Volvo Ocean Race: AkzoNobel fährt den Sieg nachhause – Mapfre ist der große Gewinner

Mapfre im Jollen-Modus

Beim Volvo Ocean Race ist dem spanischen Mapfre Team auf den letzten Meilen Erstaunliches geglückt. Für die Underdogs dagegen spielte sich in der Schlussphase der Etappe ein Drama ab.

Mapfre ist das entscheidende Überholmanöver gelungen. © Jesus Renedo/Volvo Ocean Race

“Sie haben uns am Nachmittag überholt”, sagt Xabi Fernandez noch kurz vor der Rundung des neuseeländischen Nordkaps. “Aber wir werden um diesen einen Punkt kämpfen. Das Wichtigste ist, sie sind nahe bei uns.” Soll heißen, Dongfeng kann maximal einen Punkt in der Gesamtwertung gutmachen. “Das ist die Hauptsache.”

Das ist von Anfang an die Mapfre-Strategie auf einer komplizierten Flauten-Etappe mit extremen Flauten und zahlreichen Überholmöglichkeiten. Bloß nicht Dongfeng aus den Augen lassen, bloß nicht zulassen, dass Caudrelier Boote und Punkte zwischen sich und die Spanier bringt – oder dass er den Bonus-Punkt für den Sieg holt, und vielleicht doch noch den Franzosen im direkten Zweikampf bezwingen.

Symbolträchtige Szene

Für Mapfre war es egal, wer diese Etappe gewinnt. Die Konkurrenz liegt in der Gesamtwertung zu weit zurück. Nur dieses andere rote Boot spielt auf Augenhöhe. Dass am Ende dieser Plan so perfekt aufgeht, damit konnten sie selber nicht rechnen.

Das Team ist in der Entscheidungsphase voll da. Und schließlich gelingt sogar das Überholmanöver. Diese Crew segelt im Vergleich wirklich beeindruckend. Und was den Unterschied ausmacht, zeigt sich vielleicht in einer Szene, die gut sieben Stunden vor dem Ziel von einem Helikopter aufgenommen wurde.

Ab etwa 10 Minuten in der Aufnahme sind beide rote Yachten in einem engen Zweikampf miteinander verstrickt. Es könnte das letzte Überholmanöver sein, denn nur noch wenige Kurswechsel auf dem Weg zum Ziel sind zu erwarten. Die Optionen werden geringer.

Es ist beeindruckend, zu sehen wie das Team diese 65-Fuß-Yacht im Jollen-Modus segelt. Das gesamte Team befindet sich an Deck. Fünf Segler inklusive Navigator Juan Vila sitzen an der Reling mit den Beinen nach draußen.

Crew an der Reling

Rob Greenhalgh steuert, Skipper Fernandez trimmt die Vorsegel und Blair Tuke das Groß. Sie spitzen etwas an, um Dongfeng auszuluven und brauchen dafür das Gewicht auf der Kante. Als der Querabstand ausreicht und wieder etwas tiefer gesteuert wird, bewegt sich die Crew nach einem Kommando kompakt von der Reling auf das Vorschiff.

Es ist nicht klar, ob in diesem Moment schon das entscheidende Überholmanöver gelingt. Aber bei Dongfeng sieht es an Bord etwas anders aus. Zwei Segler befinden sich noch unter Deck und fünf im Cockpit. Dem Gewichtstrimm wird keine so große Beachtung geschenkt.

Ob das wirklich den Unterschied zwischen den beiden Teams ausmacht, ist schwer zu sagen. Es deutet aber auf einen hohen Grad von Professionalität hin. Und damit hält Mapfre den Gegner in Schach. Dass es spät in dieser Etappe nach 6200 gesegelten Meilen noch um Zentimeter geht, ist ungewöhnlich. Aber Mapfre zeigt eine Einstellung, mit der sie solche Momente auf Messers Schneide entscheiden.

