Volvo Ocean Race: 13 zu 5 Halsen in der Nacht – Heiligabend Ankunft in Melbourne

"Gehirn abschalten"

Wie Navigator Bidegorry die Halsen bei Dongfeng ankündigt:

Beim Zweikampf an der Spitze des Volvo Ocean Races setzt sich ein Team immer weiter ab. Dabei wird die Kritik an der Eis-Zone größer. Geht Sicherheit vor Spannung? Der Brunel-Patientin geht es besser.

Gezeichnet von der Anstrengung. Xabi Fernandez and Will Altadill bei einer weiteren Halse mit Mapfre. © Jen Edney/Volvo Ocean Race

Ist das Dongfeng-Team am Ende seiner Kräfte? In der Nacht hat Skipper Charles Caudrelier wieder einmal binnen zehn Stunden fünf Halsen an der Grenze zur Eis-Zone befohlen, um Gegner Mapfre anzugreifen. Aber dagegen setzten die Spanier 13 Halsen. Und offenbar half viel auch viel. Sie behaupteten die südliche Position nahe an der Zone und im stärkeren Wind. Der Vorsprung vergrößerte sich auf nun 16,5 Meilen .

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Alle Mann an Deck! Und noch eine Halse auf Mapfre. © Jen Edney/Volvo Ocean Race

Das Dongfeng-Team will nicht aufgeben (Video), aber es sieht so aus, als habe es dem Einsatzwillen von Xabi Martinez und seinen Mannen nichts mehr entgegen setzen. Analog würde man wohl bei einem Fußballspiel die Laufleistung vergleichen. Der Vorsprung ist schließlich nicht durch eine glückliche Winddrehung zustande gekommen, sondern durch brutal harte Arbeit. Das wirkt psychologisch noch schwerer bei einem solchen Duell und mag sich langsam in den Köpfen der französisch geprägten Dongfeng-Crew festsetzen.

Spielfeld öffnet sich

1400 Meilen bleiben noch für den finalen Angriff. Das Spielfeld öffnet sich nun wieder, da sich die Eis-Linie nach Süden kippt. Die Teams der beiden roten Boote werden noch einmal alles geben, um diese doppelt gewertete Etappe zu gewinnen. Sollte Mapfre erneut gewinnen, könnte das schon der Schlüssel für den Gesamtsieg werden. Andernfalls wäre Dongfeng in der Gesamtwertung wieder auf zwei Punkte an den Spaniern dran.

Mapfre (weiß) hat 13 Halsen an der Eis-Zone absolviert, Dongfeng nur 5. Der Vorsprung beträgt nun 16,5 Meilen.

Der Weg zum Etappenziel. Noch vier Tage.

Es zeichnet sich ab, dass die übrigen Gegner kaum eine Chance gegen die beiden Frontrunner haben. Vestas liegt jetzt schon 117 Meilen achteraus und Brunel 158 Meilen. Da scheint auch nicht mehr viel zu gehen.

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Chris Nicolson bei seinem sechsten Volvo Race.Er wird immer noch seekrank, kann sich immer noch nicht an den Schlafentzug gewöhnen und liebt dieses Rennen trotzdem. © James Blake/Volvo Ocean Race

Ein Teil der Dominanz der beiden schnellsten Schiffe im Feld, die zuletzt von stärkerem Wind profitiert haben, hat mit der Eis-Ausschluss-Zone zu tun, die bei dieser Etappe eine besonders große Rolle spielt. Denn sie ist von den Organisatoren nach Ansicht der Satelliten-Bilder zum aktuellen Eisgang ungewöhnlich in den Norden verschoben worden. Sicherheit geht vor Spannung.

Schmaler Korridor

Dadurch ergibt sich nur ein sehr schmaler Korridor, in dem sich die Flotte bewegen kann. Der südliche Weg ist einfach schneller, weil kürzer und windiger. So bleibt kaum Spielraum für Ausbruchversuche. Die Verteidigung der Position ist für die Spitzenboote einfach.

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Nicolai Sehested bereitet sich auf eine weitere kalte Nacht auf AkzoNobel vor. ©James Blake/Volvo Ocean Race

Dee Caffari macht ihren Unmut darüber Luft. “In der Vergangenheit musste man die Eisberge umkurven, aber nun hält die Eis-Ausschluss-Zone die Flotte so weit nördlich der Gefahrenzone, dass es keine Frage mehr darüber gibt, was zu tun ist: So weit im Süden segeln wie man kann.”

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Peter Burling pumpt sich heiße Luft vom Motor in die Hose. © Abby Ehler

Man müsse sich keine Gedanken mehr über die Sicherheit machen. Das übernehme ja jetzt eine Firma, die das Eis beobachte. “Da kann man sein Gehirn abschalten.” Sie würde allerdings gerne die Last auf sich nehmen, die Wassertemperaturen zu beobachten, Ausguck zu halten und sicher durch die Eiszonen zu navigieren. “Diese Zone killt uns und unsere Bemühungen, nach Melbourne zu kommen. Wir drohen geschluckt zu werden und sehr viel später als die vorderen Boote in Melbourne anzukommen. So ein Mist!”

Sorgenkind geht es besser

Das ist auch deshalb von Bedeutung, weil Melbourne nicht als voller Etappen-Halt zählt sondern nur als Pit Stop. Dabei sind die Möglichkeiten begrenzt, Reparatur- und Service-Arbeiten am Schiff vorzunehmen. Darüber macht sich besonders das AkzoNobel-Team Gedanken. Denn die Zeit bis zum nächsten Start am 2. Januar ist knapp. Und sie müssen noch sicherstellen, dass der Mastspur-Schaden solide behoben wird.

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Nick Dana versucht sich mit Liegestützen auf Vestas warm zu halten. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Auf Brunel geht es dem Sorgenkind Annie Lush offenbar deutlich besser (Video). Die Britin bewegt sich nach dem Rückenschaden wieder vorsichtig an Deck und greift sogar hin und wieder vorsichtig in den Grinder. Sie bekundet, dem Team noch keine große Hilfe zu sein, aber es tue gut, mal wieder frische Luft zu schnappen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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