Vorschau Les Sables-Horta: Class 40 Langstrecke für Blumencron und Riechers

Deutsche Offshore Helden

Am vierten Juli startet das 2540 Meilen Rennen der Class40 von Frankreich zu den Azoren und zurück. Mit der “Red” und “Mare” sind zwei deutsche Yachten am Start. Eine Vorschau von “Red”-Co-Skipper Axel Strauss.

Mathias Müller von Blumencron

Mathias Müller von Blumencron nutzt die Zeit zum Segeln, bevor sein neuer Job als FAZ digital Chef startet.© Breschi/Sables-Horta 2013

Nach dem Normandy Channel Race im April, dass leider, wie schon vorher bei zwei der vorangegangen drei Editionen über einen wegen der Wetterbedingungen verkürzten Parcours ging, wird am 4. Juli um 19h02 das erste größere Class40 Rennen der Saison 2013 gestartet: Les Sables-Horta-Les Sables

Das Rennen führt double-handed von Frankreich nach Horta auf der Azoren Insel Faial, und von dort nach einem Zwischenstopp zurück nach Les Sables. Die Etappen sind jeweils gut 1000 Seemeilen lang, in Horta kann der Co-Skipper gewechselt werden und die Gesamtwertung erfolgt durch Addierung der beiden gesegelten Etappenzeiten.

 Axel Strauss

Co-Skipper Axel Strauss hat jede Menge Class 40 Erfahrung. © Breschi/Sables-Horta 2013

Es ist also noch nichts gewonnen oder verloren in Horta. Wir konnten uns 2009 mit “Tzu Hang” nach einem 9. Rang auf der ersten Etappe durch eine sehr gut gesegelte 2. Etappe auf den 3. Gesamtrangauf vorschieben. Aber das war 2009 und die Klasse hat sich seitdem sehr stark professionalisiert. Bei den Top Booten sind Formtiefs und andere „Taucher“ weit seltener geworden.

Es sind derzeit (nach offiziellem „französischem“ Meldeschluss) 20 Teams am Start. Eine bunte Mischung, Baunummern 10 bis 125, also von Oldtimer bis neuestem Prototyp.

Kandidaten für die vorderen Plätze sind (nach Rumpfnummern geordnet):

nr. 98 Stop Polio: Yannick Bestaven und Eric Drouglazet, kombinierte IMOCA, Class40 und Figaro 2 Erfahrung auf einer optimierten Tyker Evolution (Verdier). Simpel: schnelles Boot, schnelle Crew. Drouglazet ist bekannt dafür, den Spi auf der Figaro immer noch ein bisschen länger (>40kn)stehen zu lassen. Ein Ansatz, der ihn nicht immer ins Ziel brachte, aber sicher unvergessliche Segelerlebnisse beschert.

Die Class 40 "Red"

Die Class 40 “Red” mit Segeln von Bernhard Stamm. © Breschi/Sables-Horta 2013

nr. 101 Campagne de France: Halvard Mabire und Miranda Merron,ein bewährtes Duo, immense Erfahrung, Sieger im Quebec-Saint Malo 2012, eine von eigener Hand massiv gepimpte Pogo S2, weitere Optimierung und Refit im vergangenen Winter. Die Beiden sind einfach sehr konstant und haben zuzeit dank der Verlängerung ihres Sponsorings bis 2014 keine finanziellen Sorgen. Das entspannt…und macht schneller.

nr. 107 Solidaires en Peloton: Victorien Etrussard und Thibauld Vauchel, ein neues Team. Victorien kommt aus der Multi5o Klasse und Thibauld ist ein sehr guter F18 Segler. Das Boot ist die (gecharterte) „Roaring Forty 2“ von Michel Kleinjans, auf dem ich letztes Jahr das Quebec-Saint Malo mitgesegelt bin. Ein Farr Design mit einem wirklich guten Rumpf, sehr schnell, aber etwas mühsam oder besser gewöhnungsbedürftig in der Ergonomie. Dass das Boot schnell ist, zeigte sich auch im Normandy Channel Race als Nicolas Jossier und Alexandre Toulorge lange Zeit in Führung lagen. Die Beiden hatten vorher ziemlich ausgiebig trainiert, und wenn das neue Team das auch gemacht hat, ist mit ihnen zu rechnen.

Jörg Riechers mit Sebastien Audigane

Jörg Riechers segelt erstmal mit Co Skipper Sebastien Audigane zusammen, mit dem er auch um die Welt will. © Breschi/Sables-Horta 2013

nr. 115 Mare.de: Jörg Riechers und Sebastien Audigane. Das erste gemeinsame Rennen des Teams, dass zusammen 2014 das Barcelona World Race auf Jörgs IMOCA bestreiten will. Ein sehr starkes Team, beide mit Erfahrung aus Mini, Class40, IMOCA, Sebastien auch auf den grossen Multihulls und zuletzt auf Giovanni Soldini’s V70-Maserati. Das Manuard Design ist sehr schnell, sehr polyvalent und es werden weder finanzielle noch persönliche Mühen gescheut, das Boot im Topp-Zustand an den Start zu bringen. Wenn der Mast und Bugsprit halten und keine Fischer im Weg sind (sorry Jörg 🙂 ), sind die Beiden sicher schwer zu schlagen.

