Volvo Ocean Race: Das Geheimnis des chinesischen Dongfeng Teams

"Das ist unglaublich"

Beim Volvo Ocean Race ist die größte Überraschung der zweite Platz von Dongfeng nur 12 Minuten hinter Abu Dhabi. Wie kann das jüngste Team so schnell sein?

Volvo Ocean Race Dongfeng

Vor Kapstadt gibt das französisch chinesische Team noch einmal richtig Gas. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

Wenn China zuletzt einen Auftritt auf der großen Bühne des internationalen Profi-Segelsport wagte, bewegte er sich knapp an der Grenze zur Lächerlichkeit. Der Team China beim America’s Cup 2007 war nicht konkurrenzfähig. Trotz französischer Hilfe war nie genug Geld im Topf, um eine ordentliche Kampagne zu stemmen.

Ähnlich entwickelte sich das Engagement für den Cup der 2013. Der Australier Mitch Booth segelte tapfer seinen AC45 unter chinesischer Flagge, konnte aber keinen großen Eindruck machen. Vom Bau eines AC72 war der chinesische Papiertiger weit entfernt.

Volvo Ocean Race Dongfeng

Charles Caudrelier und Pascal Bidegorry sind das Herz des Teams.© Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

Als nun erneut die Nachricht von einem französisch chinesischen Joint Venture für das Volvo Ocean Race bekannt wurde, erhielt das neue Team nun auch nicht gerade viele Vorschusslorbeeren. Denn mindestens zwei unerfahrene Chinesen sollten jeweils in das Rennteam eingebaut werden.

Geringstes Durchschnittsalter

Bei nur acht Crewmitgliedern konnte man befürchten, dass diese Bürde nur zu hinteren Plätzen führen würde. Denn mit 30,5 Jahren weist Dongfeng auch noch das geringste Durchschnittsalter und wie die Frauen die geringste Volvo Ocean Race Erfahrung (3) aller Teams auf.

Volvo Ocean Race Chef Knut Frostad geht auf diesen Punkt ein. “25 Prozent der Crew stammt aus China. 25 Prozent hat vor einem halben Jahr noch nie einen Ozean überquert.  Nun sind sie hier und mit nur 12 Minuten Abstand Zweite geworden. Das ist unglaublich und ich glaube eine der größten seglerischen Leistungen in diesem Jahr.”

Volvo Ocean Race

Ian Walker und Charles Caudrelier umarmen sich nach dem großen Fight vor Kapstadt. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

Wie konnte diese Leistung  zustande kommen? Schließlich lief wahrlich nicht alles gut für Dongfeng. Ein Ruderbruch zur Mitte des Rennens kostete sie die Führung und versetzte sie laut Skipper Caudrelier in die Lage, nicht mehr nördlich an den Kapverden vorbei segeln zu können. Erst schien die Passage mitten durch die Inselgruppe ein genialer taktischer Ausbruch zu sein. Aber schließlich parkte Dongfeng bei der Passage der Doldrums und fiel in der Folge mehr als 120 Meilen hinter der Spitze zurück.

Meisterstück am St. Helena Hoch

Unglaublich, dass danach noch der Anschluss nach vorne gelang. Dabei eine extrem hohe Geschwindigkeit im Vergleich zur Konkurrenz und schließlich ein navigatorisches Meisterstück mit einer engeren Kurve am St. Helena Hoch vorbei.

Volvo Ocean Race Dongfeng

Dongfeng kurz vor dem Zieleinlauf. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

Charles Caudrelier, der das vergangene Volvo Ocean Race mit Franck Cammas auf Groupama gewonnen hat, führt den hohen Durchschnittspeed seines Bootes auf die spezielle Zusammensetzung seiner Crew zurück.

Er habe die meisten Segler aus dem französischen Figaro Zirkus rekrutiert, der härtesten Einhand Szene der Welt. Oft segeln 50 Einheitsyachten bei der größten Regatta der Solitaire du Figaro mit. Und er selber und Navigator Pascal Bidegorry haben diese Herausforderung schon mit einem Sieg bestanden.

“Wir mögen als Team nicht eine so große Erfahrung beim Volvo Ocean Race haben, aber meine Männer wissen wie man das Letzte aus sich herausholt”, sagt Caudrelier. “Wir waren keine Favoriten, aber ich wusste, dass wir zu großen Leistungen fähig sind. Für unsere Chinesen war es das härteste Rennen. Sie haben noch nie ein richtiges Hochseerennen erlebt. Aber wir haben alle zusammengearbeitet. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir jetzt sind.”

Franzosen gegen den Rest der Welt

Traditionell konnten Franzosen keine große Rolle beim Volvo Ocean Race spielen. Diese Regatta schien sie auch nicht zu interessieren. Sie wurde eher von der englischsprachigen Segelszene geprägt. Aber das veränderte sich im vergangenen Jahr mit dem Sieg von Groupama. Nun messen sich erneut die Franzosen mit dem Rest der Welt und sehen wahrlich gut aus.

Volvo Ocean Race Dongfeng

Die beiden chinesischen Segler haben ihre erste große Hochseeregatta absolviert. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

Tatsächlich mag es eine Rolle spielen, dass die Crew zusammengestrichen wurde und die einzelnen Segler noch mehr allgemeine Fähigkeiten aufweisen müssen. Das mag Dongfeng in die Karten spielen. Aber sie weisen das Manko auf, dass sie die chinesischen Segler rotieren lassen. Das ist der Anspruch des Sponsors. Bei der nächsten Etappe kommt ein weiterer Rookie zum Einsatz.

Aber das Projekt hat offenbar im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf internationalem Parkett Hand und Fuß. Die Franzosen wissen, was sie tun. In dieser Form können sie sich tatsächlich zum Favoritenschreck entwickeln.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Das Geheimnis des chinesischen Dongfeng Teams“

  1. avatar Christian1968 sagt:

    Was die Jungs geleistet haben, ist großartig, danke, dass ihr das hier mal ausdrücklich erwähnt !

    Ruderbruch durch UFO, danach noch der Bruch eines Decksbeschlages und dann nach 12.000 km (klingt noch besser als 6500 Meilen 🙂 ) mit nur 12 Minuten Rückstand 2ter zu werden, das ist unglaublich.

    Aber ich habe es hier schon mal geschrieben: Pascal Bidegorry war lange der Skipper von Banque Populaire V, dem größten und schnellsten Tri der Welt, der Skipper war Wachführer bei Franc Cammas, die Chinesen sind unerfahren, aber in den Videos sah man das Leuchten in ihren Augen, auch wenn das doof klingt und die restlichen Jungs sind extrem gut und erfahren.

    Hätten sie nicht 2x großes Pech gehabt, hätten sie die Etappe vermutlich gewonnen. Wir werden noch von ihnen hören.

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  2. avatar Tango sagt:

    Danke ! Sehr informativer Artikel.

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  3. avatar Sportbootjo sagt:

    Ich hatte das Glück Pascal Bidegorry an Bord der MOD 70 Spindrift in Kiel zu erleben und ich würde jederzeit mein Geld auf das Schiff setzen, bei dem er eine führenden Position an Bord hat.

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