Wal-Kollisionen auf See: Organisation um Segel-Profis fordert Tempo-Limit

Wie Russisch Roulette

Die Organisation La Vague um Vendée-Globe-Legende Roland Jourdain und IMOCA-Skipper Paul Meilhat prangert die zunehmenden Zusammenstöße zwischen Regattayachten und Tieren an. Für einige gelten sie als Nestbeschmutzer.

Der Wal, der Kito de Pavant bei der Vendée Globe 2016 den Kiel kostete wird im Kielwasser von der Kamera aufgenommen. © de Pavant

Bei der Arkea Ultim Challenge ist wieder die Gefahr von Wal-Kollisionen auf hoher See in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden. Drei von sechs Ultim-Trimaranen erlitten Schäden, die vermutlich von Kontakten mit den Meeressäugern stammen. Die Umweltschützer von Sea Shepard wiesen darauf hin, dass bei Wettfahrten 99 Prozent der Kollisionen mit harten Objekten im Wasser durch Lebewesen verursacht werden.

Damit stellten sie die Offshore-Hochseeszene an den Pranger und wurden von deren Protagonisten kritisiert. Schließlich haben ausgerechnet die Organisatoren der Arkea Ultim Challenge erstmals Verbotszonen in den Wettfahrtkurs um die Welt eingebaut, wo eine verstärkte Wal-Aktivität befürchtet wurde.

Aber inzwischen ist der Ball vom eigenen Lager aufgenommen worden. Die Organisation La Vague bestätigte die Kritik. Sie sorgte damit für mehr Aufsehen, weil dahinter keine szenefremden Umweltschützer stecken, sondern namhafte ehemalige und aktive Segelprofis.

Paul Meilhat (Biotherm) engagiert sich bei La Vague für die Umwelt. © Anne Beauge / Biotherm

La Vague hat sich im Februar 2020 um eine Gruppe von Szene-Größen wie Roland Jourdain (zweifacher Route du Rhum IMOCA Sieger und Vendée Globe Dritter) und Ocean Race Skipper Paul Meilhat (Biotherm) gegründet. Ihre Mission: die Segelszene umgestalten, indem man die ökologischen Auswirkungen im Auge behält. Es gehe darum im Hochseerennsport das Bewusstsein für das Thema zu wecken. “Offshorerennen
lassen die Menschen träumen und sind aufgrund ihrer Medienpräsenz ein wunderbares Mittel, um die Welt zu retten.”

Der Segelsport müsse eine Verantwortung übernehmen und seinen Teil dazu beitragen, die Umwelt möglichst wenig zu belasten. Dabei geht es etwa um die Mission Rennyachten herzustellen, die sauberer für die Umwelt sind. Jourdain sorgte schon für einen Meilenstein im Bootsbau mit seinem Flachsfaser-Deck-Katamaran.

Roland Jourdain auf seiner auf seinem Flachsfaser-Kat “we Explore”. © we explore

Nun ist der Wal-Schutz in den Fokus gerückt. In der vielbeachteten Erklärung von La Vague wird insbesondere angeprangert, dass die Kollisionen mit den Tieren unter den Tisch gekehrt werden. Gibt es eine Omertà unter den Mitgliedern der Rennteams, eine Schweigepflicht wie bei der Mafia?

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Wal-Kollisionen auf See: Organisation um Segel-Profis fordert Tempo-Limit“

  1. avatar Udo sagt:

    Jedes Team bekommt die selbe serienyacht. Dann geht’s nur mehr um die segelfähigkeiten

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  2. avatar PL_l.kliewer sagt:

    „Unser Sport ist nur ein Spiel, eine Unterhaltung. Er rechtfertigt es nicht, Meerestiere zu schädigen.” Wie wahr! Und ein Rennen um die Welt ist nicht einmal langweiliger, wenn es mit 20 Knoten weniger gesegelt wird. Wir sollten lernen, nicht alles tun zu müssen, nur weil wir es können.

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    • avatar Lasse sagt:

      Ja. Wir sollten Meerestieren mit unsere, Sport nicht schädigen. Aber dass das ganze ohne Massive einschränkungen im Hochseessegelsport funktionieren kann ist glaube ich eine Illusion.
      Eine Arkea Ultim Challenge mit Einheitsklasse und “Speedlimit” von 20kn wird weder Sponsoren noch Fans hinter dem Ofen hervor locken.
      Und zumindest mich hat auch bei der VG immer der materialwettstreit und die technische weiter Entwicklung fasziniert und ich vermute dass insbesondere Sponsoren auch genau daran interesse haben.
      Insofern vermute ich dass ein wie auch immer gestaltetes “Speedlimit” eine massive deprofessionalisierung des Hochseesegelsports zur folge hätte.
      Ich fände das als zuschauer nciht unbedingt schlecht, kann aber gut verstehen, dass es nciht im Interesse der in der Szene aktiven ist.

      • avatar PL_l.kliewer sagt:

        Auch ich bin fasziniert von foulenden Hightech-Seglern. Aber wir sollten uns fragen, ob wir die Welt nach den Vorstellungen von Sponsoren oder nach Kriterien der Verantwortung gestalten möchten.

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  3. avatar Egon Zangenberg sagt:

    Moin Carsten, danke, dass du dieses Thema mal aufnimmst.

    Selbst habe ich 8 Jahre in ein einem Fischerdorf am Rio Douro gegenüber Porto gelebt. Gesegelt habe ich vorwiegend OK, hatte aber auch einen guten Kontakt zu den Racer-Spezialisten und auch zu den Sardinenfischern: Die Diskussion begann schon so um 2000, als die Anhänge immer länger und schlanker wurden bei gleichzeitig höheren Geschwindigkeiten. Die Kollisionen und Schäden mit Treibgut aber eben auch mit Tieren wurden häufiger..

    Die Spanier und, wie der ARTE-Beitrag gezeigt hat, auch die Franzosen, sind sich der Problematik durchaus bewußt und suchen nach einer Lösung. Die Ampel-App geht in diese Richtung. Zumindestens die Sport- und Rennsegler
    werden sich an der Ampel orientieren. Wenn’s manchen auch nur darum gehen dürfte, Schäden am Boot zu ver-meiden. – Reparaturfreundlich sind CfK-Geschosse nun eher nicht. Und segeln kann man dann erstmal auch nicht.

    An der Uni Cadiz ist Forschung dazu an der richtigen Stelle. Von Cadiz ist es nur einen Sprung rüber nach Osborne-City Puerto de Santa Maria und zum da zum Real Club Nautico. Ich sollte mich sehr täuschen, wenn die nicht längst
    mit mit am Ruder drehen.

    Noch was zu den gezeigten Schäden: Lediglich das Ruderstück dürfte der Orca abgebissen haben, die anderen
    waren, na ja… Zumal in Barbate eher die etwas rauhen Thunfischer im Hafen zu finden sind.

    Dann nen schönen Saisonanfang

    Egon Zangenberg

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