Volvo Ocean Race: Vestas Navigator Wouter Verbraak nimmt erstmals Stellung

"Ich habe einen schlimmen Fehler gemacht"

“Diese Nachricht ist längst überfällig”, sagt Wouter Verbraak in der ersten Stellungnahme nach dem Unfall beim Volvo Ocean Race. Er melde sich erst jetzt aus Mauritius, weil die Kommunikation vorher nicht möglich gewesen sei.

Wouter Verbraak

Vestas Navigator Wouter Verbraak in Erklärungsnöten. © Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

“Ich bin am Boden zerstört und immer noch schockiert über die Schwere der Strandung.” Erst jetzt seit er Zeit habe, die Geschehnisse Revue passieren zu lassen werde ihm auch  erst so richtig bewusst, was passiert ist.

“Wir haben wirklich Glück, dass niemand verletzt wurde. Und das liegt daran, wie gut unser Team in den Sekunden, Minuten und Stunden nach dem Unfall zusammen gearbeitet hat.

Ich habe einen schlimmen Fehler begangen. Aber wir haben keine weiteren gemacht, obwohl viele weitere schwierige Entscheidungen getroffen werden mussten. Die Situation war sehr anspruchsvoll und besorgniserregend.

Falls die Laptops überlebt haben und ich wieder Strom für sie habe, kann ich genauer die Daten checken und untersuchen, warum wir das Riff auf der elektronischen Karte nicht gesehen haben. Ich habe das Gebiet auf der Karte untersucht bevor ich mich zum Schlafen legte. Es war ein sehr langer Tag, an dem ich mich mit den Auswirkunken des Tropensturms beschäftigte. Dabei erkannte ich in dem Gebiet Wassertiefen zwischen 42 und 80 Meter.”

Verbraak sagt, es gebe zum Thema einen guten Artikel. Er beschäftigt sich mit den verschiedenen Zoom Stufen in den Kartenprogrammen und den Angaben zum Riff.

“Ich kann euch versichern, dass wir vor jeder Etappe gewissenhaft unsere Route überprüfen und dabei Google Earth genauso benutzen wie Papier-Karten und andere Hilfsmittel. Aber unsere geplante Route änderte sich kurz vor dem Start. Und bei der Fokussierung auf den Start und die schwierigen Bedingungen glaubte ich irrtümlicherweise, genug Informationen über gesammelt zu haben, um auch auf die veränderte Route vorbereitet zu sein.

Ich lag falsch. Ich versuche nicht nach Ausreden suchen, sondern Erklärungen und Antworten auf eure Fragen zu finden. Man kann viele Lehren daraus ziehen und hoffentlich können wir sie in der kommenden Zeit weitergeben.

Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die das Team, meine Familie und ich selbst von unseren wundervollen Freunden, Kollegen, Familie, Vestas, Powerhouse und Volvo erhalten haben. Darüberhinaus stehen wir natürlich in der Schuld von Alvimedica Crew, die uns in der ersten Nacht geholfen hat, der likalen Fischer und der Küstenwache von Ile du Sud auf dem Atoll. Ich möchte allen sehr danken. Danke, danke, danke. Ich stehe für immer in eurer Schuld.”

Skipper Chris Nicholson hatte zuvor schon Schuld auf sich genommen, weist im Video Interview aber auch darauf hin, dass er sich nicht um alles kümmern kann. Er müsse als Skipper in jedem Bereich Verantwortung abgeben. Sonst könne kein Team funktionieren.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Vestas Navigator Wouter Verbraak nimmt erstmals Stellung“

  1. avatar Chris sagt:

    Ich denke, die wichtigste Meldung neben der, dass alle Segler unversehrt blieben, ist die über das Teamwork. Ich habe es so oft erlebt, dass ein Skipper die Schuld einem Crewmitglied (meistens dem Taktiker) zugeschoben und sich selbst aus der Verantwortung gezogen hat.
    Das ist hier nicht so. Es beweist die große menschliche Stärke von Nicho und aller Individuen in diesem Team, dass sie sich auch in solchen unglaublich harten Situationen gemeinsam dem Mediendruck und Erklärungsbedarf stellen.

