Volvo Ocean Race: Dongfeng mit Schaden an Mast-Schiene – Tropensturm im Anmarsch

Schotten dicht

Beim Volvo Ocean Race ist Dongfeng in eine schwierige Situation geraten, seit sich die Mast-Schiene vom Rohr löst und die Flotte auf einen Tropensturm zuhält.

“Wir ignorieren unser großes Problem gerade, während wir bei sehr instabilem Wetter intensiv mit den Teams um uns herum kämpfen”, lautet die letzte Nachricht von Dongfeng. “Die Reparatur wäre im Moment zu schwierig. Aber wir müssen es tun, bevor der Sturm kommt.”

Das chinesisch französische Team, die Zweiten der ersten Etappe, haben bisher erneut eine extrem souveräne Vorstellung abgeliefert. Dongfeng segelte auch mit dem erst 21-jährigen neu an Bord gekommenen Liu Xue (Video) immer in der Spitzengruppe und ließ keine taktisch kritische Situation zu.

Kevin Escoffier repariert im Mast die gelöste Rutscher-Schiene. © Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Kevin Escoffier repariert im Mast die gelöste Rutscher-Schiene. © Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Nun kommt Charles Caudrelier allerdings unter Druck. Auch durch den Schaden, der eigentlich noch nicht viel Speed gekostet haben kann. Die Franzosen mögen bei der Bewältigung des Problems Aufmerksamkeit eingebüßt haben. Denn sie verloren etwas den Zugriff auf die ersten drei Boote.

70 Zentimeter der Mast-Schiene, an der die Rutscher für das Großsegel-Vorliek befestigt sind, haben sich vom Karbonrohr gelöst. Es besteht die Gefahr, dass die gesamte Schiene abreißt. Besonders bei dem erwartet stärker werdenden Wind kann das Problem zu einem potenziellen Race-Loser werden.

Probleme beim Reffen

Der Strang ist vorerst mit zwei Laschings gesichert. Aber mit dieser Lösung kann das Groß nicht gerefft werden. Deshalb will die Crew einen Versuch starten, die Schiene wieder aufzukleben. Dafür benötigen sie eine Periode mit wenig Wind.

Dongfeng

Die Verklebung hat sich vom Kohlefaserrohr gelöst. © Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Zurzeit sind die Bedingungen aber so kompliziert, dass für das geplante Manöver keine Zeit bleibt. Die Segler werden durch Windlöcher, Regen-Böen und starke Dreher gebeutelt. Ständig müssen die Segel gewechselt und Kursänderungen vorgenommen werden.

Vestas hat in einer Periode von einer Stunde und 40 Minten gleich achtmal gewendet. Und das bedeutet, nicht nur die Segel von der einen auf die anderen Seite zu bringen, sondern auch jede Menge Segel und Material.

Besonders das bisher grandios segelnde Mapfre Team wurde schwer gebeutelt. Da waren die Spanier der führenden Abu Dhabi nach deren Coup über links knapp in Lee rausgerutscht und zack lagen sie 15 Minuten in der Flaute. Die direkten Gegner Brunel und Abu Dhabi sind wieder dran und segeln weiter in Sichtweite.

Schotten dicht

Dongfeng

Provisorische Befestigung. So kann allerdings nicht gerefft werden. © Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Aber nun heißt es, Schotten dicht. Denn neben Mauritius liegt ein Sturmtief im Weg. Bouwe Bekking erklärt, das nicht die erwartet hohen Windgeschwindigkeiten das Problem sind, sondern sechs bis sieben Meter hohe Wellen die direkt von vorne kommen.

Der Wind wird allerdings auf Ost drehen und die VO65 auf gut 25 Knoten Speed beschleunigen. Das heißt, die riesigen Wellen wirken geradezu als Abschussrampen. Man muss den Fuß vom Gas nehmen, wenn das Schiff heil bleiben soll.

Nach wie vor kann das SCA Team kaum den Anschluss an die Flotte halten. Dee Caffari bestätigte in einem Interview, dass sie im Vergleich zu den Männern Probleme bei den Manövern haben, da sie trotz einer größeren Crew keinen zusätzlichen Grinder zur Verfügung haben.

