonne.

“Hugo Boss” konnte nicht mehr mithalten, und die Optionen schwinden immer mehr je mehr sich beide Boote auf die Ziellinie zu bewegen. Auch Michel Desjoyeaux, der vor zwei Tagen schon auf einen Sieg des Briten getippt hatte, rudert inzwischen zurück. Es habe bei dem Tipp für ihn ja kein Geld zu verlieren gegeben.

Das Auf und Ab der Speedkuve im Vergleich des Spitzen-Duos

Das Auf und Ab der Speedkuve im Vergleich des Spitzen-Duos

Thomson hat Fahrt aufgenommen

Der zweifache Sieger der Vendée Globe, der sich bei dieser Auflage besonders als Coach von dem inzwischen ausgeschiedenen Paul Meilhat (SMA) engagiert hat, glaubte, dass Le Cleac’h nach dem Verlassen der Doldrums kaum mehr als 120 Meilen Vorsprung heraussegeln könnte. Aber schließlich sind es dann doch maximal 253 Meilen geworden.

Thomson hat nun auch endlich Fahrt aufgenommen, war zuletzt vier Knoten schneller als sein Gegner und hat den Rückstand auf 228 Meilen verkürzt. Aber er ist nicht mehr in Schlagdistanz. Und was noch schlimmer ist: Die Wetterentwicklung hat sich so geändert, dass sich auf den letzten Meilen doch wieder der übliche Nordwest durchsetzt. Dann könnte der Brite ohne seine Steuerbord-Tragfläche im direkten Zweikampf nicht mehr gegen den Franzosen bestehen.

Aber so weit ist es noch nicht. Wer weiß, was bei dieser unvorhersehbaren, verrückt spannenden Vendée Globe noch alles passiert.

Fehler von Thomson

Desjoyeaux glaubt allerdings, dass Thomson deutlich näher an seinem Gegner dran sein könnte. Er äußerte gegenüber einer regionalen Tageszeitung die Ansicht, dass dem Hugo-Boss-Skipper kurz nach Kap Hoorn ein strategischer Fehler passiert ist. Bei der Passage eines Tiefs sei er zu weit nach Osten geraten und Le Cleac’h habe das besser gemacht. Aber Desjoyeaux schränkt ein: “Das ist alles leicht zu sagen, wenn man im Trockenen zuhause sitzt.”

Michel Dejoyeaux

Michel Dejoyeaux. © Mark Lloyd (DPPI-Vendée Globe)

Weitere interessante Einblicke gibt Desjoyeaux im Interview mit der Zeitschrift Voiles et Voiliers. Er sagt…

…über den Foil-Verlust von “Hugo Boss”

Er wäre nicht überrascht, wenn der Bruch nicht von einem unidentifizierten Objekt im Wasser verursacht wurde. “Hugo Boss” sei schmaler und habe deshalb längere Foils mit einer größeren Fläche im Wasser. Das vergrößere die Belastungsspitzen. “Es ist nicht das erste Foil, das bei Hugo Boss gebrochen ist. Und auch bei anderen gab es im Vorfeld Bruch”.

über Thomsons Speed im Southern Ocean trotz fehlendem Foil

Armel habe seine Tragfläche im Southern Ocean kaum einsetzten können, weil im Gegensatz zum Atlantik der Wellengang extremer ist. Wenn das Boot abhebt, und dann in eine Welle kracht, stoppt es heftiger ab, als im Low-Rider-Modus.

…über die nächste Entwicklungsstufe

Die nächste Herausforderung für die Entwickler sei es, die Boote permanent über die Wellen zu foilen zu lassen. Die Schiffe dürfen mit ihrem Bug nicht mehr in die Welle krachen. In vier Jahren werden die Foiler entweder diese Unvollkommenheit ausgebügelt haben oder die Nicht-Foiler sind so weit verbessert, dass sie schneller sind. Aber es ist die erste Generation der Foils. Bei dem neuesten Figaro-Projekt sehen die Tragflächen schon anders aus.

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Sehen so wie bei der nächsten Figaro die Foils der Zukunft aus? © Bénéteau

 

…über die große Bandbreite der Leistung im Feld und die “Abenteurer”

Es ist die schnellste aber vielleicht auch die langsamste Vendée Globe. Mehr als 9000 Meilen liegen inzwischen zwischen dem Ersten und Letzten. Das Feld teile sich etwa zur Hälfte in Racer und Abenteurer auf. Aber alle sollen das Recht haben teilzunehmen. Immerhin seien nur drei der Abenteurer ausgeschieden aber acht aus der Racer Gruppe.

Vendée Globe Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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