Teil 2: Mitsegel-Reportage von Bord des zweiten Oman-Kats

"Wir freuen uns wie die Kinder"

Von Carsten Kemmling

Paul Campbell James steuert "The Wave" und wird von dem Oman bezahlt. Der Omani Al Anbouri bedient das Vorschiff.© Paul Wyeth/OC Events

Das Rennen mit Loick Peyron ist vorbei. Ich werde vom Motorboot auf den zweiten vom Oman gesponserten Kat „The Wave“ verfrachtet. Der windschnittige fünfte-Mann-Gast-Helm wird gegen eine null-acht-fuffzehn-Kopfbedeckung ausgetauscht. Der junge Brite Paul Campbell James (27) legt offenbar nicht so viel Wert auf den CW-Wert.

Es herrscht eine lockerere Stimmung. Die Crew-Kollegen Richardson und Hutton sind auch erst 31 und 28 Jahre alt. Sie versprühen jugendlichen Elan im Vergleich zu Peyrons abgezockter Profi-Crew. Offenbar stehen sie immer noch unter dem Eindruck ihres überraschenden Sieges beim Extreme40 Cup vor heimischer Kulisse in Cowes.

„Wir freuen uns wie die Kinder, wenn wir zusammen auf dem Boot sind“, sagte Campbell James bei der Pressekonferenz. „Wir wollen uns diesen Spaß und die Lockerheit bewahren, die uns in Cowes den Sieg gebracht haben.“

Die beiden Oman-Kats werben für den Wasserport im Lande und liegen in den Rennen oft beieinander. © Paul Wyeth/OC Events

Campbell James ist eigentlich Skiff-Spezialist. In den vergangenen beiden Jahren wurde er  jeweils neunter bei der 49er WM. Aber dann brach er die Olympia-Kampagne für 2012 ab. In der stärksten 49er Nation der Welt sah er wenige Chancen, den Olympia Spot zu schaffen. Das Budget fehlte.

Dabei ist der Brite als ehemaliger Optimist-Champ und Studenten Weltmeister im Match Race (2002) eines der vielseitigsten Talente in England. Er machte wohl auch einmal einen Abstecher zum deutschen Högel Match Race Circuit mit den glorreichen Sportinas. Aber nun fühlt er sich auch auf dem Katamaran sichtlich wohl, seit er den alternden Tornado Cracks, die immer mehr die Piloten-Sitze der Extreme 40s besetzen, in Cowes bei Ballermann die Hecks gezeigt hat.

Aber in Kiel herrschen andere Bedingungen. Oft flaue und drehende Winde. Es geht um gute Starts und Beschleunigung. Die Jungs stehen unter Strom. Sie wollen punkten. Es den alten Säcken auf den anderen Booten zeigen.

Nach einigen netten Worten über gemeinsam bestrittene Match Race Events wechseln sie schnell in den Race Modus. Die Anforderungen an mich sind anspruchsvoller als noch bei Peyron. Ich soll auf Ansage die Seiten Wechseln.

Ansager ist für mich Khamis Al Anbouri der Quoten-Omani. Der 35-Jährige ist der Beste seines Landes, das den Wassersport mit zahlreichen Segelprojekten im Land fördern und wiederentdecken will. Wir haben über Al Anbouri schon berichtet.

Der Omani Khamis Al Anbouri zieht mit aller Kraft am Fall, das den aufgerollten Gennaker in den Mast hievt. © Paul Wyeth/OC Events

Er ist ein Held im Heimatland. Das ändert nichts daran, dass der Oman eine Segel-Diaspora ist. Ohne den Sponsor wäre er nicht an Bord. Aber der Omani ist nett und aufgeschlossen. Lernt, was es zu lernen gibt. Führt die Trimmaufgaben aus, die dem Steuermann einfallen. Stubst mich vorsichtig etwas nach vorne Richtung Beam. Bewegt sich leichtfüßig auf dem Boot. Liegt so platt auf dem Rumpf, dass ich mich bemühe ebenso flunder-mäßig zu agieren.

Er macht keinen Hehl daraus, dass er so schnell wie möglich selbst eine Omani Boot mit eigenem Team führen möchte. Aber dafür müssen Siege her. Und in diesem Rennen will das nicht gelingen.

Dabei pumpt Campbell James nach dem Start wie der Teufel am Hydraulik-Hebel, mit dem die Großschot gespannt wird. Das Schiff beschleunigt, hebt den Luvrumpf und legt noch einen Zahn zu. Besonders auf dem Downwind kann das sich hebende Beinchen eine gewisse Furcht erzeugen.

Als alter Einrumpfsegler folge ich dem Impuls, nach Luv zu krabbeln. Aber die Crew pfeift mich zurück. Unten bleiben! Der Schwimmer soll ja hoch. Weniger Wasserwiderstand, mehr Speed, ein tieferer Kurs, das alles ergibt einen schnelleren Weg nach Lee.

Am Tor wird es eng. Die Überlappung der beiden Rümpfe will beachtet werden. War der holländische Haudegen Mitch Booth eher in der Zone? Kann man auf sein Recht pochen? Campbell James reißt die Protestfahne hoch. Ein Pfiff auf dem Schiedsrichter-Schiff, grüne Flagge, nichts passiert.

Wieder nur Platz fünf. Wie schon mit Peyron. Ich bringe dem Oman kein Glück. Aber die Zuschauer auf der Tribüne klatschen, als wir durch die Ziellinie rauschen. Roland Gäblers Stimme am Mikrofon überschlägt sich. Ein Hauch von St.Pauli Feeling in Kiel. Wann hat man das schon?

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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