Volvo Ocean Race: Extremes Halsenduell in der Wasserwüste – Verfolger haben aufgeholt

Immer an der Wand lang

Zur Hälfte der dritten Etappe beim Volvo Ocean Races befinden sich die beiden Spitzenboote  in einem beinharten Zweikampf. Der ist nicht wie gewöhnlich durch reinen Speed oder die Geistesblitze der Navigatoren geprägt, sondern durch die Kraft der Crews, ihrem Umgang mit Schlafentzug und die Konzentration im Manöver.

Albatross, Volvo Ocean Race

Ein Albatross begleitet “Turn The Tide”. Er lässt sich von virtuellen “Wänden” nicht aufhalten. © Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

600 Kilogramm müssen jeweils von Lee nach Luv gestaut werden. Zwei Stunden dauert eine normale Halse. Die Teams haben den Zeitbedarf aber auf unter 30 Minuten gedrückt. Sie schlafen in ihren Segelklamotten.

In den vergangenen 36 Stunden halsten Mapfre und Dongfeng teilweise sogar in zwanzigminütigen Abständen. “Alle brauchen mehr Schlaf”, sagt Cupsieger Blair Tuke. “Aber wir holen auf gegenüber Dongfeng und deshalb puschen wir extrem.” Die direkte Nähe zum Gegner motiviert. (Video:Mapfre und die Halsen mit Olympiasieger und AC-Champ Blair Tuke)

Dongfeng crosst knapp hinter Mapfre liegt danach aber wieder vorne. © Jen Edney/Volvo Ocean Race

Dabei lag Mapfre schon gut 24 Meilen zurück. Aber nach 19 Halsen in 14 Stunden passierten die Spanier plötzlich vor den direkten Gegnern. Das war allerdings nur eine Momentaufnahme, und Dongfeng ist wieder um gut fünf Meilen voraus geschossen.

Halsen in der Wasserwüste

Einige altgediente Salzbuckel äußern sich schon genervt über die Schinderei, “immer an der Wand lang”. Das hätte es in den ersten Auflagen des Volo Ocean/Whitbread Races mitten in der Wasserwüste so nicht gegeben. Es ist eine künstliche Situation, hervorgerufen durch die variable, virtuelle verbotene Schutz-Zone, die seit einigen Auflagen des Rennens im Einsatz ist. Die Wettfahrtleitung bestimmt, wo sie verläuft. Sie reagiert auf aktuelle Eis-Meldungen und will das Kollisionsrisiko mit Eisbergen für die Crews verringern. Damals waren die Teams selber für ihr Risiko verantwortlich.

Die Halsen entlang der verbotenen Eis-Zone.

Die aktuelle Zone wurde in den vergangenen Tagen weiter nach Norden verschoben und erforderte einen Umweg, der wohl bewirken wird, dass die Teams Weihnachten auf See verbringen müssen. Denn der beste Wind und der kürzeste Weg nach Melbourne verläuft deutlich weiter südlich.

MApfre, Volvo Ocean Race

Das Ergebnis der Schinderei. © Jen Edney/Volvo Ocean Race.

Die Top Teams sind aber so nah wie möglich an der Eislinie geblieben, weil sie vom dortigen stärkeren und besonders immer weiter rechts drehenden Wind profitieren. Die nordwestlichere Luftströmung hat es jetzt erlaubt, den Schlag mit Wind von Backbord Richtung Ziel aufzunehmen. Jetzt geht es erst einmal wieder um Speed.

Verfolger holen auf

Die Situation mag sich für die führenden beiden Boote etwas ungerecht darstellen, denn der Wind hat für die achteraus liegenden Gegner schon früher gedreht. Die auf Rang drei platzierte Vestas hatte 102 Meilen Rückstand und konnte mit einem direkteren Kurs ohne einen Großteil der Halserei bis auf jetzt 23 Meilen wieder aufholen. Brunel verkürzte die Distanz von 190 auf nun 95 Meilen.

AkzoNobel ist wieder im feuchten Rennen dabei. Das Groß konnte gesetzt werden. © James Blake/Volvo Ocean Race

Und auch AkzoNobel ist wieder näher gekommen, seit die Reparatur der Mastspur im zweiten Anlauf gelungen ist. Das Großsegel ist wieder gesetzt, und das blaue Boot konnte ebenfalls den Rückstand verringern von 380 Meilen auf nun 221. Ob es doch noch gelingt, Turn The Tides einzuholen? Das überwiegend mit jungen Seglern besetzte Schiff liegt nun nur noch 80 Meilen voraus.

Turn the Tide on Plastic kann nicht vorne mithalten. © Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

Die aktuelle Wettersituation mit einer aus Südwesten durchlaufenden Kaltfront wird aber dazu führen, dass die hinteren Boote wieder verlieren werden. Sie segeln eine Zeitlang bei deutlich leichterem Wind.

Die aktuelle Positionierung auf dem Weg nach Melbourne.

Volvo Ocean Race Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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