Volvo Ocean Race: SCA Frauen auf der Suche nach dem eklatanten Speed-Problem

"Wir sind langsam - schon wieder"

Die Situation:

Bei der sechsten Volvo Ocean Race Etappe segelte das SCA Frauenteam so lange auf Augenhöhe, wie noch nie. Dann offenbarte sich eine Speed-Schwäche. Nun hoffen sie auf einen strategischen Coup.

Sechs Tage lang konnte das SCA Team alle Spekulationen über die Gründe, warum Frauencrew chancenlos ist, vergessen machen. Die Mannschaft um Skipperin Sam Davies behauptete sich bei den engen Zweikämpfen auf einem harten Amwind Kurs und traf auch die wichtigen strategischen Entscheidungen richtig. Kurzzeitig hatte sie sogar die offizielle Führungsposition inne.

Team SCA

Sam Davies und Libby Greenhalgh diskutieren die Optionen. © Corinna Halloran / Team SCA / Volvo Ocean Race

Aber dann kam dieser 26. April. Ein Halbwindkurs mit neun Knoten Wind. An einem Tag verlor SCA 15 Meilen auf die führende Dongfeng und fast ebenso viel auf Mapfre und Brunel, die im gleichen Windfenster segelten.

“Dicke Luft bei Team SCA”, schreibt die Onboard Reporterin Corinna Halloran. “Wir sind langsam – schon wieder. Wir sehen zu, wie sie wegsegeln – schon wieder. Wir sind Letzte – schon wieder.”

Der Frust ist in jedem Wort zu hören. Die Euphorie der vergangenen Tage ist verschwunden. Das Schiff läuft nicht mehr. “Es ist frustrierend”, sagt Carolijn Brouwer. “Auf einer Skala von 1 bis 10 ist es eine 30. Wir finden einfach nicht heraus, warum wir so langsam sind. Wir versuchen alles – Ballast, Gewichtstrimm, Segel. Wir sehen mit dem Endoskop nach, ob etwas am Kiel hängt und sind einmal sogar rückwärts gesegelt. Aber es gibt nichts Besonderes – nichts macht Sinn.”

Team SCA

Da ist die Welt noch in Ordnung. Brunel in Sichtweite. © Corinna Halloran / Team SCA / Volvo Ocean Race

Auch einen Tag später gibt es keine Antworten. “Warum sind wir einen halben Knoten langsamer? Wir kämpfen den ganzen Tag, um das Boot wieder in Fahrt zu bringen. Die Trimmer versuchen die fehlenden 0,5 Knoten zu finden und schaffen es nicht. Und dann verlieren wir nicht nur den Speed, sondern auch den Wind.” SCA hängt in einer Flaute fest.

Die Situation ist frustrierend. Und die Frauen tun das, was man mit einem langsamen Boot tut. Man entfernt sich vom Feld, und hofft, dass der Wind einem gewogen sein möge. Das magentafarbene Boot luvt etwas an gen Osten und erarbeitet sich einen Querabstand von 20 Meilen zum Feld. Eine gute Angriffsposition.

Team SCA

Carolijn Brouwer am Steuer von SCA. © Corinna Halloran / Team SCA / Volvo Ocean Race

Problematisch ist es, dass sich weiter westlich die Strömung vorteilhaft auswirken soll. Aber der Schlag wirkte sich erst einmal positiv aus. 15 Meilen holten die Frauen auf, und der Rückstand belief sich nur noch auf 5 Meilen. Beim letzten Positionsreport lagen sie allerdings wieder zehn Meilen zurück. Aber vielleicht zahlt sich die Ost-Option doch noch aus.

Es ist erstaunlich, wie groß die Speed-Unterschiede unter den Enheitsyachten doch immer wieder sind. Bei bestimmten Bedingungen wie auf dem Amwindkurs ist bei der Segelwahl und dem Trimm offenbar nicht viel gut zu machen. Aber sobald ein Schrick in die Schoten muss, haben einige Teams noch Geheimnisse in petto.

Volvo Ocean Race

Dongfeng segelt mit dem gewissen Extra Speed. © Sam Greenfield / Dongfeng Race Team / Volvo Ocean Race

So wunderte sich Brunel über die Leistung von Dongfeng, die sich plötzlich aus der Gruppe löste und in zwei Tagen zehn Meilen auf die Konkurrenz heraussegelte. “Wir wissen einfach nicht, warum und wie sie immer diesen Extra-Speed herausholen. Ist es jetzt der neue Mast, das neue Großsegel?”

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Ian Walker versucht sich nach einem strategischen Fehler aus der Flauten-Falle zu befreien. © Matt Knighton / Abu Dhabi Ocean Racing / Volvo Ocean Race

Aber auch Dongfeng ist schon wieder eingeholt. Alle Boote liegen gleichauf, nur Alvimedica versucht sich noch von der fehlerhaften West-Kurs-Entscheidung zu erholen. Abu Dhabi hat das Manko schon mit reinem Bootsspeed wettgemacht.

Die Entscheidung wird erst später in den Doldrums fallen. Und wenn sich die Frauen bis dahin in der Spitzengruppe halten, haben sie nach wie vor alle Chancen, einen Coup zu landen.

An Bord beim SCA Team:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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