Volvo Ocean Race: Das Ausmaß der Zerstörung – Video + Bilder von der Vestas Strandung

Moment des Auflaufens

2. längere Video-Version vom Crash:

Bisher war es schwer, das Unglück des Vestas Teams beim Volvo Ocean Race aus der Entfernung konkret nachvollziehen zu können. Nun zeigt das Video den Moment des Auflaufens und Nahaufnahmen das Ausmaß der Schäden an dem Volvo 65.

Vestas Wrack

Das zerstörte Heck. Die Ruder sind herausgerissen. Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Dunkelheit, 19 Knoten Speed, und dann dieser Aufprall. Bisher konnte man sich kaum vorstellen, wie es an Bord gewesen sein muss, als die Vestas Crew das Unglück erlebte. Nun gibt das Video eine Vorstellung.

Unglaublich, wie dunkel die Nacht ist. Dann dieses fiese Geräusch, als der Kiel über das Riff rutscht. Es ist kein abrupter Stillstand. Die Segler können sich auch noch einigermaßen auf den Beinen halten. Aber dann beginnt das Schiff, immer weiter zu krängen.

Halbnackte Gestalten

Ein Segler stürzt nach Lee. “Hier ist ein großer Stein, ein Stein”, schreit mit italienischem Akzent. Es ist wohl Wachführer Maciel Cicchetti. Schreck und Verwunderung liegt in der Stimme.

Halbnackte Gestalten kommen aus dem Niedergang gekrochen. Die Freiwache ist unter Deck aus ihren Liege-Gestellen geflogen. Kurz und knapp ist Skipper Chris Nicholson zu hören und die Stimme, des jungen Dänen Peter Wibroe, der nur in Unterhose vor dem Niedergang steht.

Unglaublich, wie ruhig die Männer nach dem ersten Entsetzen bleiben. Dabei wird das Schiff heftig herumgeschleudert, als es auf dem Riff festsitzt. Das Spritzwasser der Brandung ergießt sich in das Cockpit. Der Großbaum holt über als sich das Schiff dreht. Die Steuerräder drehen sich plötzlich wie von Geisterhand. Jemand ruft “Rudder. Das ist wohl der Moment als die Blätter aus dem Rumpf brechen.

Hinten gibt es kein Boot mehr

Dann erklärt der irische Onboard Reporter Brian Carlin, dass er jetzt fünf Stunden im Dunkeln auf dem Riff gesessen haben. Immer noch wird das Schiff hin und her geworfen. Der Mann wackelt heftig im Bild. Die Bugsektion sei okay, aber hinter dem letzten wasserdichten Schott gebe es kein Boot mehr. “Die Ruder sind weg.”

Er redet einigermaßen lustig vor sich hin. Niemand sei verletzt alle seien sicher und er glaube, dass alles gut wird. Im Hintergrund ist immer wieder die Stimme von Chris Nicholson zu hören, der ruhig seine Anweisungen gibt. Man müsse die Tidenkarten studieren, um zu sehen, wann  das Boot sicher verlassen werden könne.

Dann kommt Nicolai Sehested ins Bild mit 25 der jüngste Segler an Bord. Ein Match Racer mit kaum Hochseerfahrung. Eigentlich ein Quoten-Däne, wie sein Kumpel Peter Wibroe (28), die beide erst durch den späten Einstieg des dänischen Sponsors Vestas auf dieses Boot gekommen sind.

Im Mai habe ich mich mit den beiden Jungs noch beim Match Race Germany am Bodensee duelliert bei absoluter Flaute. Zwei sehr sympathische und sehr starke Segler, denen die Zukunft gehört. Nun aber sieht Nicolai so verletzlich aus, als er mit großen Augen und scheinbar nicht unberührt erzählt, dass sie gleich das Schiff verlassen und die Rettungsinsel besteigen werden. Ein schauriger Moment.

Kann Vestas gerettet werden?

