Vendée Globe: Vincent Riou gibt auf – Kiel wackelt nach Kollision mit Treibgut

"Schwer enttäuscht"

Vincent Riou muss die Vendée Globe zum dritten Mal hintereinander aufgeben. Der Sieger von 2004 hat seinen Kiel beschädigt und steuert Kapstadt an.

Vendee Globe, Porträt Vincent Riou

Vincent Rio gibt alles bei dieser Vendée Globe. © Eloi Stichelbaut / PRB

Die Kollision mit einem Objekt im Wasser passierte schon am Sonntag Morgen. “PRB” knallte mit seinem Kiel dagegen. Vincent Riou konnte bei den Wetterbedingungen mit bis zu 30 Knoten Wind den möglichen Schaden nicht begutachten. Er setzte seine Fahrt vorsichtig fort und erreichte wieder einen Durchschnitt-Speed von 20 Knoten.

Aber etwa drei Stunden nach der Kollision begann der Kiel zu vibrieren und laute Geräusche zu machen. Das deutete auf eine Verformung hin. Der Lärm wurde in der Nacht immer stärker und so informierte der Skipper sein Team an Land, das alle möglichen Ursachen theoretisch berechnete.

Kielaufhängung beschädigt

Heute Morgen als die Front über Riou hinweggezogen war und der Wind nachgelassen hatte, konnte er die notwendigen Untersuchungen ausführen. Dabei entdeckte er, dass bei der Kollision die Achse, um die der Kiel zur Seite geneigt wird, beschädigt worden ist.

Vendee Globe, Porträt Vincent Riou

Der Mann hat Biss und zeigt dennoch Gelassenheit – eine seltene Mischung beim Segelsport © Eloi Stichelbaut / PRB

Dieser Beschlag aus Titan ist über eine Kunststoff-Gelenk mit der Kielfinne verbunden. Dieses Gelenk ist gebrochen, so dass die Achse nun einer permanenten Abnutzung durch Reibung ausgesetzt wäre. Dadurch besteht auf lange Sicht die Gefahr, dass der Kiel des IMOCAs bei den zu erwartenden Belastungen brechen könnte.

Riou steuert jetzt Kapstadt an, um dort die notwendigen Reparaturen vornehmen zu lassen. Er erlebt damit zum dritten Mal hintereinander bei der Vendée Globe eine schwere Enttäuschung (siehe Porträt).

Diesmal mag es besonders weh tun, weil der erfahrene Franzose in einem sehr spannenden Rennen absolut auf Augenhöhe mit den führenden Foilern segelte. Er hat im Verlauf der Regatta gezeigt, dass er im Vorfeld den Mund nicht zu voll genommen hat, als er behauptete auch ohne Tragflächen diese Vendée Globe gewinnen zu können.

“Dachte, es sei nichts Ernstes”

“Natürlich bin ich schwer enttäuscht”, sagt Riou. “Aber es ist wie immer, das Leben geht weiter. Und für mich heißt das nun, das Schiff sicher an Land zu bringen.”  Am Anfang habe er sich nicht so große Sorgen gemacht. Der Kiel müsse öfter mal Schläge durch kleinere Kollisionen einstecken.

Vendee Globe, Porträt Vincent Riou

PRB schnell unterwegs auch ohne Foils. © liot VG

“Diesmal war der Schlag nicht besonders stark. Danach vibrierte der Kiel und bewegte sich etwas hin und her. Aber dann hörte es auf, und ich habe gar nicht mehr viel darüber nachgedacht. Aber später in der Nacht hörte ich Knackgeräusche vom Kielbereich. Es hörte sich an, als wenn Karbon zwischen Kiel und Rumpf reibt. Ich dachte, dass es da etwas Reibung gab aber glaubte an nichts Ernstes.

Aber allmählich wurde das Geräusch lauter, und ich begann mein Team zu Rate zu ziehen. Wir waren nicht allzu besorgt aber auch nicht entspannt. Dieser Bereich des Bootes ist nicht besonders gut einzusehen, so lange man den Kiel nicht vollkommen entfernt. Also habe ich mich entschlossen, einfach weiterzusegeln. Ich hoffte, dass das Geräusch langsam schwinden würde.”

Aber nach 24 Stunden wurde das Geräusch immer stärker, und es klang schließlich auch metallisch. Offenbar war das Lager beschädigt. Das Team kam schließlich zu dem Schluss, dass die Reibung von Metall auf Metall zu einem größeren Schaden führen wird. Damit würde man nicht mehr um die Welt segeln können. Riou gelang es bei abflauendem Wind das Gehäuse um das Kielgelenk zu öffnen. Dort stellte sich der befürchtete Schaden dar.

“Ich weiß nicht, was ich nun denken soll. Der Schaden ist etwa an gleicher Stelle passiert, wie vor vier Jahren. Dabei hatte ich mir bei der Passage von Salvador vor ein paar Tagen gesagt, dass ich endlich diese Dämonen losgeworden bin. Es ist sehr hart!”

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Vendée Globe: Vincent Riou gibt auf – Kiel wackelt nach Kollision mit Treibgut“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Sehr schade und sehr bedauerlich. Keine Ahnung wie sich das für ihn emotional anfühlen muss.4 Jahre Vorbereitung und dann trifft er im Südatlantik ein Stück Treibgut, welches den Kiel ausnockt.
    Man sieht aber auch, selbst die hochgezüchtesten Hochseerenner die die Menschen haben, fallen mittlerweile fast nur durch Treibgut etc. aus. Nicht mehr durch Kontruktionsschwächen, Materialermüdung oder Segelfehler.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Prospero sagt:

    Es ist traurig für diesen absoluten Sympathieträger der diesjährigen VG. Vincent, bitte weitermachen!

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  3. avatar Ulli Jäger sagt:

    Schade , sein Speed ohne Foils war echt erfrischend ?
    Irgendwann macht es wieder Sinn mit einem Langkieler unterwegs zu sein, wenn sonst keiner mehr heile ankommt ?

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  4. avatar Björn sagt:

    Wenn die Foils ein bisschen leistungsfähiger werden und selbst auch aus dem Wasser heraus kommen dann muss man nur noch den Möwen ausweichen und später vieleicht dem Weltraumschrott, aber eine Zeitlang können dann Rekorde gesegelt werden.

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