Allerdings sei besonders auffällig, dass sie bei Wind-Änderungen nicht so schnell reagieren, wie die erfahrenere Konkurrenz. Gerade in diesem Bereich sei noch viel Entwicklungspotenzial. Zum überraschenden Austausch der vielleicht besten taktischen Seglerin des Teams Sally Barkow sagt Caffari, dass sie auch nur über die Entscheidung von den Coaches informiert worden sei.

Team SCA

Jede Menge Arbeit bei jeder Wende. Die Frauen stauen die Segel um. © Corinna Halloran/Team SCA/Volvo Ocean Race

Xabi Fernandez

Der eingewechselte Rob Greenhalgh am Steuer von Mapfre. Nun läuft es bei den Spaniern. © Francisco Vignale/MAPFRE/Volvo Ocean Race

 

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Dongfeng mit Schaden an Mast-Schiene – Tropensturm im Anmarsch“

  1. avatar Volker Me sagt:

    “Nach wie vor kann das SCA Team kaum den Anschluss an die Flotte halten.”
    In den ersten Tagen der Etappe am Rande des Eismeers mag das der Fall gewesen sein.
    Aber die Positionsreports von gestern und heute sprechen eine andere Sprache. Die haben über 30 Meilen wieder reingeholt.

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    • avatar Tango sagt:

      Die Entfernungsangaben des Trackers sind mit Vorsicht zu geniessen, da man gerade in östlicher Richtung segelt. Zwar haben die Damen aufgrund des Ziehharmonika-Effektes etwas aufholen können, dackeln aber immer noch hinter den Männern her.

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      • avatar Tango sagt:

        100 sm beträgt jetzt (fri 9:40h der Abstand der Damen zu Mapfre. Der Versuch, im Osten das Glück zu suchen, ging leider total schief, da sie jetzt in der Flaute festhängen, während die Männer favonziehen.

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    • avatar steehl sagt:

      SCA ist immer gut, wenn wenig Wind ist. Die körperlichen Grenzen zeigen sich, wenn es gilt, richtig zu pushen bei viel Wind und unangenehmen Bedingungen. Das gestrige Aufholen war mit einem schlauen Schlenker bei wenig Wind verdient, mittlerweile sind sie wieder weiter hinten. Nach dem Sturm werden wir einen deutlich größeren Abstand zu dem dann Führenden sehen.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 3

      • avatar Alex sagt:

        Das denke ich leider auch. Wenn es richtig hart wird, entscheidet die reine Power.
        Die Rechnug +3 reicht da sicher nicht. Möglicherweise währe es theoretisch gerechter, wenn man die Durchschnittliche Wattleistung gemessen und angeglichen hätte.

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    • avatar Tango sagt:

      Înzwischen gibt der Tracker wieder annähernd korrekte Abstände wieder.

      Die Damen haben zwar Respekt verdient, liegen aber um 8:15 Uhr wieder 43 sm hinter Mapfre.

      Dass die körperlich schwächeren Damen ihr Schiff nicht so schnell an die sich ändernden Windverhältnisse anpassen können, hatten wir bereits erörtert. Die Schiffe sind für eine 8-köpfige Crew ausgelegt, so dass die überzähligen Damen der SCA-Crew kaum von Nutzen sind, da sie eher im Wege stegen.

      Eindrucksvoll finde ich das folgende Foto: http://segelreporter.com/regatta/volvo-ocean-race-vorentscheidung-gefallen-duell-zwischen-brunel-und-abu-dhabi/
      Der bärenstarke Nicolai Sehested kann es beim grinden vermutlich allein mit dem gesamten SCA-Team aufnehmen .-)

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      • avatar dubblebubble sagt:

        Es wird wie bei der Vendee Globe sein. Da gewinnen die Frauen nur Plätze, wenn Männer ein Problem haben oder mit nicht konkurrenzfähigem Material starten.

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  2. avatar Firstler sagt:

    Wieso kann nicht gerefft werden. Man kann doch die Zeisinge wieder lösen, das Groß reffen und anschließend die Schiene wieder mit den Zeisingen sichern oder nicht?

    Man muss vemutlich nur etwas früher reffen, damit keiner bei 30kt in den Mast muss.

    Ich sehe schon, keine Ahnung die Jungs. Hätten Sie mich Schlaufuchs mal mitgenommen 🙂

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Das Foto der Frauen zeigt auch nicht unbedingt was sich ein Sponsor wünscht.

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