Volvo Ocean Race: Golfstrom schiebt mit 3,5 Knoten – Brunel kann Dreikampf eröffnen

Brunel gibt alles

Wieder einmal befindet sich das Volvo Ocean Race in einer entscheidenden Phase. Der massive 260 Meilen-Split könnte ein wundersames Comeback bewirken.

“Ich glaube, wir haben in dieser Regatta noch nie einen so großen Split der Flotte erlebt”, wundert sich Mapfre-Skipper Xabi Fernández. Der Ausbruchsversuch von Turn The Tide konnte noch erwartet werden. Dee Caffari liegt in der Gesamtwertung abgeschlagen auf dem letzten Platz und kann das Risiko eines Extremschlages verkraften. Sie setzte zuerst die Halse gen Norden.

Kyle Langford schleift das Ruder. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Dongfeng ging mit und übernahm damit selbstsicher die Initative im Duell mit dem großen Gegner in der Gesamtwertung Mapfre. Das Manöver erfolgte nachdem gerade der aktuelle Positionsreport eingegangen war. Die Spanier segelten in einem Abstand von 15 Meilen und konnten Dongfeng damit auch auf dem AIS nicht sehen.

Aber sie mögen das Manöver antizipiert haben und halsten selber gut eine Stunde später etwa fünf Stunden vor dem nächsten Positionsreport. Eine mutige Entscheidung. Denn nach wie vor bemüht sich Fernandez, das Geschehen taktisch unter Kontrolle zu haben im Hinblick auf die Punkte-Konstellation. Es geht ihm nicht um den großen Wurf und den strahlenden Etappensieg, sondern minimiertes Risiko und die Verteidigung des Drei-Punkte-Vorsprungs.

“Könnte klappen”

Aber diesmal könnte er sich verrechnet haben. Und Mapfres Triple-Anwärter Blair Tuke – er strebt als erster Mensch nach den Olympia- und America’s Cup-Siegen auch den Volvo Triumpf an – bestätigt die angespannte Situation. “Wir sind etwas besorgt über den massiven Querabstand zu Brunel. Es kann für uns klappen, aber vielleicht auch nicht.”

Es ging um das bestmögliche Nutzen des Golfstroms, der mit 3,5 Knoten von hinten schiebt. Diese Option stand der Möglichkeit entgegen, die Kaltfront mit dem Tiefdruck-Gebiet und dem starken Wind ordentlich abzureiten.

Die Flotte kurz vor dem Erreichen des 3,5 Knoten starken Golfstroms, den drei Boote für eine Halse nach Norden nutzen.

Inzwischen sieht es so aus, als wenn der Süden gegen den Norden gewinnt. Dongfeng, Mapfre und Turn The Tide segeln zwar entlang des Großkreises auch noch einen kürzeren Weg aber der leichtere Wind hat offenbar den Unterschied ausgemacht.

Die Situation nach dem Split. Die Flottenteile bewegen sich wieder aufeinander zu. Die Süd-Gruppe segelt schneller mit einem größeren Schrick in den Schoten.

Nun segeln die beiden Abteilungen wieder aufeinander zu, und es zeichnet sich ab, dass die Süd-Option die bessere gewesen sein könnte. Brunel, AkzoNobel und Vestas rutschen mit Höchstgeschwindigkeit in Luv über die Nord-Gruppe. Mit der Strömung und 25 bis 30 Knoten im Rücken ergeben sich Geschwindigkeiten, die zu 24-Stunden-Rekorden führen können.

Brunel Comeback in der Gesamtwertung?

Aber die aktuelle Konstellation ist besonders spannend, weil sie das Comeback von Brunel im Kampf um den Gesamtsieg ergeben könnte. Wenn der Stand bei dieser doppelt zählenden Etappe so bleibt, hätte Bouwe Bekking vor den letzten beiden Abschnitten nur noch zwei Punkte Rückstand auf Mapfre und einen auf Dongfeng. Kann Peter Burling vielleicht doch noch den Segel-Triple Grand Slam seinem 49er-Vorschoter Tuke entreißen?

Es wäre eine unglaubliche Geschichte, die allerdings noch weit von der Realität entfernt ist. Allerdings sind gut 50 Meilen Vorsprung auf Dongfeng und 77 auf Mapfre schon eine echte Ansage. Aber Bouwe Bekking erwartet, dass sich das Feld schnell wieder zusammenschiebt. “Der Split ist zwar erfolgt, aber es sieht so aus, als wenn wir uns alle wieder westlich von Irland treffen werden, wenn wir einen Hochdruck-Keil passieren müssen.”

Die Vorhersage ist auch danach kompliziert. Und besonders vor dem Ziel in Cardiff warten leichte, drehende Winde auf die Volvo Racer. Das Finish könnte bedeuten: Newport reloaded. Die Etappe mag wieder im Flauten-Poker entschieden werden. Und dann verrauchen selbst 100 Meilen-Unterschiede in kürzester Zeit. “Der letzte Teil der Etappe wird sehr langsam”, bestätigt Bekking. “Wir werden insgesamt wohl zehn Tage benötigen. Das lässt der Shore-Crew wenig Zeit zur Vorbereitung für die nächste Etappe.”

Aber sein Team scheint bestens in Schwung. Selbst einen Schock verarbeitete es schnell. “Wir haben einen harten Schlag gegen das Ruder erlitten.” In der Folge musste die Pinne getauscht werden. Aber die Reparatur war in einer halben Stunde erledigt. Kyle Langford ließ sich sogar über Bord hieven, um die Spuren des Einschlags mit Schleifpapier zu beseitigen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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