Volvo Ocean Race: Team Vestas ist zur Flotte gestoßen – Zünglein an der Waage

Wieder da

Fast ein halbes Jahr nach dem Aufaufen des dänischen Vestas Teams auf einem Atoll vor Mauritius steht das blaue Boot wieder auf seinem Platz im Bootspark von Lissabon.

Vestas

Als wäre nichts gewesen. Vestas auf seinem Bock in Lissabon. © Ricardo Pinto / Volvo Ocean Race

“Die Jungs an der Startlinie für die achte Etappe zu sehen, wird einer der stolzesten Momente in meiner siebenjährigen Laufbahn als Regatta CEO sein”, sagt Knut Frostad angesichts des blauen Bootes, das in Lissabon auf seinem Bock steht, als wäre nichts gewesen.

Dabei hat das dänische Team zusammen mit allen Beteiligten eine enorme Anstrengung vollbracht, aus den Resten des zerstörten Bootes, eine funktionierende Yacht zu bauen und sie rechtzeitig nach Lissabon zu bringen.

Vestas

Team Vestas auf der Brücke von Lissabon. © Ricardo Pinto / Volvo Ocean Race

Sportlich hat der Kraftakt keinen Wert mehr. Nur bei der ersten Etappe konnte die Crew um den australischen Skipper Chris Nicholson als vierte Yacht im Ziel punkten. So segelt Vestas eigentlich de facto außer Konkurrenz und dürfte versuchen, den Gegnern die um den Gesamtsieg segeln nicht allzusehr ins Gehe zu kommen.

Aber völlig ohne Ambitionen treten die Blauen sicher nicht an. Sie haben für den entlassenen Navigator Wouter Verbraak Tom Addis (45) an Bord geholt, der schon mit Puma und Telefonica Blue das Rennen segelte.

Außerdem ist der Holländer Simeon Tienpont neu dabei, weil Tom Johnson zum America’s Cup Team Oracle Team USA gewechselt ist. Tienpont war bei Luna Rossa engagiert und ist nach der Auflösung des Syndikats frei.

Das Team kann in der Gesamtwertung noch eine große Rolle und das Zünglein an der Waage spielen. Außerdem dürften Nicholson und Co um die Chance segeln vielleicht beim nächsten Volvo Ocean Race erneut antreten zu dürfen. Eine starke Vorstellung könnte die Sponsoren überzeugen, die Geschichte endgültig zu einem Happy End zu führen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Team Vestas ist zur Flotte gestoßen – Zünglein an der Waage“

  1. avatar Butter bei die Fische sagt:

    Für mich ist das kein Happy End. Anlaß für das Ganze ist eine gravierende seemännische (ja, das große Wort ist hier mal fällig!) Fehlleistung. Ob sie nun dem geschaßten Navigator, dem Skipper oder beiden zuzurechnen ist, wurde ja hier und da schon lang und breit diskutiert. Bei den letzten beiden Durchgängen wurde das VOR bereits wegen der logistischen Kraftakte kritisiert, die unternommen wurden, um überhaupt so etwas wie ein „Feld“ ins Ziel zu retten. Da ging es aber immer nur darum, technische Defekte an Riggs und Rümpfen auszubügeln, bei denen man die Entschuldigung „through no fault of their own“ gelten lassen konnte. Nun aber haben wir es mit einem navigatorischen Fehler zu tun, der nur mit viel Glück ohne Personenschaden als Folge geblieben ist und durch Sorgfalt zu vermeiden gewesen wäre. Ob das Boot, das jetzt in Lissabon gewassert wurde, ein Neubau (wer weiß?) oder ein reparierter Havarist ist, ist mir eigentlich egal. Was für mich bleibt, ist daß dieses Rennen nach meinem Geschmack in Disneyland angekommen ist und trotz der Herzschlagfinishes für mich die Luft raus ist. Keine navigatorischen Geniestreiche (erfolgreich oder nicht), kein Zocken beim Bootsdesign mehr. Dann noch oben drauf die völlig künstliche Wiederbelebung eines Totalschadens und die triviale Berichterstattung, die sich am Horizont der Generation Tablet orientiert. Bei den letzten Rennen habe ich mitgefiebert, diesmal kann ich nur mit den Schultern zucken. Schade drum.

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