Russel Coutts spricht sich im Interview für Multihulls aus

„Wir stehen positiv zu Mehrrumpfern“


Kat gegen Mono. Die Mehrrumpfer scheinen das Rennen zu machen.

Russell Coutts hat in einem langen Interview mit dem neuseeländischen TV-Sender TVNZ die Pläne für den nächsten America´s Cup 2014 konkretisiert. Dabei spricht er erstaunlich offen über die Entscheidung für den Bootstyp. Demnach ist es sehr wahrscheinlich, dass BMW Oracle für den Einsatz von Multihulls votiert.

„Wir stehen positiv zu Mehrrumpfern“, sagt der BMW Oracle CEO. Der Neuseeländer glaubt, dass durch so eine Entscheidung mehr neue Teams zum America´s Cup stoßen könnten. Die etablierten Teams würden das nicht so gut finden. Aber sie hätten auch die Ressourcen, in die neue Richtung zu gehen. Coutts betont aber, dass noch nichts entschieden sei.

Multihull Zweikampf beim jüngsten AC. Ein seltener Moment, bei den beide Boote auf einem Bild zusammen zu sehen sind. Das Modell für die Zukunft? © BMW ORACLE Racing/ Gilles Martin-Raget

Er baut aber offenbar vor. „Klar, dass Multihulls einen anderen Match Race Stil erfordern. Aber dafür gibt es mehr Überholmanöver als bei einem langsameren Monohull.“ Es sei schwierig, eine Leewende exakt auszuführen. Aber die meisten potenziellen Zuschauer würden nicht einmal wissen, was eine Leewende überhaupt ist.

Zum Ort des Geschehen sagt Coutts allgemein, dass sie nach Revieren gesucht hätten, wo sich die Chance einer Rennverschiebung auf maximal zwei Prozent beläuft. An dieser Vorgabe werde sich auch die Auswahl des Bootstyps orientieren.

Zur rigideren Handhabung der Nationen-Regel für die Segler sagt Coutts: „Ich würde das gerne so machen. Aber die meisten Teams, die wir gefragt haben, wollen das nicht.“ Viele Syndikate seien dann  nicht konkurrenzfähig. Das Thema müsse man wohl langsam angehen.

„Wir denken aber über einen Jugend America´s Cup nach. Vielleicht kann man den als National-Wettkampf ausschreiben. Und so wir kommen dann langsam auch einem nationalen AC näher.“

Coutts betont, dass diesmal schon bei der Meldung alle Regeln klar formuliert seien. Das Protokoll stehe dann fest. Es werde nichts mehr hinterher kommen. Und eine unabhängige Organisation, das America´s Cup Race Management (ACRM), führe die Rennen durch.

Alles in allem ist es Coutts wichtig, alle Maßnahmen vor dem Hintergrund zu sehen: „Wir versuchen ein besseres TV Spektakel vorzubereiten.“

Aber eine Entscheidung für Multihulls dürfte auch die Siegchancen der Verteidiger auf ein sehr hohes Niveau heben. Denn alle etablierten Teams besitzen nicht die Multihull-Erfahrung die sich die Amerikaner im vergangenen Cup angeeignet haben. Wenn dann noch mit Flügel-Technologie gesegelt werden darf, sieht es für die Konkurrenz besonders schlecht aus.

Es wird erwartet, dass die Größe der neuen Cupper 70 Fuß betragen soll. Nächste Woche soll das um sechs Seiten gekürzte jetzt 50seitige Protokoll veröffentlicht werden. Einen Monat später wird die Entscheidung für den Bootstyp bekannt gegeben.

Deshalb ist es erstaunlich, dass Coutts schon jetzt das vermeintliche Geheimnis preis gibt. Vermutlich will er prüfen, ob ein Schrei der Entrüstung durch die Segelwelt hallt.

Zum Thema: Mono oder Multi für den AC? Die Diskussion

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Russel Coutts spricht sich im Interview für Multihulls aus“

  1. avatar Sportbootjo sagt:

    RC denkt offenbar in langen Zeiträumen. Hatte er nicht mal mit Paul Cayard vor Jahr & Tag einen Multirenncirus mit, was für eine Überraschung: 70 ft Kats geplant?

    Und das ihm, LE und BMW-O ein Cup auf Multis entgegen kommt, ist ja wohl auch keine große Überraschung. Wer wie LE einen fetten 3stelligen Mill. Dollarbetrag in die Entwicklung und Optimierung von Dogzilla gesteckt hat, der hat wohl gegenüber allen anderen AC-Teams (mit Ausnahme von Alinghi)einen solch großen Know-How Vorsprung, dass man sich den Ausgang des 34. AC fast an einem Finger ausrechnen kann, nicht wahr? Was daran fair ist, wird LE aber gestimmt erklären können. Enttäuschend auch die Nichtexistenz von Latino Mascalzone als CoR – Wenn die ihre Aufgabe ernst nehmen würden, dann müssten sie, um das Knowhow der übrigen AC Team nicht vollkommen wertlos zu machen, mit einem Heideneifer für den Mono Werbung und Druck machen. Aber offenkundig begnügen sich die Italiener damit, LE Liebling und Marionette zu sein.

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    • avatar Carsten sagt:

      Stimmt. Das mit dem Circuit ist ja schon länger her, aber interessant in dem Zusammenhang. Es wäre sehr enttäuschend wenn sich LE jetzt vom AC-Wiedergewinn leiten lassen würde. Er sollte doch am besten dastehen, wenn er es schafft den Cup zu einem TV-Spektakel zu erheben. Wenn viele Teams glauben, dass sie keine Chance haben, werden sie nicht melden. Und dann wäre LE gescheitert. Wir müssen wohl noch auf Details warten.

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