Worldcup Miami: Görges Zwillinge kentern im Medalrace – Dennoch größter Erfolg

In Lauerstellung

Nach dem grandiosen Sieg von Philipp Buhl im Laser waren die Görge Schwestern das zweitbeste deutsche Team auf Rang acht. Der erste wichtige Weltcup im Rückblick.

Das Duell zwischen Philipp Buhl und Nick Thompson in der Laser Klasse war der unbestreitbare Höhepunkt des ersten wichtigen Weltcups in Miami und sorgt auch am Tag nach der Entscheidung noch für Gesprächstoff.

Buhl hatte zuvor schon die größere Duell-Erfahrung des Gegners gewürdigt, der schon seit zehn Jahren Laser segelt und zuletzt auch noch im November fünfter der britischen Match Race Meisterschft wurde. So konnte der Bayer nicht verhindern, dass Thompson beim Start eine enge Leeüberlappung herstellte und Buhl relativ schnell nach dem Start wenden musste.

Eigentlich wollte Buhl ja nur 15 werden
:

Zweiter Platz kurz vor dem Ziel beim Medalrace für die Görges.

Zweiter Platz kurz vor dem Ziel beim Medalrace für die Görges.

Aber danach gelang Buhl auf der zweiten Kreuz mit starker Athletik und gutem Speed bei harten Windbedingungen das Überholmanöver. Der Brite führt seine Niederlage allerdings auf einen Schaden zurück. Er schreibt: “Ich bin genervt, dass ein kaputter Niederholer-Block mich das Gold kostete. Ich habe ein tolles Match Race gesegelt, um den Deutschen nach hinten zu segeln, aber es sollte nicht sein.”

Erfolg der Görge Twins

Nach der Kenterung ist das Feld im Ziel, als die Kielerinnen wieder Fahrt aufnehmen.

Nach der Kenterung ist das Feld im Ziel, als die Kielerinnen wieder Fahrt aufnehmen.

Das zweite Medalrace mit deutscher Beteiligung fand im 49er FX statt. Und überraschend platzierten sich Jule und Lotta Görge als bestes und einziges der vier starken deutschen Frauen-Teams im Medalrace.

Die mit 22 Jahren jüngste deutsche Crew zeigten eine deutliche Leistungssteigerung zu den vorherigen Saisons und konnte von den 16 Kurzrennen sogar eines gewinnen. Bisher war es ihnen noch nicht gelungen, bei einer solch wichtigen Regatta in ein Medalrace einzuziehen.

Görge Twins

Die Görge Twins freuen sich über ihren Erfolg. © Görge

Das war bisher von den nationalen Rivalinnen erwartet worden, die sich diesmal in Lauerstellung auf den Rängen 13 (Jurczok/Lorenz), 14 (Lutz/Beucke) und 16 (Meyer/Stoffers) bewegten. In keiner deutschen Olympiaklasse wird der Kampf um das eine Olympia-Ticket so spannend werden.

Dabei hätten die Görge Zwillinge ihren ohnehin größten Karriere-Erfolg noch weiter verbessern können. Erstaunlich abgebrüht begannen sie ihr erstes Medalrace in einem solchen Weltklasse-Feld. Mit dem besten Start in Lee eines Luv-Pulks übernahmen sie sogar zwischenzeitlich die Führung und waren dann drauf und dran, einen sicheren zweiten Platz ins Ziel zu bringen. Der hätte für Gesamtplatz sechs gereicht. Aber die entscheidende letzte Halse misslang und die Kielerinnen kenterten. So gingen sie als Letzte ins Ziel und rutschten auf Platz acht.

“Dieser Worldcup hat uns alles abverlangt: Viel Wind mit und ohne Welle, wenig Wind, konstant und unkonstant, gewaltige Dreher”, sagt Jule Görge. “Doch wir hatten einfach nur Spaß an unserem Sport! Miami hat uns wirklich glücklich gemacht. Einen so guten Start in die vorolympische Saison hätten wir uns nicht erträumt, und doch haben wir es gepackt und um ganz ehrlich zu sein- es war Zeit!”

In Lauerstellung

Gerz Szymanski

Ferdinand Gerz Oliver Szymanski mit dem Loch im Boot, das sie zur Aufgabe zwang. © GER 10

Insgesamt ist das deutsche Team für die vorolympische Saison nicht so schlecht aufgestellt, wie es den Anschein haben mag. Im 470er scheint bei Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski ein deutlicher Leistungssprung erkennbar zu sein. Mit Rang 11 verpassten sie das Medalrace nur um einen Punkt. Ein Crash im letzten Rennen hatte sie zur Aufgabe gezwungen.

Die Europameister Erik Heil und Thomas Plößel waren naturgemäß nicht zufrieden mit ihrem 12. Platz im 49er. Sie kenterten zu oft und kamen erst zum Ende der Serie in Schwung. Aber sie haben nach wie vor mit das größte Potenzial, wenn es um Medaillenplätze bei den wichtigeren Meisterschaften geht.

Erstaunlich ist der 14 Platz des Olympia-Vierten Toni Wilhelm. Bei den Surfern weiß man allerdings nie so recht, in welcher Trainingsphase sie sich gerade befinden. Die physisch härteste Segel-Disziplin erfordert einen gezielten Aufbau des Körpers für sportliche Hochleistungen. Wilhelm, der nun schon im 15. Jahr im Olympia-Zirkus auf dem Brett steht, hatte in den vergangenen Jahren nur in einem von 13 Rennen das Medalrace wie in Miami verpasst. Dass er aber noch lange nicht am Ende ist zeigte er mit einem zweiten Platz im letzten Lauf.

Sehr vielversprechend verlief auch das Debut von 49er Segler Jan Hauke Erichsen mit Lea Spitzmann, die ihre erste Regatta zusammen segelten und im 50 Boote Feld gleich 18 wurden einen Platz vor ihren jungen Teamgefährten Paul Kohlhoff/Carolina Werner. Vielleicht entwickelt sich da noch etwas.

Enttäuschend verlief der Auftritt der kompakten deutschen Laser Radial-Flotte. Europameisterin Svenja Weger zeigte gute Ansätze mit einem Tagessieg aber mit Platz 29 wird sie nicht zufrieden sein. Team Kollegin Pauline Liebig platzierte sich direkt vor ihr, Lisa Fasselt segelte auf Rang 32 und Constanze Stolz verpasste die Gold Fleet.

Noch nicht in das Geschehen griffen die drei Crews der 470er Frauen ein. Zuletzt konnten sie trotz guten Potenzials nicht in der Weltspitze mithalten. Sie arbeiten zurzeit ihre Defizite auf.

Die Top-20-Ergebnisse der Segel-Nationalmannschaft:
11. Ferdinand Gerz (München)/Oliver Szymanski (Berlin) – 470er Männer
12. Erik Heil/Thomas Plößel (Berlin) – 49er
13. Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) – 49erFX
14. Tina Lutz (Bergen)/Susann Beucke (Strande) – 49erFX
14. Toni Wilhelm (Dogern) – RS:X Surfboard
16. Leonie Meyer (Osnabrück)/Elena Stoffers (Kiel) – 49erFX

Ergebnisse Miami Weltcup

Das 49er FX Medalrace im Tracker Replay

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Worldcup Miami: Görges Zwillinge kentern im Medalrace – Dennoch größter Erfolg“

  1. avatar Jörg Gosche sagt:

    Sounds like a bad looser! Niederholer Block kaputt, so ein Pech!

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  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Es gab mal ein T-Shirt einer bekannten Segelmacherei:

    – kaputter Niederholer-Block
    – Kenterung
    – Crash
    und/oder noch ein paar andere ähnliche Aussagen unter denen stand dann:

    No Excuses – N… Sails!

    Ist immer noch was Wahres dran!! Glückwunsch Philipp – Weltklasse!

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  3. avatar dubblebubble sagt:

    Das kenne ich so:

    – Siegen
    – Kentern oder
    – Defekt vortäuschen

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  4. avatar Sven 14Footer sagt:

    Wie ärgerlich am Ende für die Görges. Das erste Medalrace und dann auch noch eine souveräne Vorstellung ganz vorne dabei. Am Ende legen sie sich in der letzten Halse lang. (Vielleicht waren die Knie in dem Moment doch etwas wackelig ob des fulminanten Erfiolges) Die beiden müssen sich in dem Moment sehr geärgert haben und danach doch über das tolle Endergebnis wieder gefreut haben.

    Danke für die Berichterstattung! Danke für die tolle und spannende Segelei der deutschen Segler. So haben wir auch im Winter etwas zum mitfiebern.

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  5. Vier annähernd gleich starke deutsche Teams im 49er FX.
    Wäre der Wechsel eines Teams in den 470er nicht aussichtsreicher o. vernünftiger ?
    Bei gleichem Trainingsaufwand wäre eine Medaille dort vermutlich leichter zu ergattern.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

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