Weltbeste Segler: Santiago Lange, Hanna Mills und Saskia Clark sind die World Sailor 2016

Emotionen siegen über Erfolge

Eine der unglaublichsten Geschichten im olympischen Segelsport hat eine weitere Stufe der Wertschätzung erreicht. Der Argentinier Santiago Lange (54) wurde nach dem überraschenden Olympiasieg im Nacra 17 (Porträt) mit Vorschoterin Cecilia Carranza Saroli (29) nun auch zum Rolex World Sailor of the Year gewählt.

Das Wahl-Gremium, bestehend aus öffentlichen Online Votern, nationalen Verband-Vertretern und ausgewählten Gästen der Zeremonie in Barcelona, verlieh den prestigereichen Titel an den erfahrenen Multihull- und America’s-Cup-Spezialisten und belohnte irgendwie damit wohl auch sein Lebenswerk. Denn Lange hat schon zwei Bronze-Medaillen im Tornado gewonnen, beim Volvo Ocean Race und beim America’s Cup teilgenommen.

Word Sailor of the year

Saskia Clark, Hannah Mills und Santiago sind die World Sailor of the year 2016. © Rolex/Harvey

Außerdem wurde er offenbar für das Überstehen des persönlichen Dramas gewürdigt, das ihn nach Rio führte. Erst segelte er 2014 sensationell mit Cecilia Carranza Saroli nur neun Monate nach dem Einstieg in den Nacra 17 zum Vize-WM-Titel und qualifizierte sich auf Anhieb für Rio. Dann erhielt er 2015 eine Krebsdiagnose.

Lungenflügel entfernt

Bei einer Operation in Barcelona wurde ihm die Hälfte der Lunge entfernt. Die Beschäftigung mit der Krankheit kostete ihn ein halbes Jahr, und sportlich schien das Katamaran-Duo nicht mehr in der Lage, ganz vorne anzugreifen. Bei den Weltmeisterschaften belegte es die Plätze 15 und 12.

Aber der mit 54 Jahren älteste Teilnehmer bei den olympischen Segelregatten ließ nicht locker. Fünf Tage nach der Operation saß er schon wieder Rad und einen Monat später auf dem Boot. Das unglaubliche Medalrace (Video) bestritt er zwar trotz Vorsprung wenig souverän und sammelte zwei Strafkreise ein, aber am Ende reichte es trotzdem für Gold.

Eigentlich soll die Ehrung den besten Segler des Jahres würdigen. Und da gab es sicher größere Erfolge. Allen voran hätte es der britische Finn-Segler Giles Scott mit seiner einzigartigen Siegesserie wohl eher den Titel verdient, wie auch die neuseeländischen Vorjahressieger und 49er-Überflieger Burling/Tuke. Beide Nominierten siegten auch in Rio überlegen. Aber gegen Langes emotionale Geschichte kamen nüchterne Ergebnisse dann doch nicht an.

Opti Weltmeisterin ganz oben

Bei der Wahl der Frauen ging es dann aber doch um die Abwägung der Erfolge. Es dürfte ein knappes Rennen für die ehemalige Optimist-Weltmeisterin (2003) Hannah Mills mit Saskia Clark aus England gewesen sein, die überlegen 470er-Gold in Rio und im Berechnungszeitraum drei Weltcup-Siege holten. Denn auch die Holländerin Marit Bouwmeester oder die französische Surferin Charline Picon bewegten sich auf Augenhöhe.

Die Feier-Gemeinschaft ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, als zum Höhepunkt des Abends in Barcelona das Licht ausfiel. Und auch World Sailing Ehrenpräsident König Konstantin (76) erledigte seinen Job in gewohnter Weise.

Die Nominierten

Männer

Peter Burling and Blair Tuke (NZL, 49er America’s Cup)
Sime Fantela and Igor Marenic (CRO, 470er)
Santiago Lange (ARG, Nacra 17))
Giles Scott (GBR, Finn Dinghy)
Damien Seguin (FRA, Paralympics 2.4)

Frauen

Marit Bouwmeester (NED, Laser Radial)
Cecilia Carranza Saroli (ARG, Nacra 17)
Martine Grael and Kahena Kunze (BRA, 49er FX)
Hannah Mills and Saskia Clark (GBR, 470er)
Charline Picon (FRA, RS:X Surfen)

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Carsten Kemmling

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