Volvo Ocean Race: Feld durcheinander gewürfelt – Strategie-Wechsel bei Mapfre?

"Manchmal saublöd"

Die anhaltende Flaute auf der sechsten Volvo Ocean Race Etappe hat eine neue überraschende Konstellation an der Spitze hervorgebracht. Die Entscheidung für den Etappensieg ist längst nicht gefallen.

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Gita wütet jetzt über Neuseeland.

Dem tropischen Wirbelsturm Gita, der auf der Rennstrecke des Volvo Ocean Races ein Schwachwind-Chaos hinterlassen hat, geht langsam die Puste aus. Aber er ist schon am Ziel der Etappe in Neuseeland angekommen und auch als zünftiger Sturm stellt er die Einwohner vor große Probleme. Nach den Verwüstungen auf den Pazifik-Inseln Tonga und Fidji schnitt er nun Tausende Kiwis von der Stromversorgung ab richtete große Schäden an.

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Brunel passiert das Tor des Regenbogens… © James Blake/Volvo Ocean Race

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…und Peter Burling mag es als gutes Omen sehen © Yann Riou/Volvo Ocean Race

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…im Zweikampf mit Turn The Tides. Aber kurz danach segelt Dee Caffari mehr als 20 Meilen voraus. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

So hätte es bei einer anderen Zugrichtung von Gita auch ziemlich heftig für die Volvo-Ocean-Race-Profis werden können. Stattdessen quälen sie sich immer noch durch das Wind-Vakuum in Gitas “Kielwasser”.

Die AkzoNobel Crew zeigt im Video, wie sich das im Moment anfühlt, und Bouwe Bekking erklärt treffend, wie es seiner Crew geht: “Manchmal glauben wir, den großartigsten Sport zu betreiben, den es gibt. Aber an Tagen wie diesen kann man ihn saublöd finden. Die Segel flappen umher, der Wind ist weg. Man kämpft, um den Speed über einen Knoten zu bekommen, und wenn sich plötzlich die Segel füllen, und man mit 3,5 Knoten durch das Wasser gleitet, fühlt es sich wie ein Hurrikan an. Der Ton an Bord ändert sich sofort und wird optimistischer. Ja, nun glaubt man wieder daran, dass es der beste Sport ist, den es gibt.”

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Turn The Tide hat im Osten die Führung übernommen. Aber wo setzt der Westwind zuerst ein?

Es mag ei wenig Frust aus seinen Worten sprechen, denn gerade auf Brunel erleben die Segler in den vergangenen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. Vor zwei Tagen hatten sie urplötzlich die Führung übernommen und waren ihren Duell-Partnern auf Turn The Tides 35 Meilen davon gefahren, zehn Stunden später lagen Scallywag und AkzoNobel wieder fast 40 Meilen vorne. Ein Tag später hat sich Brunel auf der östlichen Route wieder nach vorne geschoben wenn auch gleichauf mit Turn The Tides. Dann gibt Dee Caffari plötzlich Gas und liegt nun mit mehr als 20 Meilen Vorsprung in Führung.

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Carolijn Brouwer beim Flautensegeln. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Die Teams harren der Dinge, die da kommen, und sie können wenig selbst beeinflussen. So ist die Stimmung greifbar, wenn Bekking schreibt: “Die Essensbox ist an Tagen wie diesen sehr schnell leer. Man ist etwas gelangweilt, geht nach unten und stopft sich was in den Mund. Es passiert nicht viel. Wir hoffen auf den nächsten Wind, und hoffentlich bekommen wir ihn zuerst.”

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Carolijn Brouwer freut sich über den Mini-Vorteil im Zweikampf mit Mapfre. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

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© Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Während sich die beiden Paare an der Spitze etwas zusammengeschoben haben aber immer noch mit mehr als 50 Meilen Querabstand segeln, tut sich etwas hinten im Feld. Mapfre scheint einen Angriff gestartet zu haben, um Dongfeng zu distanzieren. Die Spanier wendeten Richtung Osten und damit lösen sie sich nach zwei Wochen erstmalig aktiv vom Duell-Gegner.

Strategie-Wechsel. Erstmalig seit zwei Wochen löst sich Mapfre mit einer Wende von Dongfeng.

Ist das schon der erwartete Strategie-Wechsel? Die ersten vier Boote segeln inzwischen 70 Meilen voraus und das spielt insbesondere den gesamtführenden Spaniern in die Karten. Wenn gut sechs Tage vor dem vermuteten Zieleinlauf die Chancen sinken, dass noch jemand eingeholt werden könnte, ist es für Dongfeng nur noch möglich, einen Punkt auf Mapfre aufzuholen. Und nun setzt Fernandez alles dran, dem Gegner durch einen größeren Split auf dem Rennkurs die Chancen auf ein entscheidendes Überholmanöver zu verbessern. Mapfre agiert, wie ein Meister-Team. Aber auch sie können nicht alle Unwägbarkeiten dieser Regatta im Griff haben.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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