Es ist schwer vorstellbar, dass eine Rettung des Schiffes noch möglich ist. Allerdings können bei dieser Art Schiffe große Rumpfteile ausgetauscht werden. Die Form steht bereit, um weitere Schiffe der Einheitsklasse zu bauen. Doch bleibt dafür Zeit?

Und wie soll dieses Schiff vom Riff gezogen werden, ohne dass es mit dem Heck zu stark absackt? Mit dem stehenden Rigg ohne Kielbombe würde es im Schlepp wohl auch unweigerlich kentern. Außerdem drängt die Zeit. Mit dem nächsten Sturm in der Region dürfte das Schiff auf den Felsen völlig zerschlagen werden.

Es sind schreckliche Bilder von einer Yacht, die noch vor kurzem mit herrlichen Bildern die faszinierende Seite des Segelsports zeigte. Nun ist Vestas ein Mahnmal dafür, wie gefährlich die See sein kann. Falls das überhaupt jemand vergessen haben sollte.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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14 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Das Ausmaß der Zerstörung – Video + Bilder von der Vestas Strandung“

  1. avatar Volker Me sagt:

    Auf FB kann man bei Sailectron derzeit ein Video vom Aufprall und den Aktionen in den folgenden Stunden sehen.

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    • avatar Christian1968 sagt:

      @Volker Me
      Kannst Du den link hier einstellen, ich finde es leider nicht… das wäre supernett 🙂

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  2. avatar wiedermalsegeln sagt:

    Via FB findest Du das Video sofort: https://www.facebook.com/video.php?v=807037199359104

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  3. avatar Hein Blöd sagt:

    Team Vestas Wind går på grund! – YouTube

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  4. avatar stefan sagt:

    “Nun ist Vestas ein Mahnmal dafür, wie gefährlich die See sein kann.” ?

    ….es zeigt sich mal wieder, dass nicht “auf See” die Gefahr lauert, sondern “an Land” 😉 Küstengewässer sind sehr viel gefährlicher als auf hoher See!

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  5. avatar Highlander sagt:

    Kommentar von Dead Rabbit von gestern: ‘irgendwo auf einer englischsprachigen Seite glaube ich gelesen zu haben, der Navigator von Alvimedica hat sich eine halbe Stunde vor dem crash noch mit der Regattaleitung über den merkwürdigrn Kurs der Vestas unterhalten. Rüberrufen hätte wohl geholfen. Vielleich irre ich mich auch. sollte es nicht möglich sein, all diese Riffs vorher als Hindernisse zu programmieren? ‘

    Ich war immer der Meinung das die einzelnen Boote den Kurs der anderen Boote erst mit einer zeitlichen Verzögerung sehen..
    Aber sollte dieser Bericht tatsächlich stimmen, dann bleibt natürlich die Frage offen,weshalb die Regattaleitung nichts unternommen hat..
    denn es war schon Stunden vor dem Aufprall offensichtlich, das Vestas direkt darauf zusteuert…

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    • avatar Ralle sagt:

      Hätte…hätte…Fahrradkette! Hinterher sind immer alle schlauer.

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    • avatar alikatze sagt:

