Volvo Ocean Race: Bei wem soll man mitfiebern? Chinesen liegen vorne

Die Sieger der Herzen

Für den deutschen Segelfan ist es bei diesem Volvo Ocean Race etwas schwierig, ein geeignetes Team zum Mitfiebern zu finden. Es ist so spannend, wie nie, aber wem soll man die Daumen drücken?

Vestas Volvo Ocean Race

Aufstieg in den Mast, um zu sehen, ob die Antenne noch im Topp ist. Ist sie nicht. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

Man konnte ja nicht erwarten, dass aus unserem Land mal wieder eine Herausforderung kommt wie vor zwölf Jahren von  Michael Illbruck. Aber bei den vergangen beiden Auflagen gab es mit Puma und Michi Müller wenigstens einen deutschen Aufhänger.

Diesmal ist es schwer, das persönliche Favoritenteam auszumachen. Die Frauen vom SCA Team haben natürlich einen großen Sympathiewert. Es ist schön zu sehen, dass sie offenbar ihre Hausaufgaben gemacht haben und auf Augenhöhe mit der Konkurrenz mithalten.

Oder fiebert man mit Bouwe Bekkings Brunel mit, unserem holländischen Nachbarn, der eng mit hiesigen Segelzene verbunden ist und schon auf vielen deutschen Yachten gesegelt hat? Ach hätte er doch nur Robert Stanjek mitgenommen. Im Nachhinein erscheint das öffentliche Auswahlverfahren und das vermeintliche Duell mit Finnsegler Postma nicht viel mehr als ein PR Coup gewesen sein. Denn schließlich wurde niemand genommen. Das Team ist nun mit einem Altersdurchschnitt von 38,5 Jahren ganz auf Erfahrung aufgebaut und das älteste im Feld.

Vestas Volvo Ocean Race

Probleme mit der Kiel-Hydraulik. Die Hälfte des Teams beschäftigt sich damit. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

Abu Dhabi bestätigt immer deutlicher seine Favoritenrolle und Skipper Ian Walker wäre diesmal durchaus  der Erfolg zu gönnen. Aber können Öl-Scheichs auch Sieger der Herzen werden? Nur ein Segler aus Abu Dhabi ist an Bord.

Oder die Spanier von Mapfre? Bekannte Gesichter, tolle Segler, mit Desjoyeaux ein toller Promi dabei, aber die Außendarstellung ist noch etwas blass. Mehr Emotionen kommen bei dem Jungspund-Team von Alvimedica rüber, die zuvor als chancenlos gesehen worden waren, und nun schon mehrfach in Führung lagen.

Noch jünger ist das Dongfeng Team mit einem Altersdurchschnitt von 30.5 Jahren. Es ist sehr erstaunlich, wir gut sich das sehr französisch geprägte Team bisher schlägt. Zurzeit liegt es sogar in Führung.

Vestas Volvo Ocean Race

Chris Nicholson wälzt Probleme und der notorische Schlafmangel macht sich bemerkbar. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

Bleibt noch das dänische Vestas Team, das so spät gemeldet hat. Der sieggewohnte Australier Chris Nicholson sollte eigentlich wieder mit einer Kiwi Crew für das Team New Zealand um die Welt segeln, aber das Projekt scheiterte in letzter Minute. Nicholson war eigentlich raus, aber im letzten Moment ging noch das dänische Türchen auf.

In kürzester Zeit baute er ein Team um die beiden Hochsee zwar unerfahrenen Quoten-Dänen Sehested (24) und Wibroe (29) zusammen, die aber zu den besten und sympathischsten Akteuren der internationalen Segelszene gehören. Nicholson überzeugte die Kiwi Veteranen Tony Rae (53, 5 mal VOR) und Rob Salthouse (48, 3 mal VOR), holte den holländischen Navigator Wouter Verbraak (38, 2 VOR) und versucht nun die verpasste Vorbereitungszeit aufzuholen.

Vestas Volvo Ocean Race

Warum funktioniert das AIS nicht. Arbeit an der Elektrik auf Vestas. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

Dabei konnte Vestas schon einige Höhepunkte setzen. Im Mittelmeer lag das Team einige Zeit in Führung, auf Platz zwei ging es durch die Straße von Gibraltar aber dann drohte es einige Male den Anschluss zu verlieren.

Einmal wurde das blaue Boot durch massives Seegras gestoppt und musste kurz den Rückwärtsgang einlegen. Dann gab ein Navigationscomputer den Geist auf, als er im leckenden Schiff bei 30 Knoten Wind unter Deck gewassert wurde.

