Volvo Ocean Race: Schon wieder Vestas – Wie konnte es zu der Kollision kommen?

"Wir mussten Slalom fahren"

Was für eine Tragik. Ausgerechnet Vestas ist nach dem Drama 2014 schon wieder mit einem Unglück beim Vovo Ocean Race in den Schlagzeilen. Dabei haben die Segel-Teams eigentlich nichts miteinander zu tun.

Schon wieder Vestas, schon wieder steht der Name des dänischen Windanlagen-Herstellers für das am schlimmsten anzunehmende Unglück: Ein Mann ist gestorben. Bei der nächtlichen Kollision nur 30 Meilen vor dem Ziel der vierten Volvo-Ocean-Race-Etappe ist der VO65-Racer mit gut 20 Knoten über ein Fischerboot gefahren.

Das Boot wurde mit 10 Personen an Bord versenkt, und sie mussten aus dem Wasser gerettet werden. Ein Berufschiff in der Nähe wurde vom Hong Kong Marine Rescue Coordination Centre (HKMRCC) zum Unglücksort geleitet. Es konnte neun Menschen vom Havaristen aufnehmen. Der zehnte soll nach bisherigen Erkenntnissen bewusstlos von der Segelcrew geborgen worden sein. Der 50-jährige Skipper des Fischerbootes wurde verletzt von einem Hubschrauber in ein Krankenhaus transportiert, wo von offizieller Seite zwei Stunden nach dem Abtransport sein Tod bestätigt wurde.

Die Segelteams von Dongfeng und AkzoNobel boten ihre Hilfe bei der Rettung an, wurden vom HKMRCC aber nicht angefordert. Für AkzoNobel lag der Unfallort auf dem Weg zum Ziel und das blaue Boot stoppte kurz, bis es von der Volvo Ocean Race Organisation entlassen wurde.

Mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs

Wie konnte das passieren? Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren, und noch gibt es auch von den beteiligten Seglern keine eindeutigen Informationen zum Unfall-Hergang. Sicher ist, dass Vestas in der Dunkelheit mit Höchstgeschwindigkeit von gut 20 Knoten die letzten 30 Meilen bis zum Ziel absolviert hat.

Vestas krängt durch den geneigten Kiel, um das Leck aus dem Wasser zu halten. © ODN

Schließlich saß Dongfeng im Nacken, und bei einem Fehler wäre der Verlust des zweiten Platzes noch möglich gewesen. Allerdings muss auch allen Beteiligten klar gewesen sein, dass zum Schluss der Etappe die größte Gefahr vom extrem dichten Schiffsverkehr vor Hong Kong ausging.

In der Nähe von Küsten ist das nichts Neues für die Profi-Segler. Sie sollten darauf vorbereitet sein. Bei der Vendée Globe 2012 kollidierten direkt nach dem Start kurz nacheinander erst Kito de Pant mit einem Trawler, dann erwischte es Louis Burton.

Eingeschlafen?

Aber diese Profis waren einhand unterwegs. Beim Volvo Ocean Race ist ein Mann für die Kollisionsverhütung abgestellt, der Navigator. Er sollte normalerweise nichts anderes zu tun haben, als die Situation auf dem Bildschirm zu verfolgen. Die Berufschiffe sollten AIS-Signale aussenden, die auf der Karte zu sehen sind. Andere sollten auf dem Radar-Schirm zu erkennen sein.

Loch an Backbord. Der Aufprall scheint nicht frontal erfolgt sein. © ODN

Ist Navigator Simon Fisher eingeschlafen? Hat die Alarmkette nicht funktioniert? Dongfeng Navigator Franck Cammas hat die Situation gegenüber der Nachrichten-Agentur AFP beschrieben, die sich vor Hong Kong darstellte:

“Wir segelt mitten zwischen unzähligen Fischerbooten durch.  In zwei Gebieten lagen die Flotten besonders dicht zusammen.” Dieses Gebiet, wo der Unfall passierte sei das letzte gewesen . “Wir mussten Slalom fahren. Dabei segelten wir fast mit maximalem Speed um 20 Knoten. Alle konzentrieren sich  auf den Trimm, das Wasser klatscht ins Gesicht, und es ist sehr laut.” Außerdem seien alle nach zwei Wochen auf See extrem müde gewesen. 

Sein Skipper Charles Caudrelier bestätigt, dass er die Situation als sehr gefährlich empfunden habe. “Es ist immer sehr gefährlich, wenn man durch diese Gebiete mit Fischerboote segelt, denn es gibt so viele, die keine Lichter führen.”

Routenwahl gefährlich?

Kann man es dann eigentlich verantworten, die Rennflotte dorthin zu schicken? Die Kurswahl ist zustande gekommen, weil mit Scallywag ein Team und sein Sponsor aus Hong Kong stammen und auch Dongfeng mit seinem chinesischen Sponsor ein großes Interesse daran hat, die Regatta durch heimische Gewässer zu führen.

Diese Marketing-Strategie führte schon 2011/12 und 14/15 dazu, dass eine Etappe von Abu Dhabi zum chinesische Sanya mitten durch die Straße von Malakka, einem der am dichtesten befahrenen Seegebiete der Welt führte. Alles ging gut, aber dort wehte der Wind nur leicht. Diesmal wurden die VO65 auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt.

Abgesehen davon, was auf Vestas schief gelaufen ist, sollte wohl auch der Veranstalter überprüfen, ob eine solche Routenführung noch möglich ist.

