Route du Rhum. Jörg Riechers nähert sich wieder der Spitze

Von schwarzen Wolken und Kreditkarten-Betrügern

"Mare.de" liegt taktisch gut positioniert in der Mitte der Spitzengruppe. Der Führende Thomas Ruyant ist weit nach Norden gerutscht und viele Meilen verloren. Plötzlich ist für Riechers sogar die Spitze wieder greifbar. Und auch Axel Strauss hat sich nach dem Verlust des großen Spis wieder auf Platz zehn zurück gekämpft.

Knapp tausend Meilen vor dem Ziel ist die Route du Rhum für die Class40 Segler noch nicht entschieden. Der mit Abstand führende Franzose Thomas Ruyant hat im Norden des Kurses viel Boden verloren und eine Flautenzone versperrt ihm die Möglichkeit, sich vor das Feld zu setzen.

So holen die Verfolger Meile um Meile auf und Ruyant sieht sich plötzlich auf die extreme rechte Seite der anstehenden langen Kreuz gedrängt. Da könnte noch etwas gehen für Jörg Riechers. Er konnte den Rückstand um fast 100 Meilen verringern und liegt jetzt auf Platz sechs 136 Meilen zurück.

Riechers schreibt von Bord seiner “Mare.de”: “Heute Nacht bin ich in eine schwarze Wolke gesegelt. So was habe ich noch nicht erlebt. Heftiger Wind, Starkregen – ich musste aufpassen, dass das Boot nicht auseinander bricht. Und dann Flaute. Der kleinn Vorsprung vor Troussel, den ich heraus gesegelt hatte, schmolz wie Eis in der Sonne dahin. Noch dazu war ich komplett übermüdet. Fertig. Das sind so Augenblicke, in denen man alles in Frage stellt. Jetzt geht es mir wieder besser. Ich wage aber keine Prognosen mehr. Hier ist alles möglich.”

Axel Strauss hat dagegen ganz andere sehr irdische Probleme:

“Ich bekam Nachricht, dass sich die Kreditkartenzentrale gemeldet hat, weil der Verdacht auf unregelmäßige sprich betrügerische Abbuchungen von meinem Kartenkonto bestehen würde. Also habe ich über Iridium bei der Bank angerufen. Nicht dass ich in Guadeloupe mit leeren Taschen am Strand stehe … Da die Verbindung nicht wirklich gut war, und zudem ein Riesenlärm auf dem Boot, war es nicht gerade einfach, der Sachbearbeiterin klarzumachen, wo ich bin, und dass ich unmöglich den in Frage kommenden Einkauf gemacht haben kann.

Es war ziemlich bizarr: Sie: Wo sind sie? ich: auf dem Atlantik Sie: WO? ich: Auf dem A-T-L-A-N-T-I-K Sie: Ich versteh‘ Sie nicht. Geben Sie mir bitte eine Postleitzahl.. Ich: :?(ç%*&*“+… Als sie es kapierte, hat sie sofort angeboten, zurückzurufen. Dann konnten wir die Sache klären.”

Zum Tagesablauf schreibt Strauss: “Ansonsten noch: geduscht, rasiert (gefährlich), Klamotten gewechselt, ein bisschen vom Heck zum Bug und zurück gejoggt, Wetterfiles angeschaut, gecheckt, ob alles in Ordnung ist und so bleibt, 4 oder5x gerefft oder ausgerefft, mit den Kollegen gemailt, und diesen Beitrag getippt. In der Nacht soll der Wind noch ein bisschen zunehmen, aber sonst ist es das erstmal: reaching für ein paar 100 Meilen und schauen, wie man noch ein bisschen Speed rausholen kann.”

Zum deutschen Kollegen sagt Strauss: “Jörg Riechers hat die Süd-Option noch und so wie es aussieht wird er sie auch nutzen. Jörg segelt ein super Rennen, und er hat bisher kaum Fehler gemacht. Ich habe das Gefühl, er hat nicht wirklich gepusht, wird jetzt gegen Ende aber noch mal richtig Gas geben. Viel Glück, Jörg!”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „Route du Rhum. Jörg Riechers nähert sich wieder der Spitze“

  1. avatar Martin sagt:

    Jörgs Webseite:
    http://segeln.mare.de

    Axels Webseite:
    http://www.windquestsailing.com

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