Nachwuchsprojekt IMMAC-ONE4ALL: Ziel erreicht, wenn die Besten ausmustern

Jugend forscht

 

Mit ihrem MAIOR-Sieg in der Königsklasse ORC I ließ die Nachwuchsmannschaft der „ONE4ALL“ aufhorchen. SR sprach mit Skipper Kai Mares. Er bleibt auf dem Boden und leistet weiter Grundlagenarbeit – für die Zukunft anderer.

Ihre Überlegenheit verblüffte nicht nur die Konkurrenz. Beim Saisonauftakt der Seesegler, der MAIOR vor Strande, hatte wohl niemand mit dem Auftrumpfen der „ONE4ALL“ gerechnet, zuallerletzt die Nachwuchscrew selbst.

Dabei hatten sich die jungen Wilden bereits mit einem Sieg bei der Flensburger Herbstwoche in den arbeitsreichen Winter verabschiedet und bei Trainingsrennen am Go-for-Speed-Wochenende Ausrufezeichen gesetzt. Seit Skipper Kai Mares 2013 zunächst das Steuer und Mitte des Jahres auch die Projektleitung übernahm, geht es aufwärts.

ONE4ALL

Die ‘ONE4ALL’ auf dem Weg zum Gesamtgewinn der MAIOR vor Strand.  © Sven Jürgensen

Der Sohn des zweimaligen Olympiateilnehmers von 1964 und 1976, Uwe Mares, hat die Zügel angezogen und die Kampagne ergebnisorientierter ausgerichtet. „Unser Fokus ist sportlich. Die Regattaausbildung steht im Fokus“, erklärt der Yachtmakler aus Dänischenhagen nördlich von Kiel gegenüber SR. Die gute Seemannschaft spiele aber auch ihre Rolle.

Wer sich im Oktober im Internet (www.immac-one4all.de) beim jährlichen Casting bewirbt, muss bereit sein, im Kraftraum zu schwitzen, am Boot zu schrauben und auch mal die Reservebank zu drücken.

Medizinstudent schreibt Trainingspläne

Dafür werden auch die individuellen Fähigkeiten genutzt und ausgebaut. So steht Medizinstudent Albert Johannes Buitenhuis aus den Niederlanden nicht nur am Grinder, sondern arbeitet auch die Fitnesstrainingspläne aus. Zum 20-köpfigen Team gehören auch vier Frauen, die auf der physisch anspruchsvollen 15-Meter-Yacht (Baujahr 1998 bei Marten Marine) als Floater eingesetzt werden, und „ihren Mann stehen“.

„Unser Saisonziel hatten wir schon vor dem ersten Start erreicht“, sagt Mares, „denn wir wollten zunächst ‚nur‘ das Schiff in einem Top-Zustand wieder aufs Wasser bringen.“ Es wurden 2500 Arbeitsstunden Eigenleistung, dabei der Rumpf komplett abgezogen, alle Beschläge abgebaut und auf Herz und Nieren geprüft, ein kompletter Refit halt mit neuer Lackierung dank neuer Partner.

Dass nach dem Ausscheiden der „hanseboot“ die segelaffine Firma IMMAC als Hauptsponsor einstieg, war für das weitgehend eigenständige Jugendnachwuchsprojekt des Sailing Team Germany (STG), das nur mit Dienstleistungen und Administration hilft, überlebenswichtig.

Auch um die Unterstützer muss sich der Projektleiter kümmern. Alles Geld fließt ins Material. Entlohnt wird die Mannschaft nicht. Auch Skipper Mares ist ehrenamtlich unterwegs. Und selbstlos. Denn auf der „ONE4ALL“ sollen 18- bis 24-Jährige an das leistungsorientierte Seesegeln herangeführt werden, um später ausgerechnet von der Konkurrenz nachgefragt und auf anderen Booten angeheuert zu werden. Hier ist das Schicksal des SC Freiburg in der Fußballbundesliga geradezu gewollt. Wenn die Besten von Bord gehen, ist das Ziel erreicht.

Als Sprungbrett nutzen

Deshalb freut sich Mares sogar, wenn seine rotierende Reserve bereits während der laufenden Saison andere Angebote erhält, so wie zum Beispiel Vorschiffsmann Joseph Baumgartner von der Swan-Szene und auf einer Soto 40.

Das sind dann quasi Leihgaben. „Die meisten sind aber so motiviert, dass sie am liebsten nie wechseln wollen“, berichtet der Projektchef von großer Loyalität, aber auch Identifikation, die er mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet.

„Die sollen sich durchsetzen und möglichst international vor allem auch im Mittelmeer zum Einsatz kommen“, hofft der Skipper. Nach den eigenen Erfolgen in der Benéteau 25, unter anderem mit dem Team Rotoman, gibt er nun sein Know-how weiter. Der 43-Jährige ist weniger Oldie, denn Vaterfigur an Bord.

Dabei ist auch der eigene Vater Uwe Mares ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Die Erfahrung des Mannes, der zweimal nur knapp am olympischen Edelmetall vorbeischrammte, wiegt unbezahlbar schwer. Er steht für die Youngster als Wassercoach und Trimmexperte auch wenige Tage nach seinem 72. Geburtstag zur Verfügung.

Der Routinier wird die „ONE4ALL“ auch bei den Saisonhöhepunkten zur Kieler Woche und der Heim-WM begleiten, für die weiter intensiv trainiert wird. Der Aufwand ist sicher höher als bei den meisten anderen Teams.

Manöverabläufe werden genauso verfeinert wie die Trimmeinstellungen. Wieder und wieder. Zusätzlich basteln jeden Tag zwei bis drei Enthusiasten am Boot. Erst 75 Prozent des Potentials seien erschlossen, meint der Skipper.

Deshalb schraubt Kai Mares auch die Erwartungen nach unten: „Das Vergütungssegeln nach ORC ist eh eine Wundertüte. Da wäre es vermessen, jetzt vom Deutschen Meistertitel oder einem Podiumsplatz bei der Weltmeisterschaft zu träumen.“ Doch wehe den Favoriten, wenn die Jugend weiterforscht.

Ostertraining:

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7 Kommentare zu „Nachwuchsprojekt IMMAC-ONE4ALL: Ziel erreicht, wenn die Besten ausmustern“

  1. avatar RVK sagt:

    Baujahr 88? Wohl eher 1998, oder? Das ist doch die ex Rubin 16, dann Struntje, dann Unqiue, oder?

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  2. avatar Torsten sagt:

    Rubin XV, daher auch die Segelnummer mit der Endziffer -15.
    Wenn ich mich recht erinnere, segelte man Seeregatten 1988 nach IOR, die Yachten hatten schräge Vorsteven, dicke Bäuche mittschiffs und ein schmales Heck, mit Vermessungsknick für eine kurze Wasserlinie. Dagegen sieht diese IMS-Konstruktion doch aus wie ein Schiff von Heute. Was hat sich geändert in den letzten 16 Jahren?

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    • avatar stefan sagt:

      ….eine ganze Menge, z.B. sind die Kiele heute nicht mehr aus Holz 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  3. avatar Fastnetwinner sagt:

    Rubin XV, dann Unique. Struntje light war Rubin XIV. Baujahr 1998 bei Marten in NZ als 50er und dann im Spätsommer um einen Fuss gekürzt. Die XV hatte nie einen Holzkiel, weil wir das Blei gleich über die Wasserlinie gepackt haben und das untere Salingspaar ab 2000 aus Niro war.

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  4. avatar Jörg sagt:

    Wieso packt man das Blei ÜBER die Wasserlinie?
    Wär ja mal nen Artikel wert:-)

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Um um Messbrief weniger Righting Moment “RM” zu haben, wenn man der Meinung ist, daß der echte negative Effekt von weniger RM nicht so hoch ist, wie die Theorie hinter IMS es annimmt. So schenkt einem die Formel dann was.

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