Eigentlich sollten noch zwei brandneue Boote am Start sein.

Einmal das neue Boot von Gonzalo Botin:

Riechers Class 40 "Mare".

Nach dem Mini Fastnet segelt Riechers jetzt wieder seine Class 40 “Mare”. © Breschi/Sables-Horta 2013

Ein gerade fertig gestelltes Design von seinem Verwandten Marcelino Botin (AC Designer für TNZ). Zitat seahorse magazine july 2013: “….even for a relatively simple Class40 the number of hours spent on this task (minimising interior weight, optimising VCG..) can be endless…These custom prototypes, in spite of rule restrictions, are becoming very expensive to build”.

Auf gut Deutsch: das Teil ist sauteuer. Naja, Gonzalo‘s Familie ist quasi Besitzer der Banco Santander, und da bleibt trotz Bankenkrise genug übrig für solch schöne Spielzeuge.

Leider wurde die Meldung für das Rennen zurückgezogen. Ob das Boot nicht durch die Vermessung gekommen ist oder einfach noch nicht „ready to race“ ist, weiss ich nicht. Schade auf jeden Fall.

Der zweite Neubau ist die nr. 125: Ein Tom Humphreys Design; sein Zweites nach der etwas glücklosen Orca. In fünfmonatiger Bauzeit bei Oceantec in Slowenien gebaut und letzte Woche ins Wasser gekommen.Das Boot ist noch nicht vermessen, sieht aber sehr „slippery“ aus. Die erste Class40 mit V70 style batwings am Heck.

Das neue Jason Ker design soll die Flügel auch haben, und man wird sehen, ob mit Glass/Epoxy die nötige Festigkeit für solche Bauformen zu erzielen ist. Die Spi- und Codesail-Schoten, die auf diese „batwings“ geführt sind, zupfen schon ziemlich. Humphreys hat einen fixen Bugsprit gewählt, meiner Meinung nach keine wirklich schlechte Entscheidung.

Das Boot wurde für den Österreicher Christof Petter gebaut und wird von ihm und Andreas Hanakamp (V70 Kosatka) gesegelt. Die beiden haben Trainingszeit genug, denn das Boot muss von Slowenien nach Les Sables überführt werden und das ist ja nicht gerade um die Ecke. Mit ihrer alten Class40 Vaquita (Ex-Concise 1) sind die Beiden mit Crew schon bei einigen Regatten erfolgreich dabei gewesen, aber das wird das erste reine Class40 Rennen für sie.

Mit Mathias Blumencron‘s schöner, bewährter und schneller RED (Rogers 2007), auf der ich mitsegele, sind wir hoffentlich in der Lage gut mitzuhalten. Dass das möglich ist, haben vergangene Rennen immer wieder gezeigt, zuletzt das NCR. Wir werden trainieren vorher, bei hoffentlich etwas wärmeren Bedingungen als bei der doch recht frischen Überführung von Rendsburg nach Caen über Ostern, und unser Bestes und unsere gesammelte Erfahrung in die Waagschale werfen. Wir freuen uns beide sehr auf das Rennen, und ich möchte mit einer starken ersten Etappe ein gutes Fundament für die Rückfahrt legen, die Mathias dann mit Volker Riechers segeln wird, der schon mit ihm beim Quebec Saint Malo 2012 an Bord war.

Wir werden sehen…more news to follow

Eventseite Les Sables Horta (FRA)

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8 Kommentare zu „Vorschau Les Sables-Horta: Class 40 Langstrecke für Blumencron und Riechers“

  1. avatar eku sagt:

    Ich bin ja total gespannt – das ist es was mich interessiert – freue mich auf das Verfolgen der Regatta über den Tracker – etc ….
    Aber bitte !!! lasst doch dieses (sorry) dümmliche Geschwafel von “Helden” weg.
    Guter Artikel aber Sch.. Überschrift. Dennoch bitte mehr davon mit anderer Headline.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 2

  2. avatar Axel sagt:

    …sorry…überschrift ist nicht von mir…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  3. avatar Drahtzieher sagt:

    Die Überschrift ist ja auch anders gemeint. Blumencron als künftiger FAZ digital Chef kennt sich scheinbar mit dem Internet aus, welches ja Neuland, also quasi “offshore” für uns Deutsche ist. Deshalb ist er ein offshore Held 😉

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

  4. avatar Stefanz sagt:

    Old Guys, zeigt es den jungs. Habt Spaß und Erfolg

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  5. avatar Fastnetwinner sagt:

    Die Überschrift ist, wenn man die gängigen Definitionen von Held nimmt, absolut korrekt. Da gibt es gar nichts zu ruckeln. Weiter so! Gebt euch nicht dem weichgespülten Mainstream hin, denn wer den Mainstream heiratetet ist schnell geschieden!

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  6. avatar Andreas Lindlahr sagt:

    Super informativer Beitrag Axel! Dank. Rockt das Ding!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  7. avatar Martin sagt:

    Von Axel gibt es wieder einen Blog direkt vom Boot:

    http://www.windquestsailing.com/logbook.html

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  8. avatar Uwe Liehr sagt:

    Helden? Klar doch! Soviel haben wir da ja nicht in diesem, unserem Lande…

    Jörg, Mathias, Sebastien und Axel – wir drücken die Daumen!!!

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