      Die Verantwortung über das Boot trägt (meines Wissens und juristisch gesehen) alleine der Skipper. Wenn eine Regattaleitung sich um die Kurse der einzelnen Boote kümmern sollte, läufst Du schnell in Gefahr, dass sich andere genau darauf verlassen. Das ist sicherlich nicht immer so, aber immer da, wo eine Leitung, Regierung etc. eine Kontrollfunktion übernimmt, findest Du Fälle, wo sich jemand auf ein Einlenken der “Verantwortlichen” verlassen hat.
      Wouter Verbrak hat sich sehr deutlich über sein Vorgehen vor und bei dem Leg geäußert. Ich glaube ich und die meisten von uns würden es genau so machen. Die unerfahrenen (ich 🙂 ) würden vielleicht ein paar mal öfter zwischendurch die eigenen Eintscheidungen hinterfragen. Wenn wir einer Sache aber sicher sind, dann prüfen wir sie selbst eben nicht noch zwei oder drei mal. Ich weiß nicht, ob es ein “unabhängiges” 4-Augen-Prinzip auf den VOR-Racern gibt, ich kann es mir – wie im Job auch – aber nicht vorstellen.
      Da sind also Fehler gemacht worden, wie sie – ohne dass ich da Fahrlässigkeit oder ähnliche Vorwürfe erkennen kann – uns allen passieren können. Wouter Verbrak hat sich sehr achtsam dazu geäußert. Ich glaube, das er das aber auch nur kann, weil sein Team hinter ihm steht. Diesen Teamgeist, professionell und konstruktiv (!) mit allen Situationen umzugehen, nehme ich mir gerne als Beispiel – auch fürs Landrattenleben.
      Wenn das Team Vestas jetzt noch die entsprechende Unterstützung – und sei es nur moralische – bekommt und alle daraus lernen, dass man z. B. solche Routen vielleicht auch zweimal prüft, dann ist doch alles gut.

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      • avatar Highlander sagt:

        Wouter Verbrak hat sich meines Wissens noch gar nicht zu diesem Vorgang geäussert, es hat bisher immer nur der Skipper gesprochen…

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        • avatar Highlander sagt:

          Nun hat Wouter Verbrak dazu Stellung bezogen, und die Verantwortung übernommen…
          aber er hat noch einmal großes Glück gehabt, wie schnell hätten bei diesem heftigen Aufprall auch Menschenleben zu Schaden kommen, dann wäre seine Situation noch einmal ein ganz andere…
          Somit hat er nur erfolgreich 5 Mio. Euro im Indischen Ozean in den Sand gesetzt, aber Vestas bekommt dadurch wahrscheinlich mehr Publicity als der spätere Sieger dieser Etappe … 🙂

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        • avatar Markus sagt:

          Doch hat er!
          Hier gibt es eine Übersetzung zum Post von Verbraak

          http://segeltalk.de/statement-von-wouter-verbraak-navigator-vestas-wind/

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  6. avatar dubblebubble sagt:

    *jaul*

    Da blutet einem das Herz.

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  7. avatar Friedrich sagt:

    Puh, das tut weh. Und in meinem Kopf läuft der Film ab, dass es mir selbst einmal passiert ist. Mit glücklicherem Ende. Wir hatten damals 12 kn drauf und es war eine steinige Sandbank vor Kopenhagen. Navigator sagt nach flüchtigem Blick auf den nicht gezoomten Plotter alles klar, Skipper (ich) und Navi haben vorher nicht ordentlich die Route gecheckt (da war doch was in den zwei oder drei Bier am Vorabend…), wir überlegen einen Kurswechsel und schon ist es passiert. Und es kommt dann aus heiterem Himmel. Und es ist grässlich. Ich flog vom Ruder mehrere Meter kopfüber nach vorn. Der Rest saß zum Glück. Das Boot kippt erst nach vorn, dann auf die Seite. Die Segel haben uns auf der Seite über die Bank gezogen und dann war es wieder tief genug. Die phänomenale Stabilität unseres Kiels und unserer Bodensektion, das geringe Gewicht des Bootes, das nicht so tiefe Ruder und die Bodenbeschaffenheit haben uns damals gerettet und wir konnten das Rennen Problemlos zuende segeln. Ich hoffe sehr, dass ich daraus gelernt habe. Es ist seitdem (6 Jahre) auch sowas nicht mehr passiert.

    Glück, dass die Vestas Leute nicht hatten. Armer Wouter!!! Armer Skipper! Ihr Ostseesegler kennt Wouter übrigens alle gut, schon von seinen lustigen Funksprüchen mit holländischem Akzent. Er war 2013 Navi auf der Leu.

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