Keine Angst vor zusätzlichem Manöver

Das hat sich schon auf der Atlantik-Etappe im Southern Ocean gezeigt, als sie an der Eis-Verbot-Zone mit extrem vielen Halsen den roten Gegner geradezu niedergeknüppelt haben. Eine ganz kritische Phase erfolgte auf der fünften Etappe nach Hong Kong, als plötzlich Dongfeng in der Flaute entwischte, als man kurz die Deckung aufgab. Das hätte ganz böse ausgehen können, aber schließlich verlor Mapfre nur zwei Punkte.

Danach scheint sich Fernandez eingehämmert haben: Bloß nicht weg von Caudrelier. Und das zeigte sich in dem Halsenduell nach etwa einer Woche in der Etappe. Mapfre kontert jeden Ausbruch-Versuch des Gegners:

Der Zickzackkurs in Sichtweite zwischen Dongfeng (rot) und Mapfre (weiße Linie) nach einer Woche zeigt das Halsenduell. Dongfeng will ausbrechen, Mapfre bleibt dran.

Diese Einstellung schlägt sich in der Statistik nieder. Mapfre hat 72 Manöver ausgeführt und Dongfeng 61. Wenn man bedenkt, was für ein Aufwand ein Kurswechsel auf diesen Volvo 65 ist, mit dem Bewegen der Tonnen schweren Ausrüstung, dann ist klar: Fernandez kommt nicht auf die Idee, seine Crew zu schonen.

Turn The Tide geschlagen auf Platz fünf im Ziel von Auckland. © Jesus Renedo/Volvo Ocean Race

Und der Erfolg gibt ihm Recht. Das Glück ist mit den Tüchtigen. Mapfre überholte am Ende tatsächlich noch den Gegner ein. Darauf konnte er nicht mehr hoffen. Das war das Sahnehäubchen. Und fast wäre sogar der Super-Deal geglückt. Dann nämlich, wenn Turn The Tide noch zwischen die beiden Kontrahenten gerutscht wäre.

So aber segelten die beiden Spitzenboote fast mühelos an der Crew von Dee Caffari vorbei, nachdem sie zu lange an der Spitze von Neuseeland eingeparkt hatte. Der Speed-Unterschied im direkten Vergleich muss für Caffari ernüchternd gewesen sein.

Verdienter Sieg von AkzoNobel

An der Spitze feierte AkzoNobel einen verdienten Sieg. Nach dem schweren Fehler zu Beginn der Etappe mit dem frühen Abstecher gen Norden Seite an Seite mit Scallywag, half ihnen das Wetterglück, wieder zurück ins Spiel zu kommen. Und dann segelten sie die Etappe solide nachhause.

Simeon Tienpont freut sich über den verdienten Etappensieg mit AkzoNobel. © Jesus Renedo/Volvo Ocean Race

In der Gesamtwertung ist für den schwer gebeutelten Simeon Tienpont jetzt sogar noch ein Platz auf dem Podium möglich. Der Abstand zu Scallywag beträgt nur drei Punkte. Aber da wird auch Vestas noch ein Wörtchen mitreden wollen, wenn das Schiff wieder repariert ist.

AkzoNobel hält Scallywag in Schach © Jesus Renedo/Volvo Ocean Race

Ob Brunel nach dieser harten Niederlage noch einmal zurückkommt ist fraglich. Ob der sieggewohnte Peter Burling das aushält, weiter so hinterher zu segeln? Im Unterschied zu den vorherigen Etappen war Brunel diesmal schnell genug. Ein neues Großsegel soll den Unterschied ausgemacht haben.

Aber dafür war der strategische Fehler verheerend. Zu früh setzte Bekking alles auf eine Karte, und entschloss sich für den finalen Angriff, weil sich Platz drei schon 30 Meilen entfernt hatte. Er dachte wohl, dass es keine weitere Möglichkeit mehr gab. Mapfre hat das Gegenteil bewiesen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

Gesamtergebnis nach sechs von elf Etappen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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