Volvo Ocean Race: Rücktritt von Chef Turner – Neue Yachten nicht rechtzeitig fertig

"Ich bin enttäuscht"

Drei Wochen vor dem Start wird das Volvo Ocean Race vom Abgang seines Chefs erschüttert. Es geht um die Neuausrichtung der Regatta. Versprechen können nicht gehalten werden.

Volvo Ocean Race, Kapstadt

Die Volvo-Flotte vor Kapstadt. Wie geht es weiter? © Volvo Ocean Race

Es war eine mutige Ankündigung, mit der die Volvo-Ocean-Race-Organisatoren den Fortbestand der führenden Etappen-Regatta um die Welt sichern wollten. Schon 2019 sollte mit neuen Onedesign-Yachten gesegelt werden, die auch in die Vendée Globe-Formel passen. Dann sollte der Zyklus von drei auf zwei Jahre verkürzt werden, um mehr Regelmäßigkeit und Aufmerksamkeit in den Ablauf zu bekommen. In den Etappenhäfen waren Katamaran-Rennen geplant.

Radikale aber spannende Pläne, die die Handschrift des Briten Mark Turners tragen. Der hat unter anderem die Extreme Sailing Series erfunden. Aber der Nachfolger von Knut Frostad als Volvo Ocean Race CEO hat jetzt schon seinen Rücktritt angekündigt. Es gibt Probleme bei der Realisierung der Ideen.

Rückzieher für 2019

In einem Interview bestätigt er, wie enttäuscht er über diese Entwicklung ist. Die Vorbereitungen für den Bau der neuen Yachten liefen offenbar nicht schnell genug, und so musste Turner im Hinblick auf das übernächste Rennen 2019-20 schon einen Rückzieher machen. Die Organisatoren kündigten an, dass diese Regatta später und vielleicht sogar wieder mit der aktuellen Onedesign-Flotte ausgetragen werden muss.

Diese Kröte war für Turner wohl schwer zu schlucken, und so kündigte er seinen Rücktritt an, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Eine solche Negativ-Meldung quasi am Vorabend der aktuellen Regatta, ist kein gutes Timing. Sie zeugt nicht von Einigkeit und Stabilität, die potenzielle Sponsoren für ein langfristiges Engagement bräuchten.

Denn auch die aktuelle Regatta hat längst nicht den erhofften Hype nach den jüngsten Regeländerungen gebracht. Zwar wird es spannend durch die neue Mixed-Regel, die mehr Frauen an Bord bringt, aber das Feld ist doch übersichtlich geblieben.

Ein Volvo 65 unbenutzt

Mit sieben Yachten gehen entgegen optimistischerer Erwartungshaltungen nur genauso viele Teilnehmer an den Start wie bei der Onedesign-Premiere 2014. Ein Volvo 65 wird sogar unbenutzt an Land stehen. Bis kurz vor Schluss konnten die Hoffnungen auf das versprochene achte Team nicht realisiert werden. Ein Syndikat aus Neuseeland war dicht dran, warf schließlich aber doch das Handtuch.

So werden mit Dongfeng, Mapfre und Brunel die alten Bekannten wieder an der Spitze erwartet. Ob das früh gestartete Team AkzoNobel mit dem einzigen Neubau schon mithalten kann, muss sich zeigen. Aber das ist das Schöne am Einheitsklassen-Racing:  Vestas 11th Hour Racing, Sun Hung Kai/Scallywag und Turn The Tide on Plastic unter Skipperin Dee Caffari können durchaus für Überraschungserfolge sorgen.

Wie es danach aber weiter geht, muss sich zeigen. Der Abgang des Chefs, der für die geplanten, spannenden Veränderungen gerade stand, ist sicher kein gutes Zeichen. Dabei wäre es so schade, wenn die interessanten Pläne nicht umgesetzt werden könnten. Diese Regatta hat viele Jahre Maßstäbe gesetzt, und besonders bei der Berichterstattung von Bord soll es diesmal weitere Fortschritte geben.

CNN Vorbericht

Um die Vorfreude auf die Regatta zu schüren hat Olympiasiegerin Shirley Robertson für die September-Ausgabe der CNN-Segelshow „Mainsail“ einige der Teams bei ihren Vorbereitungen getroffen und über die neue Regelung  sowie deren Auswirkungen auf den Sport gesprochen.

Bei der 13. Auflage des Rennens starten die Teams in Alicante und werden nach Stopps in elf Häfen rund 45.000 Seemeilen zurücklegen, bevor sie im Sommer 2018 vor in Den Haag ins Ziel gehen. In diesem Jahr werden auch gemischte Teams an den Start gehen, was zur Folge hat, dass mehr Seglerinnen als jemals zuvor an dem Rennen teilnehmen, das seit 43 Jahren Tradition hat.

In dem Beitrag geht es insbesondere um die neue Frauenregel. CNN schreibt:

Annie Lush, Segeltrimmerin im Team Brunel, ist sich der Herausforderung durch das Rennen bewusst: „Physisch tötet es dich, psychisch ist es ein Marathon. Mir fällt nichts ein, was einen mehr herausfordert – es macht abhängig.“ Angesprochen auf die Teilnahme von Frauen bei der Regatta macht die englische Seglerin ihre Vorfreude deutlich, betont aber auch, dass man abwarten müsse, wie sich das Konzept entwickelt: „Es ist wirklich aufregend, dass Frauen in den Crews sind. Wie sich das auf den einzelnen Booten entwickelt und ob die Frauen die Möglichkeit haben, entscheidende Rollen zu übernehmen, wird sich zeigen.“

Denise ‚Dee‘ Caffari hat als erste weibliche Einhandseglerin die Welt in beide Richtungen umsegelt. Auch sie stellt sich aktuell ein Team für das 13. Volvo Ocean Race zusammen: „Ich habe mich offensichtlich lautstark für die Regeländerung eingesetzt. Das führte dazu, dass ich gefragt wurde, meinen Worten Taten folgen zu lassen und mit einer gemischten Crew zu starten: Fünf Männer und fünf Frauen. Ich hoffe, dass wir abliefern können. Es war hart. Ich werde nicht verleugnen, dass sich viel mehr Männer als Frauen bewerben. Dadurch sind die Auswahlmöglichkeiten begrenzter und ich habe kein Jahr Zeit, um mögliche Kandidaten zu trainieren. Ich brauche startbereite Segler.“

Auch die brasilianische Seglerin Martine Grael, die als Segeltrimmerin für das Team AkzoNobel an den Start geht, freut sich auf die Regeländerung: „Ich habe das Gefühl, dass es die richtige Zeit und der richtige Ort dafür ist. Es wird eine aufregende Tour.“

Es geht wieder los:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *