Volvo Ocean Race: Frustrationsbewältigung bei Dongfeng – Brunel hat sich versteckt

Dicke Luft

Das Volvo Ocean Race schien schon etwas langweilig zu werden, seit die beiden schnellsten Schiffe die Kontrolle übernahmen. Nun aber hat ein Navigator so extrem daneben gegriffen, wie man nicht für möglich halten konnte.

“Es ist gerade nicht gut, mit Pascal zu sprechen”, sagt Marie Riou auf dem Dongfeng Onboard Video. Es herrscht dicke Luft an Bord. Navigator Pascal Bidegorry ist mächtig sauer. Da hat er den ersten Abschnitt der Königsetappe souverän gemeistert, sein rotes Schiff zwei Wochen in der Führungsposition gehalten, und halst dann etwas zu spät. Dongfeng wurde von eins auf vier durchgereicht, während der Erzrivale Mapfre schon fast außer Reichweite zu geraten schien.

Mapfre gibt Gas. © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Das sind die spannenden Momente an Bord der Volvo Ocean Racer. Wie geht die Crew mit Niederlagen um? Schreit man sich an? Wird wütend Inventar durch das Boot geworfen? Macht man sich Vorwürfe?

Dieses Rennen könnte jede Menge Big-Brother-Szenen liefern, aber so weit gehen die Organisatoren dann doch nicht. Zwar ist bei dieser Auflage des Rennens der Onboard-Reporter nicht mehr Teil der jeweiligen Teams, sondern er wird vom Veranstalter gestellt, aber so richtig ans Eingemachte gehen seine Beiträge dann doch nicht.

“Mäuschen spielen”

Der Fall Dongfeng zeigt das. Die Fans konnten das Drama auf dem Tracker verfolgen, aber der Informationsfluss von Bord wurden immer spärlicher. Das Video oben entstand erst einige Zeit später, und Skipper Charles Caudrelier ist seit einiger Zeit ganz abgetaucht.

Harte Arbeit auf AkzoNobel. Die Holländer sind agbehängt. © James Blake/Volvo Ocean Race

Ob es wirklich einmal so weit kommen wird, dass permanent laufende Kameras den Fans erlauben “Mäuschen zu spielen”? Gerade für Einhand-Regatten wäre das der Clou. Aber finden sich dann noch Segler, die das mitmachen?

So kann man nur mutmaßen, wie schief der Haussegen auf dem roten Boot tatsächlich hängt. Eigentlich haben alle Segler in ihrer Karriere solche Situationen schon erlebt und sollten mir kurzzeitigen Rückschlägen zurecht kommen. Das Vertrauen in Dongfeng-Navigator Bidegorry dürfte aber gelitten haben.

Peter Burling am Steuer von Brunel und Kyle Langford im Stealth Mode. © Rich Edwards/Volvo Ocean Race

Zuvor schien es, als könnte er keinen Schlag falsch setzen. Und die Vorhersage-Programme schienen so genau, dass echte Variationen in der Kurswahl kaum noch möglich waren. Aber nun zeigt sich, dass dieses Volvo Ocean Race immer noch eine extrem harte Segelregatta ist und nicht alleine durch Bootspeed gewonnen wird. Auch die Favoriten können sich keine großen Fehler erlauben.

Brunel versteckt sich

Allerdings hat sich das französische Team unter chinesischer Flagge nun auch schon wieder von dem Fehler erholt. Skipper Caudrelier lag über 50 Meilen hinter Mapfre auf Rang vier zurück, nutzte aber nun die harten Nordwestwind-Bedingungen von über 25 Knoten (Video Scallywag), um die direkte Konkurrenz zu überholen und bis auf 27 Meilen an die Spanier heranzukommen.

Die Situation, als Brunel (gelb) den Stealth-Modus einschaltet.

Als Bekking wieder auftaucht ist eine nördlichere Position eingenommen und zwei Plätze sind verloren.

Besonders bemerkenswert ist der Schachzug von Brunel. Bouwe Bekking versteckte sich 24 Stunden im sogenannten Stealth Mode. Einmal pro Etappe darf man sich für die Konkurrenz unsichtbar machen, um eigene geplante Schachzüge zu verschleiern. Brunel ging auf Rang zwei in die Unsichtbarkeit. Als sich der Schleier lüftet, liegt das holländische Boot auf Platz vier. Ob das so geplant war?

Der Vierkampf an der Spitze befindet sich jedenfalls in der entscheidenden Phase, bevor die Yachten am Samstag in Kapstadt erwartet werden. Mapfre hat alle Trümpfe in der Hand, aber das Wetter voraus scheint kompliziert.

Der erstaunliche Zweikampf zwischen Scallywag und Turn The Tides:

Scallywag

Der tagelange Bord-an-Bord-Zweikampf zwischen Scallywag und Turn The Tide. © Henry Bomby

© Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

© Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Tracker Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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