Vendée Globe: Warum “Hugo Boss” seinen Vorsprung trotz gebrochenem Foil behält

Rätselhafter Speed

Alex Thomson hält seinen Vorsprung an der Spitze auch ohne Tragfläche. Er ist wieder schneller als die Konkurrenz und liegt gut 100 Meilen vorne. Wie kann das sein?

Hugo Boss, Vendée Globe

“Hugo Boss” segelt noch mit Wind von Backbord, hofft aber, bald halsen zu können. © Cleo Barnham Hugo Boss

Es schien schon fast das Aus für “Hugo Boss” zu sein. Den Verlust des Steuerbord-Flügels nach einer Kollision mit Treibgut sollte das Ende aller Träume für den Briten bedeuten. Aber stattdessen vergrößerte sich der Abstand bei jedem neuen Positionsbericht.

Eigentlich hat Thomson sogar einen neuen 24 Stunden-Rekord aufgestellt. 535.34 Meilen gelangen ihm am Samstag, und das sind dann genau 259 Meter mehr als die 534.48 Meilen von Francois Gabart bei der Vendée Globe 2012/13. Allerdings erkennen die Rekordwächter des World Speed Sailing Record Councils nur Bestmarken an, die eine Meile Unterschied ausmachen. Er wird also nicht gezählt

Hugo Boss (unten) segelt noch voll im roten Bereich. Nur zwei Boote können folgen.

Hugo Boss (unten) segelt noch voll im roten Bereich. Nur zwei Boote können folgen.

Ist der Bruch des Foils nur eine Ente? Fotos gibt es noch nicht davon. Oder ist der Flügel vielleicht gar nicht so wichtig? Hat Thomson eine andere Geheimwaffe, die ihn so schnell macht?

Welle ist das Problem

Es sind die Bedingungen, die dem schwarzen Boot zurzeit helfen. “Banque Populaire VIII”-Skipper Armel Le Cléac’h erklärt: “Die Wellenbewegungen verschlechtern sich zunehmend. Dabei helfen die Tragflächen nicht. Wir müssen auf ruhigere See warten um das Beste aus diesen Anhängen zu machen.

Safran Vendee Globe

“Safran” war zuletzt das schnellste Boot, hat aber im Moment den Zug nach vorne verpasst. © Safran

Er sei nicht überrascht von dem Speed der “Hugo Boss”. Schließlich könnten auch die anderen Boote ohne Foils (SMA, PRB) mithalten. “Ich lege meinen Speed entsprechend der berechneten Werte für das Boot fest. Manchmal sind einige Boote schnell, aber es ist besonders wichtig, einen hohen Durchschnittswert zu erreichen. Es gibt keinen Grund, zu viel Gas zu geben, um jetzt in Führung zu gehen.”

On Board Aufnahmen von “Safran”:

Tatsächlich spielt die perfekte Positionierung von Alex Thomson vor dem sich schnell nach Osten bewegenden Tiefdruckgebiet die größte Rolle für seine hohe Geschwindigkeit. Der etwas südlichere Kurs erlaubt ihm einen idealen Winkel zum Wind. Er kann die Schoten relativ offen fahren und erzeugt dadurch weniger Querkräfte, die er mit einem weit nach Luv geneigten Kiel ausgleichen müsste. Dann würde ihm nicht genügend Lateralfläche gegen die Abdrift zur Verfügung stehen.

Auf den Winkel kommt es an

Es kommt gar nicht so sehr auf die absolute Windgeschwindigkeit an, um einen hohen Speed zu generieren. Paul Meilhat (SMA) bestätigt: “Es ist schon überraschend, dass diese Boote bei 15-20 Knoten Wind raumschots genauso schnell sind wie bei  30-40 Knoten von hinten. Wir müssen nicht extrem starken Wind finden, um schnell zu sein, sondern der richtige Windwinkel ist wichtig.”

Die 24-Stunden-Speed-Kurven der Top vier: "Hugo Boss" (grau), "Edmond" (hellblau), "Banque" (blau), "Safran" (gelb)

Die 24-Stunden-Speed-Kurven der Top vier: “Hugo Boss” (grau), “Edmond” (hellblau), “Banque” (blau), “Safran” (gelb)

Für Thomson ist der 25 Knoten starke Nordwind im Moment nahezu perfekt. Dazu kommt die Tatsache, dass er sich zurzeit am längsten vor der Front halten kann, die über die Spitzenboote hinweg fegt.

SMA und PRB mussten ihren Kurs schon deutlich anspitzen und der nachgerüstete Foiler “Maitre Coq” segelte in den vergangenen 12 Stunden nur noch halb so schnell, musste halsen und hat gut 100 Meilen verloren.

Auch Morgan Lagravière mit seiner “Safran”, der in den vergangenen Tagen regelmäßig die höchste Geschwindigkeit erreichte, an “PRB” vorbei auf Rang vier schoss und viele Meilen zur Spitze gutmachte, befindet sich nun im Bereich des leichteren Windes hinter der Front.

Dreikampf an der Spitze

Vorne halten Sébastien Josse auf Rang zwei und Armel le Cleac’h knapp zehn Meilen voneinander entfernt noch Anschluss an Thomson, der gut 100 Meilen voraus liegt. Aus dem Siebenkampf wird ein Dreikampf an der Spitze. Und am Donnerstag passieren die schnellsten Boote in Rekordzeit das Kap der Guten Hoffnung.

Kompliziertes Wetter wartet am Kap der Guten Hoffnung. Der Südwind kommt erst später.

Kompliziertes Wetter wartet am Kap der Guten Hoffnung. Der Südwind kommt erst später.

Aber dort wird das Wetter in einer Übergangszone komplizierter, so dass sich zeigen muss, ob “Hugo Boss” weiterhin die Angriffe zurückschlagen muss. Im Indischen Ozean wartet aber schon das nächste Tiefdruck-System, das Nordwinde bringt.

Für Thomson ist das noch keine gute Nachricht, weil er gerne halsen möchte, um sein intaktes Foil auf dem Bug mit Wind von Steuerbord einsetzen möchte. Aber diese Südwinde werden noch kommen, wenn er sich nahe der in den Regeln festgelegten Eisgrenze entlang hangelt.

Vendée Globe Tracker

Wie es gerade aussieht, wo die Vendée Spitze segelt. Der Non-Foiler “SMA”:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://summercamp-borgwedel.de

3 Kommentare zu „Vendée Globe: Warum “Hugo Boss” seinen Vorsprung trotz gebrochenem Foil behält“

  1. avatar Luke sagt:

    Falsch abgeschrieben. Alex Thomson ist nicht um 259 Meter weiter gekommen, sondern es fehlen 259 Meter auf die benötigte Seemeile.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 5

  2. avatar Ammerseer sagt:

    Laut sailing anarchy soll Alex ein Ersatzfoil dabei haben, wenn dem so ist und der auch gelingt, bleibt er der absolute Topfavorit

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

  3. avatar Ammerseer sagt:

    “We’ve also just learned exclusively that the non-French ocean racing world’s biggest hope may not be over at all, thanks to a spare starboard foil aboard the Boss!  Alex will attempt to cut away and jettison the remaining stub and insert the spare downward from the deck openings ; it is a very tricky operation but they’ve practiced it at least once, and it’s the reason for their unique deck/foil exit configuration.”

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *