Wohl schnellste “Yacht” der Welt: Mittelcockpit-Ultim “Sodebo 3” 41 Knoten bei Testfahrt

Radikal gedacht

Thomas Coville hat mit seinem neuen 100 Fußer “Sodebo 3” das zurzeit spannendste Hochsee-Geschoss zur Verfügung. Der radikale Trimaran überzeugt auf den ersten Test-Meilen.

Er schwimmt, und er segelt tatsächlich schnell. Die ersten Eindrücke des neuen Trimarans von Thomas Coville sind offenbar ermutigend. Der 50-jährige Skipper, der 2016 den Einhand-um-die-Welt-Rekord auf knapp über 49 Tage drückte – inzwischen war Francois Gabart fast sieben Tage schneller – konnte bei den ersten Testfahrten bestätigen, dass er die zurzeit wohl schnellste “Yacht” zur Verfügung hat, die auf hoher See im Einsatz ist. Das vorsichtige Drücken aufs Gaspedal soll schon, wie im Video gezeigt, zu 41 Knoten Speed geführt haben.

Sodebo Ultim

Erste Testfahrt von “Sodebo 3”. Es wird deutlich, wie weit hinten der Mast steht. © Morin / Team Sodebo

Das könnte darauf hindeuten, dass die theoretischen Berechnungen für “Sodebo 3” einigermaßen zutreffen. Coville und sein Team hatten mit einer radikalen Design-Idee überrascht. Im Vergleich zu den konkurrierenden Multihulls der Ultim-Klasse befindet sich das Cockpit sieben Meter weiter vorne, und deshalb wurde der Mast dahinter platziert.

Ziel ist es, den Gewichtsschwerpunkt weiter in die Mitte zu bewegen und ihn weiter nach unten zu verlagern. Die wohl wichtigste Überlegung dahinter ist die konsequente Ausnutzung des aerodynamischen Endplatten-Effekts. Der Großbaum kann so weit auf das Deck herunter gezogen werden, dass es zu einem deutlich geringeren bremsenden Druck-Austausch  unter dem Großsegel kommt. Außerdem kann der Mast um 2,5 Meter gekürzt werden, was eine weitere Zentrierung des Gesamtgewichts bewirkt.

Die Frage nach der Verlässlichkeit

Nach der desaströsen Route du Rhum, als die beide Ultim-Neubauten “Gitana” und “Banque Populaire” auseinander brachen, ist aber die wichtigste Frage, nicht die nach dem möglichen Speed, sondern nach der Verlässlichkeit.

Coville kann sie noch nicht beantworten, aber darauf hoffen, dass er vielleicht das perfekte Timing für den Neubau hinbekommen hat. So konnte die Werft CDK Technologies in Port la Forêt noch auf den Bruch des vorderen Beams bei “Banque Populaire” reagieren, der den Tri zum Fall für den Abwracker gemacht hatte. Die Bauteile wurden noch einmal überarbeitet und um 25 Prozent verstärkt. Die Auslieferung verzögerte sich um zwei Monate.

Das eigentlich Radikale an dem neuen Sodebo-Projekt ist laut Skipper Coville weniger das Ergebnis, als die Organisationsstruktur. Er sei den Bau eher wie ein America’s Cup Syndikat angegangen. Statt einem einzigen Design-Büro zu vertrauen brachte er ein  Konstruktionsteam zusammen mit Spezialisten aus verschiedenen Bereichen. So sind schließlich gleich sechs Werften am Bau von Rümpfen, Beams und Foils beteiligt.

Sodebo Ultim

Die neue Sodebo mit dem großen “Lappen”. © Morin / Team Sodebo

Das Schiff ist gleich zwei Tonnen leichter geworden als der gut 18 Jahre alte mehrfach umgebaute Vorgänger. Und so soll er ab 15 Knoten Wind stabil mit einer Geschwindigkeit von mehr als 45 Knoten foilen, wenn der Wellengang es erlaubt.

Coville will auch erstmal mit Crew die Limits der neuen Konstruktion austesten. Sechs Menschen finden auf dem beengtem Raum Platz. Im Nachhinein gesehen sei es wirklich sehr ambitioniert gewesen, die inzwischen verschobene Einhand-Regatta um die Welt am Ende des Jahres stattfinden zu lassen. Es gebe noch so viel zu lernen über die neue Generation der Hochsee-Foiler.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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