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  2. avatar Heinrich sagt:

    Starkes Statement! Aber wo Menschen sind passieren nunmal Fehler. Letztendlich hat dieser Fehler “nur” Geld gekostet. Hoffentlich nimmt er es nicht zu schwer.

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  3. avatar Kluchschieter sagt:

    Wirklich starkes Statement, kann man nur zustimmen. Aber mal ehrlich, wass soll er auch gross anderes sagen?
    Ich würde ihn übrigens sofort an Bord nehmen. Seine vorigen Erfolge sind ja unbestritten. Und mit ihm als Navi wird in Zukunft bestimmt keiner mehr auf Schiet sitzen.

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  4. avatar Maxi sagt:

    Sicher ein starkes Statement und zum Glück gab es nur Sachschaden.
    Dieser Unfall zeigt aber auch das selbst denn besten Profis solch ein “Leichtsinnsfehler” passieren kann.
    Ich hoffe das Team schaft es irgendwie wieder zurück aufs Wasser.
    Auch wenn das ziemlich unwahrscheinlich scheint.

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  5. avatar David sagt:

    Als einer der selbst in der Suedsee gestrandet ist ( http://www.loslocos.org/2012/10/31/the-big-splash-shes-in-the-water-again/ ), verfolge ich diese Story mit besonderem Interesse. Und genau deshalb frage ich mich umso mehr, wie so etwas hundertprozentigen Vollprofis passieren kann ?
    Einige Antworten gibt dieser Artikel: http://www.yachtingworld.com/blogs/elaine-bunting/volvo-ocean-race-yacht-bristling-technology-hit-well-known-reef/

    Bei uns sah die Navigation nach unserer Strandung so aus, dass wir wie auch zuvor immer auf einer Papierkarte mitgetrackt haben und ausserdem bin ich mehrmals am Tag auf unserem Plotter in 12nm Zoomstufe die Kurslinie der naechsten paar Stunden rauf und runtergefahren, um eben solche Hindernisse zu entdecken. Ich denke mir, dass dies bei den Profis sowieso gemacht wird, bzw. dass die eine bessere Software einsetzen. Auch habe ich die Seehandbuecher und das Internet vor einem Trip nach Riffen und eventuellen ‘unchartet obstacles’ durchsucht und habe so z.B. in der Gegend zwischen Tonga und Fiji einige kleine ‘Kekse’ entdeckt, welche ich dann manuell in die elektronischen und Papierkarten eingetragen haben. Dies alles nimmt fuer einen 1000nm Trip in etwa einen Nachmittag in Anspruch. Ich denke, dass die Navigatoren bei solchen Rennen hier wesentlich mehr machen und sich mit detaillierterem Wissen ausgestattet auf See begeben.
    Aber genau deshalb frage ich mich: Wenn ich weiss und es auch in den Seehandbuechern dokumentiert ist, dass die Position dieser Insel um 3nm abweichen kann, segel’ ich da vor allem bei Nacht mit gehoerigem Abstand vorbei. Was war es also ? Ein GPS- / Technikfehler oder riskante Taktik, um eventuell ein paar Minuten zu gewinnen ?

    Und wenn ich schon so beim Lamentieren bin, dann moechte ich auch noch eine kleine Bitte an die Karten- bzw. Softwarehersteller richten: Warum scheint es unmoeglich zu sein, wie bei Papierkarten (Ueberseglern) auch, diese kleinen Riffe in einer groesseren Zoomstufe zumindest als kleinen Punkt darzustellen ? Pixel sind billig heutzutage…

    Aber ich freue mich, dass niemandem was passiert ist. Das ist bei 19kn Speed schon echt ein Wunder !

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  6. avatar Oliver sagt:

    Hut ab zu diesem Statement. Es zeigt das da auch nur Menschen unterwegs sind. Ich hätte einen euen Navigator gefunden. Und denkt alle dran: es ist nur Plastik kaputt gegangen, zwar sehr teures Plastik, aber es gab keine Peronenschäden und das ist ja woh die Hauptsache. Also Vestas, 3 weitere Windräder verkaut und weiter gehts ,

    DAMEN HOCH

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