Eine Zeitlang segelte Navigator Verbraak im Blindflug und verhaspelte sich in der Flaute. Inzwischen arbeitet das Ersatzgerät wieder aber schließlich funktionierte AIS nicht mehr. Die Antenne ist im Sturm vom Masttopp gerissen worden. Noch schwerwiegender war das Problem, dass der Neigekiel nicht den maximalen Schwenkbereich von 40 Grad erreichte.

Vestas Volvo Ocean Race

Match Racer Nicolai Sehested dichtet Stunden lang Lecks an Deck mit Sikaflex ab. © Brian Carlin/Team Vestas Wind

On Board Reporter Brian Carlin berichtet: “Chris schrieb zahlreiche Emails und telefonierte, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Aber inzwischen ist eine Lösung in Sicht.” Die Crew fand weitere Lecks im deck, durch die das Wasser in die Kajüte floss. Noclai Sehested arbeitete mehrere Stunden mit Sikaflex, um die Löcher zu stopfen.

Das sind die Kinderkrankheiten, die Vestas durch die fehlende Vorbereitung nicht ausmerzen konnte. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Dänen bisher nicht abschütteln lassen. Sie liegen allerdings jetzt kurz vor dem Erreichen der sich verstärkenden Nordost Winde 13 Meilen achteraus und die Karten scheinen nach dem hektischen Hin- und Her-Gehalse der vergangenen Tage erst einmal verteilt. Mal sehen, was Nicholson noch einfällt.

Die Flotte passiert am 16.10. die Kanaren,

Die Flotte passiert am 16.10. die Kanaren,

Situation am 16.10. Dongfeng liegt 4,4 Meilen in Führung vor Abu Dhabi

Situation am 16.10. Dongfeng liegt 4,4 Meilen in Führung vor Abu Dhabi

Volvo Ocean Race Tracker

Volvo Ocean Race Website

Team Vestas:

Die Geschichte von Alvimedica:

Dongfeng:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

9 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Bei wem soll man mitfiebern? Chinesen liegen vorne“

  1. avatar Chenninge sagt:

    Vestas!
    Dänisch-Neuseeländisch, da geht doch was!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

  2. avatar Ketzer sagt:

    Ist auf jeden Fall sehr interessant, dass dieselben Boote doch auch wirklich zu sehr ähnlichen Geschwindigkeiten führen. Gab’s früher noch nie, dass das Feld quasi auf Sichtweite blieb, oder?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  3. avatar Christian1968 sagt:

    Übrigens ist beim Dongfeng-Team Pascal Bidégorry Wachführer. Der war Jahrelang Skipper des legendären, größten Tris der Welt Banque Populäre V, jetzt Spindrift.

    Da steckt also auch geballtes Wissen mit an Bord, aber das gilt ja für alle Teams 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  4. avatar andreas borrink sagt:

    Hier was zum Mitfiebern, auch für deutsche Fans:

    http://www.barcelonaworldrace.org/en/news/news/riechers-and-audigane-announce-their-new-boat

    Die Konstellation könnte spannender nicht sein: Rookie und Asket Jörg gegen den alten Haudegen und Weintrinker LeCam. Da ist Musik drin! Und dann die Nummer mit den getauschten Booten; wer Jörg kennt, weiss: der glüht!

    Geht Sonntag los.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

  5. avatar Lyr sagt:

    Brunel hat ja eh schon alle unsere Sympathien im Vorfeld verspielt, oder?? 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  6. avatar Insider sagt:

    Wäre aber auch mal schön wenn ein Frauenteam den Männern mal so richtig zeigt wo es lang geht! Finde es sowieso immer erstaunlich wie wenig Aufmerksamkeit Frauen kriegen in den modernen Sportarten wie Kitesurfen, Snowboarden usw.. Da ist, im vergleich, Tennis eine sehr moderne Sportart bei.

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

  7. avatar Chris sagt:

    für mich war das Brunel Team anfänglich klarer Favorit, weil ich wie fast alle Deutschen darauf hoffte, Bekking würde Robert ins Team holen. Als er es dann aber nicht geworden ist und auch PJ mir auf der DLR erzählte, dass er auch keine Chance für sich sieht, was sich dann bewahrheitete, war das für mich gestorben.

    Aber der Dänen-Downunder-Mix gefällt mir seit dem offiziellen Announcement auch am Besten. 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *