Volvo Ocean Race: Mapfre Navigator greift voll daneben – Brunel dominiert im Speed-Test

From hero to zero

Das Leben an Bord von Dongfeng. Intensives Segeln in Sichtweite zum Gegner:

Die zweite Etappe des Volvo Ocean Races befindet sich fünf Tage vor ihrem voraussichtlichen Ende in der entscheidenden Phase. Brunel ringt Dongfeng im Speed-Rennen nieder. Der Mapfre Schlenker hat vier Plätze und über 300 Meilen gekostet.

Einen schwereren Fehler als Navigator Wouter Verbraak kann sich einen Navigator kaum leisten. Aber der nur knapp acht Stunden danach folgende Fauxpas von seinem Kollegen Jean Luc Nélias auf Mapfre dürfte auf der negativen nach oben offenen Weg-Finder-Skala auch nicht weit dahinter liegen.

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Der Ersatzmann des geschassten Nicolas Lunven hatte bis dahin eine großartigen Etappe abgeliefert, lag permanent in der Führungsgruppe und zeitweilig ganz vorne. Auch der Verzicht auf Michel Desjoyeaux schien zu fruchten. Mapfre wurde plötzlich zum potenziellen Siegerboot.

Mapfre (weiß) ist mit seinem Ost-Schlenker weit zurückgefallen.

Mapfre (weiß) ist mit seinem Ost-Schlenker weit zurückgefallen.

Dann ließ Skipper Martinez auf Rat von Nélias den großen Spi setzen, verließ den Sichtkontakt zu Dongfeng, Brunel und Abu Dhabi und machte sich auf gen Osten. So eine solche Entscheidung trifft der Navigator nicht alleine. Aber er wird Skipper Iker Martinez die Fakten präsentiert und den Vorschlag gemacht haben.

Es gibt allerdings auch etwas unverständliche Kommentare von Bord, dass man überrascht gewesen sei, weil die Konkurrenz nicht mit zog. War es einfach nur ein Übertragungs- oder Kommunikationsfehler?

Risikoschlag vom Feld weg

Eigentlich müsste es Martinez widerstrebt haben, sich mit einem Risikoschlag vom Feld zu entfernen. Sein Hintergrund wie auch der seinen Partners Xabi Fernandez liegt in der Olympia-Szene. Eine Goldmedaille gewinnt man nicht durchs Ecken-Heizen.

Und diese Strategie hat sich auch bei den professionell gesegelten Hochseerennen durchgesetzt, seit die besten Offshore Profis immer mehr vom America’s Cup, Olympischen Segeln und auch Match Race rekrutiert werden.

Es geht um die gepflegte Kunst des kontrollierten Risikos. Es mag navigatorische Chancen für den Ausbruch von Mapfre gegeben haben, aber das Wagnis war einfach zu groß. Da wollte jemand mit Gewalt glänzen. Mit einem Mal den letzten Platz der ersten Etappe vergessen machen.

Supergau for Nélias

Ob Martinez selber zu dieser Sichtweise neigte, ist nicht klar. Vielleicht wollte er auch das Selbstbewusstsein des neuen Navigators stärken, der ihn auf der ersten Hälfte der Etappe bisher alles andere als enttäuscht hatte.

Das Ergebnis ist jedenfalls ein Supergau. From hero to zero. Was auch immer Nélias im Osten gesehen haben mag, Wind fand er dort nicht. Er hat auch nicht nur knapp die Führung verschenkt, sondern der Rückstand beträgt inzwischen 317 Meilen.

Die Stimmung dürfte nicht besonders gut sein. So einen Bock hatte der Navi schon auf der ersten Etappe mit Groupama geschossen beim vergangenen Volvo Ocean Race. Selbst Alvimedica ist inzwischen vorbei gezogen. Die Rookies lagen nach ihrer Hilfestellung für Vestas gut 170 Meilen zurück. Und die Frauen liegen auch nur noch 50 Meilen achteraus.

Zweiboot-Speed-Test

An der Spitze dagegen haben Brunel und Dongfeng jede Menge Spaß gehabt. Seit gut zwei Wochen segeln sie Seite an Seite in Sichtweite. Und neben dem Motivationsschub sammeln beide Teams jede Menge wichtiger Informationen zur optimalen Einstellung ihrer Yachten.

Zweiboot-Testprogramme mit Vergleichsfahrten waren vor dem Rennen verboten. Der Dongfeng Reporter berichtet über eine besonders intensive Zeit von vier Tagen. “Diese Intensität hat großen Einfluss auf das Leben an Bord. Ständig heißt es trimm, trimm, trimm. Ständig sitzt einer vor dem Computer und informiert den Steuermann über die Leistungsdaten, ob sie besser oder schlechter werden. Es geht um Meter. Es hilft uns viel, ist aber sehr aufreibend.”

Dongfeng hatte die Gegner schließlich im Griff und lag sogar in Führung, als sich Abu Dhabi mit einem etwas westlicheren Kurs verkalkulierte. Aber zuletzt waren die überwiegend französische Crew genervt.

Frustriert und verärgert

“Ich habe genug davon. Bin frustriert und verärgert”, sagt Yann Riou. “Seit 48 Stunden segeln wir auf dem gleichen Bug. 48 Stunden Speed testen. Und im besten Fall halten wir die Geschwindigkeit unseres Sparringspartners Brunel. Aber in zwei Tagen hat sich unser sechs Meilen Vorsprung in einen acht Meilen Rückstand verwandelt. Wir probieren immer wieder einen neuen Trimm aber es klappt nicht.”

Bisher habe es im Volvo Ocean Race kein Speed-Problem bei Dongfeng gegeben. “Aber nun haben wir fast vergessen, dass wir auf Rang zwei liegen.” Man habe viel gelernt für die nächsten Etappen aber jetzt sei es sehr schwer, Brunel bei diesen Bedingungen zu attackieren. “Wir dürfen einfach den Kontakt nicht abreißen lassen und müssen noch auf unsere Chance hoffen.”

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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