Vendée Globe: Unglücksrabe Sebastien Simon – Halswirbel-Fraktur nach Einhand-Unfall

"Ich hatte großes Glück"

Sébastien Simon erlebt mit seinen jungen 33 Jahren alle Höhen und Tiefen einer Offshore-Profi-Karrier im Schnelldurchlauf. Nun hat es ihn erneut erwischt. Sein Sturz unter Deck war schlimmer als gedacht.

Sébastien Simon mit Korsett. © Dubreuil Sailing Team

Sébastien Simon wird seinem Ruf als Pechvogel der Szene einmal wieder gerecht. In einer Mitteilung an seine Fans erklärt er, warum er seit einigen Tagen mit einer Halskrause in der Öffentlichkeit auftritt. Dabei handelt es sich um ein Korsett, das er bis zum 22. März tragen muss. Damit werde eine Fraktur des Halswirbels (C7) behandelt.

Der Wirbelbruch ist offenbar auf einen Sturz zurückzuführen, den er etwa zur Hälfte der Atlantikregatta auf Platz vier liegend erlitten hat. Sein IMOCA Groupe Dubreuil stoppte aus voller Fahrt in einer Welle und Simon stürzte unter Deck nach vorne. Das Ergebnis war eine schwere Gehirnerschütterung. Als er einen Tag später wegen eines Energieproblems im Hafen Lajes das Flores auf den Azoren stoppte, ließ er auch seine Kopfwunde nähen. Das Problem schien behoben.

Simon ließ sich auf den Azoren eine Kopfverletzung nähen. © Groupe Dubreuil

Dubreuil segelte weiter, erlitt aber wenige Meter vor dem Ziel noch einen Mastbruch kurz nachdem auch Boris Herrmanns Großsegel gerissen war. Simon äußerte sich “wütend über diese herabfallenden Masten”. Die Onedesign-Riggs widerstehen offenbar nicht mehr den Lastspitzen der immer schneller werdenden Foiler. Aber der Skipper sagte: “Ich sehr stolz, die Energie aufgebracht zu haben, jede dieser Prüfungen bestanden zu haben.”

Dabei wusste er noch nicht, dass eine weitere Prüfung bevorstand. Nach dem Ziel habe er sich in Les Sables d’Olonne normal erholen wollen und keine akuten Schmerzen gehabt. Aber bei einer ärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass der C7-Halswirbel gebrochen war. “Ich muss nun ein maßgeschneidertes Korsett tragen…und hatte großes Glück. Denn die Diagnose hätte viel schlimmer sein können. Unsere Schiffe werden immer gefährlicher. Wir müssen unsere Art zu segeln dem Risiko anpassen, damit sich so etwas nicht wiederholt.”

Simons neuer Renner gehört zu den schnellsten der IMOCA-Flotte. © Groupe Dubreuil

Simon bereitet sich nun vorsichtig darauf vor, körperlich wieder in Form zu kommen. Sein Schiff ist für drei Monate in der Werft und wird grundüberholt.  Im April beginnen die ersten Trainingseinheiten für den Start der nächsten Atlantik Regatta Transat CIC am 28. April.

Neben seiner Gesundheit muss ein Profisegler auch immer wieder um seinen Sponsor bangen. Simon fühlt sich bestätigt vom “tollen Potenzial” des Bootes. Alles andere wäre auch komisch. Schließlich hat es als 11th Hour gerade erst The Ocean Race gewonnen. Aber er führt an: “Ich hoffe, dass man mir weiterhin vertraut.”

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Carsten Kemmling

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