Volvo Ocean Race: Cammas ersetzt Navigator bei Dongfeng – Burling bei Brunel von Bord

Wechselspiele

Das Dongfeng Team wechselt für die vierte Volvo Ocean Race-Etappe auf fünf Positionen. Auch beim schwächelnden Brunel Team sollen neue Besen besser kehren.

DongfengRaceTeam

In Alicante hat Cammas (r.) seinem Kumpel Caudrelier schon mal über die Schulter geschaut. © Eloi Stichelbaut / Dongfeng Race Team

Das zweitplatzierte Dongfeng Race Team will offenbar mit einem umfassenden Crewwechsel den Druck auf das nahezu makellos segelnde Mapfre Team erhöhen. Auf dem vom chinesischen Auto und LKW- Hersteller Dongfeng gesponserten Boot kommen im Vergleich zur dritten Etappe gleich fünf neue Segler zum Einsatz.

Dabei ist insbesondere die Abwesenheit des Navigators Pascal Bidegorry bemerkenswert. Er wird bei dem am 2. Januar startenden 6000 Meilen lange Abschnitt von Melbourne nach Hong Kong von dem französischen Seehelden Franck Cammas ersetzt.

Brisanter Wechsel

Der Wechsel ist etwas brisant, weil Dongfeng die vergangenen beiden Etappen jeweils durch kostspielige navigatorische Schnitzer gegen die Spanier verloren hat. Skipper Caudrelier übernahm zwar zumindest im ersten Fall die Verantwortung, aber möglicherweise hat das Vertrauen zu Bidegorry gelitten.

Pascal Bidegorry

Navigator Pascal Bidegorry setzt bei Dongfeng auf der vierten Etappe aus . © Jérémie Lecaudey / Volvo Ocean Race

Allerdings erklärt das Team, dass sich der Navigator acht Tage vor dem Ziel der vergangenen Etappe eine Rippen-Verletzung zugezogen haben soll. Er sei im Cockpit von einer Welle gegen die Steuerrad-Schutz-Vorrichtung geschleudert worden.  Team-Arzt Neil Maclean-Martin sagt: “Solche Verletzungen sind schmerzhaft und einschränkend. Man kann auch wenig tun, um den natürlichen Heilungsprozess zu unterstützen.”
 
Bidegorry sagt: “Franck ist eine gute Wahl für Charles. Sie kennen sich seit vielen Jahren und teilen die Erfahrung des Volvo Ocean Race Sieges 2012. Ich habe keinen Zweifel, dass Franck dem Team nach einer anstrengenden Etappe sehr helfen wird.” 

Cammas siegte mit Caudrelier

Cammas hatte das Volvo Ocean Race 2011-2012 mit seinem Groupama-Team und Caudrelier als einer der Schlüsselfiguren überlegen gewonnen. Das französische Projekt war perfekt geplant und am besten finanziert. Das Schiff war einfach schneller als die Konkurrenz.

Caudrelier und Cammas

Caudrelier und Cammas sind seit 20 Jahren befreundet. © Eloi Stichelbaut / Dongfeng Race Team

Eine solche Überlegenheit ist beim Volvo Ocean Race nicht mehr zu erreichen, seit der Wechsel zur Einheitsklasse VO65 erfolgte. Vorteile werden durch die Crew-Power, das Wissen über spezielle Trimm-Einstellungen und strategisch-navigatorische Entscheidungen erreicht.

Cammas (45) steckt in diesem Spiel nicht mehr so tief drin, seit er 2010 mit dem Maxi Tri “Groupama 3” den Jules Verne Rekord brach und danach das Volvo Ocean Race gewann. Zuletzt beschäftigte er sich eher mit dem Fliegen. Als Skipper der unterfinanzierten französischen America’s Cup Kampagne raste er in Bermuda den gegnerischen Flügel-Katamaranen hinterher, gewann immerhin im C-Kat den Little America’s Cup mit einer überlegenen Konstruktion, versuchte sich erfolglos an einer Olympia-Qualifikation im Nacra17 und erlebte schließlich einen schweren Unfall mit dem GC32 Foiler.

“Wie Brüder”

So mag es sein, dass Caudrelier selber mehr als Navigator vor dem Bildschirm sitzen möchte, was er nach eigenen Angaben ohnehin schon zu jeweils 20 Prozent getan hat. Cammas könnte ihn bei den Entscheidungen unterstützen. Beide sind eng befreundet. “Wir sind wie Brüder”, sagt Caudrelier. “Seit 20 Jahren segeln wir zusammen und waren immer erfolgreich. Ich vertraue ihm vollkommen.”
 
“Für mich ist es ungewöhnlich, diesmal Crewmitglied statt Skipper zu sein, aber die Leistung des Teams kommt zuerst”, sagt Cammas. “Charles ist ein Freund. Wir haben unsere gemeinsame Geschichte. Dadurch können wir sehr gut miteinander kommunizieren.”
 
Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang ganz gut, das die vierfache Nacra17 Weltmeisterin Marie Riou (36) ebenfalls das Boot verlässt. Sie war mit Billy Besson für Cammas im Katamaran unschlagbar und hätte ihn möglicherweise an seine Niederlagen im olympischen Kat erinnert. Auch ist eine Olympia-Kampagne selten dazu geeignet, eine tiefe Freundschaft zum direkten Gegner zu entwickeln.

Riou wird durch die Schweizerin Justine Mettraux (31) ersetzt, die das vergangene Volvo Ocean Race mit dem SCA Team gesegelt ist. Ebenso ist Daryl Wislang ist nach ausgeheilter Rückenverletzung zurück an Bord wie auch der Vendee Globe Dritte Jeremie Beyou. Außerdem tauschen erneut die Chinesen Jeremie and Horace die Plätze.

Hin und Her drückt auf die Leistung

Die vergangene Etappe war hart. Und die Erholungszeit ist kurz. Da macht es Sinn, ausgeruhte Segler an Bord zu nehmen. Aber ein solch umfassender, kurzfristiger Crewtausch ist normalerweise in einem Segelteam, das sich über lange Zeit einspielt und besser wird, alles andere als eine Stärkung.

Das Hin und Her beim AkzoNobel-Team hat gezeigt, wie sehr das Zusammenwürfeln einer Crew auf die Leistung drücken kann. Aber auch Brunel versucht, an dieser Stellschraube zu drehen. Bouwe Bekking nimmt vier neue Segler an Bord, und dieser Wechsel sieht nicht wie eine abgesprochene Rotation aus.

Prominentester Abgang ist Olympia-Sieger Peter Burling, der laut Bekking “wegen America’s Cup-Verpflichtungen” die vierte Etappe verpasst. Die verletzte Annie Lush wird von ihrer ex SCA-Kollegin Sally Barkow (USA) ersetzt, und außerdem kommen die Oracle America’s Cup Segler Rome Kirby (USA) und Sam Newton (AUS) an Bord.

Bekking muss etwas versuchen, um irgendwie noch Anschluss an das Podium zu finden. Der Rückstand von neun Punkten nach nur drei Etappen ist eine große Enttäuschung für den alten Haudegen.

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden

3 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Cammas ersetzt Navigator bei Dongfeng – Burling bei Brunel von Bord“

  1. avatar Non solo pane sagt:

    Nach drei Etappen haben die nun also auch gemerkt, dass diese Jollen- und Flugbootsegler für das Offshoresegeln nicht so optimal geeignet sind…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 11

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *