Vendée Globe: Von 20 Knoten auf Null – Wie Samantha Davies ihren Zusammenstoß erlebte

"Als wenn ich auf einen Stein gefahren wäre"

Samantha Davies erklärt, wie ihre Kollision bei der Vendée Globe passiert ist. Sie ist beim Aufprall nach vorne gegen ein Schott geflogen. Sie steuert Richtung Kapstadt.

Samantha Davies segelte im Juli 2020 bei der VALSO auf Rang 4 © IMOCA

Nachdem die Britin Samantha Davies, deren Lebenspartner ebenfalls um die Welt segelt, am vergangenen Abend mit einem nicht identifizierten schwimmenden Objekt zusammengestoßen ist, äußert sie sich nun erstmals zu den näheren Umständen des Unfalls.

Demnach passierte der Crash nachdem sie gerade erfolgreich bei 30-35 Knoten Wind und chaotischem Seegang eine Halse hinter sich gebracht hatte. Sie segelte mit Wind von Steuerbord mit 15 bis 22 Knoten Richtung Osten und kämpfte mit den hohen Wellen. Seit   zwei Tagen herrschten diese besonderen Bedingungen im Bereich der Agulhas-Strömung.

Sam Davies und ihr Lebenspartner Romain Attanasio an Pontons beim Start der Vendee Globe in les Sables d’Olonne, Frankreich, am 8. November 2020. Er segelt selber mit auf Rang 14. © Jean-Marie Liot / Alea

Ihr seien die Risiken bewusst gewesen, aber sie habe einen guten Modus gefunden und sei schnell und stabil unterwegs gewesen. Als nach dem Bugwechsel die Segel und beweglichen Teile umgestaut waren, nahm sie kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine warme Mahlzeit zu sich und segelte in den Sonnenuntergang.

Das Boot unterschnitt

Dann passierte es. “Ich habe irgendetwas getroffen. Es war ziemlich dunkel. Man konnte nichts sehen. Es war, als würde ich auf einen Felsen auflaufen. Die Bootsgeschwindigkeit sackte von 20 Knoten auf Null. Das Boot unterschnitt nach dem Aufprall. Ich wusste, dass es der Kiel war. Ich hörte das Krachen aus diesem Bereich.

Ich flog mit allen anderen Sachen nach vorne – auch das Abendessen. Es kleisterte den gesamten Innenraum meines Bootes zu. Ich knallte gegen das Schott.  Der Aufprall war heftig. Aber zum Glück verletzte ich mir nur einige Rippen. Nichts Ernstes, aber wirklich schmerzhaft.

Initiatives Coeur, der nachgerüstete IMOCA von Samantha Davies. © Yvan Zedda / Azimut Challenge

Ich stoppe das Boot, lasse das Großfall durchrauschen, berge das Segel und untersuche den Kiel, sein Lager und das Schott. Die Struktur des Kielkastens ist soweit intakt. Auch das Lager für den Neigekiel. Aber die Längsstruktur um den Kasten herum hat Risse. Sie musste den Schock des Aufpralls aufnehmen.”

Wasserstand mit Pumpeinsatz stabil

Der Kiel-Hydraulik mit der wasserdichten Abdichtung ist beschädigt. Dort sei Wasser eingedrungen, aber die Pumpe an Bord komme gut damit zurecht und halte den Wasserstand stabil. Die Bedingungen seien mit 30 Knoten Wind immer noch schwierig. Deshalb ist Davies auf einen Vorwindkurs abgefallen, um die Belastungen auf  Kiel und den Schotten zu minimieren.

Fastnet Race, IMOCA, Ultim

Sam Davies bei der Arbeit. © davies/ initiative coeur

Das Team an Land mit den Konstrukteuren und Technikern habe Simulationen zu den Lasten erstellt, um die Gefahr richtig einschätzen zu können. “Gott sei Dank sind sie zuversichtlich, dass keine unmittelbare Gefahr besteht. Dafür darf ich aber auch nicht schnell segeln, es darf keine lauten Geräusche geben, und der Kiel muss sich immer noch  in seinem Lager befinden. Er soll sich nicht bewegen. Deshalb segele ich jetzt sehr langsam Richtung Kapstadt.”

Dort weht zurzeit weniger Wind. Davies will dann erst dann den Schaden bewerten und überlegen wie und ob es weitergehen kann.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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