Tragisch ist es, dass ausgerechnet Vestas wieder im Mittelpunkt eines solchen Unglücks steht. Dabei hat das aktuelle Team nichts mit dem vorherigen zu tun, bei dem Chris Nicholson als Skipper tätig war. Diesmal besteht die Crew im Kern aus dem damaligen Alvimedica Team unter dem US-Skipper Charlie Enright, der ausgerechnet bei der aktuellen Etappe das Ruder an seinen Partner Mark Towill abgegeben hat.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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7 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Schon wieder Vestas – Wie konnte es zu der Kollision kommen?“

  1. avatar Team Südsee sagt:

    Tragischer Fall, keine Frage. Seit über 11 Jahren (ABN Amro II) wieder ein Todesfall beim VOR.

    Aber wie groß war denn überhaupt die Chance, den Fischer zu bemerken? War der überhaupt auf den Systemen zu erkennen? Außerdem ist das Loch auf Backbord, was bei Wind aus ONO und Kurs nach WNW dedeutet, in Lee. Das minimiert bei gesetztem Gennaker und Leelage die Chance weiter.

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  2. avatar Peter Müller sagt:

    Die Unterstellung vom trockenen und mit Kaffeeflecken verzierten Schreibtisch aus dem überheizten Büro heraus, der Navigator könne eingeschlafen sein, erachte ich nicht nur als unangemessen sondern auch überheblich…

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  3. avatar oh nass is sagt:

    Ein Holzboot ohne Beleuchtung (?), kein Radarreflektor (?) und kein AIS (?) – schon ist das passiert. Das dürfte auf ziemlich viele Fischerboote in dem Bereich zutreffen. Und es ergibt sich die Frage, von wo aus man sich Hong Kong nähern könnte, ohne ein solches Problem zu generieren. Wahrscheinlich gibt es gar keine Möglichkeit. Es sei denn, man hält einen sicheren Korridor frei. Wie auch immer das zu realisieren wäre.

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  4. avatar alikatze sagt:

    Traurig, das ein Fischer sein Leben verloren hat und es bleibt zu ergründen, warum. So ein Unfall trifft sicherlich alle, auch diejenigen, die Glück im Unglück hatten.
    Aber auch wenn es eine Regatta ist: Es sollte immer die Regel gelten, dass man nicht schneller fahren soll, als der Schutzengel fliegen kann – oder so. Sicherlich ist es keine besonders pfiffige Wahl, eine Regatta in diesem Seegebiet enden zu lassen, wenn man den öffentlichen Verkehr nicht aus dem Renngeschehen raushalten kann.
    Aber davon unberührt bleibt die Verantwortung des Skippers, sein Schiff sicher (für sich und alle anderen auf dem Wasser) in den Hafen zu bringen. Wenn die Autobahn im Feierabendverkehr dicht ist, es regnet und mir nach der langen Fahrt der Kopf dröhnt, dann gibt es keine Ausrede für “nicht angemessene Geschwindigkeit”. Und wenn sie nur ausreichend niedrig sein muss, um das Manöver des letzten Augenblickes zu fahren. Da muss das Rennen mal hintenan stehen.

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    • avatar breizh sagt:

      Ich hatte es schon zu einem vorherigen Bericht geschrieben, für mich ist das mangelnde Seemannschaft bzw. Rücksichtnahme. Dann steht halt einer am Bug oder so positioniert, dass er gute Aussicht hat.

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  5. avatar Dirk C. sagt:

    Werter Herr Kemmling,
    solch ein Artikel in gedruckter Form wäre das Paier nicht wert auf dem er gedruckt wäre.
    Fragen über Fragen, die die Vorwürfe nur so vor sich her schieben!
    Als erfolgreicher Jollen und Kleinkielbootsegler in Küstenregionen zu Tageszeiten fehlt Ihnen, so scheint es, zumindest der Überblick für solche Dinge. Details erspare ich mir. Das haben andere Kommentaroren bereits geschickt.

    Eine jounalistische Glanzleistung ist dieser Artikel sicher nicht, wie die meisten Artikel zu dieser Veranstaltung.
    Ihre Beiträge tragen eher dazu bei, dass sich in Deutschland potentielle Sponsoren mit Entsetzen abwenden, anstatt willige und fähige deutsche Segler zu fördern!

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    • avatar Captain Hook sagt:

      Lieber Herr Kemmerling,

      Bitte suchen Sie sich ein anderen Beruf oder Beschäftigung als dieses wirklich armseligen Bericht, der nur einer von vielen Ihrer Feder ist, Ihren Lesern zuzumuten.
      Sie scheinen nicht die geringsten Ahnung davon zu haben, was es heißt ein Schiff mit 20 kn und MH0 zu segeln..sie sehen nahezu nichts.
      Eine Flotte wie die der Volvo Schiffe gehört nicht in diese Seengebiete, in denen Boote zum fischen fahren, auf denen Sie Ihren ärgsten Feind nicht auf die Alster schicken würden.
      Bitte finden Sie ein Medium außerhalb der Öffentlichkeit, welches Ihnen ermöglicht die Entwicklung der Bavaria oder der Hochsee Abenteuer von der Varuna (;/)) zu berichten und lassen Sie doch einfach die Berichte über professionelles Segeln. Sie haben einfach keine Ahnung..

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