Youth Olympics: Mühle und Mackenbrock für Deutschland – Interview mit Friese-Sohn

Vater fördert und fordert

Der 16-jährige Hamburger Segler Silas Mühle gilt als  Nachwuchshoffnung für die foilende Zunft im deutschen Segelsport. Ab nächster Woche steht er bei den Olympischen Jugendspielen auf dem Prüfstand. Klar formuliertes Ziel: „Eine Medaille im Nacra 15!“

Mühle Mackenbrock, Nacra 15

Das Deutsche Mixed Duo geht für Deutschland bei den Youth Olympics an den Start im Nacra17. © I-Punkt-Sailing-Team

In einer Woche beginnen in Buenos Aires die Olympischen Jugendspiele (vom 6. – 18. Oktober). Fast 4.000 Athleten zwischen 15 und 18 Jahren aus 206 Ländern in 32 Sportarten kämpfen um Medaillen. „Die Olympischen Jugendspiele sind für die Sportler und Sportler ein wichtiges Zwischenziel, um ihrem olympischen Traum ein Stück näher zu kommen“, sagte der für Leistungssport zuständige DOSB-Viepräsident Ole Bischof anlässlich der Nominierung: „Hier können die Athleten wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihnen auf dem Weg zu den ,großen Spielen´weiterhelfen und sie noch mehr motivieren. Wir würden uns freuen, wenn wir einige in zwei Jahren in Tokio wiedersehen.“

Einer der 75 Sportler, die für das deutsche Jugendteam an den Start gehen und der den großen Traum von Tokio träumt, ist der Hamburger Segler Silas Mühle. Als Sohn des Modemachers, Enfant Terrible und der Segel-Legende Thomas Friese („Tina-I-Punkt“), der in den 80er und 90er Jahren zusammen mit Hans-Otto Schümann („Rubin“) oder Udo Schütz („Container“) die deutschen Geschicke im Admiral´s Cup mit bestimmte und selbst dreimaliger Weltmeister in der Mumm 36-Klasse wurde, bekam Mühle früh den Beistand und wichtiges KnowHow, um dorthin zu gelangen, wo er jetzt schon steht: Mühle segelt (aus dem Einstiegsboot „Opti“ kommend) erst seit zwei Jahren auf dem Nacra 15 und 17 und fand dort schnell den Weg in die deutsche Spitze. Im Nacra 15 gilt er zusammen mit Vorschoterin Romy Mackenbrock als einer der Favoriten für eine Medaille in Buenos Aires.

Mühle Mackenbrock, Nacra 15

Silas Mühle und Romy Mackenbrock. © I-Punkt-Sailing-Team

Im foilenden Nacra 17, das Boot für die ,großen Spiele´ in Tokio, lauert er in Warteposition hinter dem etablierten Olympioniken Paul Kohlhoff (Vorschoterin Alica Stuhlhemmer) sowie dem zweiten deutschen Team, bestehend aus den Olympia-Seglern Johannes Polgar und Carolina Werner. Beiden Crews zollt der erst 16-Jährige „großen Respekt für bisher Geleistetes.“ Gegen sie antreten möchte er dennoch: „Toko ist der große Traum“. Segelreporter traf Silas Mühle kurz vor seiner großen Bewährungsprobe in Buenos Aires zum Interview.

Segelreporter: Silas, ab nächster Woche beginnt für Dich mit den Olympischen Jugendspielen das Regatta-Event des Jahres. Aufgeregt?

Silas Mühle: Klar! Vom Segeln vor Buenos Aires hängt Vieles ab. Wir haben uns lange auf die Jugendspiele vorbereitet und sowohl Romy wie mir ist klar, um was es geht. Aber neben dem seglerischen Optimum, das man auf solch einer hochkarätigen Regatta zeigen muss, spielen natürlich auch richtige Entscheidungen, die in Sekundenschnelle gefällt werden müssen, eine Rolle. Links oder rechts raus an der Kreuz? Dreht der Wind mit oder gegen einen? Solche Sachen entscheiden am Ende über eine – oder keine Medaille. Dennoch: Wir gehören zu den Favoriten und wollen irgendwo auf dem Treppchen stehen!

Segelreporter: Bei der Nacra 15-Weltmeisterschaft im Juni in Texas am Golf von Mexico sah es zunächst gut für Euch aus. Nach Tag 1 und 2 habt ihr geführt, aber…

Silas Mühle: …genau das, was ich meine. Alles lief Bestens. Bis zu diesem unsäglichen Crash, bei dem Romy sich auch noch ernsthaft verletzte. Wir haben danach noch versucht, wieder in die Regatta zu finden, aber wenn die Vorschoterin verletzungsbedingt nicht mehr mit vollem Körpereinsatz mitsegeln kann, ist man auf einem solch physischen Boot wie dem Nacra verloren. Ausreiten, die schnellen Bewegungen bei Wenden und anderen Manövern – all das erfordert eben volle physische Fitness.

Segelreporter: Im Juli bist Du auch schon im Nacra 17 bei den Weltmeisterschaften vor Aarhus gestartet. Zu früh?

Silas Mühle: Nein. Die „Worlds“ in Aarhus dienten in erster Linie dazu, Erfahrungen mit der Weltspitze in diesem Boot zu sammeln. Es ist ja die relevante Klasse bei den echten Olympischen Spielen. Im Grunde genommen kann ich aber noch nicht mal das notwendige, optimale Gewicht für dieses Boot auf die Waage bringen. Mehrere Plätze unter den Top Ten haben zumindest gezeigt, dass der Riecher und das KnowHow grundsätzlich da sind, um gegen Weltklasse-Segler wie Nathan Outteridge oder Santiago Lange zu bestehen. Die Kunst, vorne mit zu segeln, ist letztlich Konstanz. Man muss nicht immer Erster werden, jedoch kontinuierlich unter den Top Ten segeln.

Segelreporter: Der Nacra 15, der ja noch nicht foilt, ist also eine Art Sprungbrett für den olympischen Nacra 17?

Silas Müle: Ja, ganz klar. Im Moment geht es darum, auf beiden Booten möglichst viel Erfahrungen zu sammeln. Das eine foilt, das andere nicht. Aber Nacra-Segeln ist eine neue Dimension. Das Foilen ist gerade für junge Segler wie mich eine Chance. Alle fangen hier quasi von vorn an.

Segelreporter: Wie meinst Du das?

Silas Mühle: Im 49er wäre ich einer unter vielen. Aber im Nacra 17, der schon bei einstelligen Windbedingungen in Knoten am Wind zu foilen bedingt, bekommt Segeln eine neue Dimension: 15 Knoten Boatspeed bei 12 Knoten Wind – das verändert Vieles. Man konnte das im America´s Cup gut beobachten. Da werden ja grundsätzlich neue, innovative Wege im Segeln eingeschlagen.

Gewonnen haben die Neuseeländer mit dem jungen Peter Burling am Steuer. Weniger Taktik und eine lange Regatta-Erfahrung haben hier über Sieg und Niederlage entschieden, sondern vielmehr Fitness, Reaktionsvermögen und Schnelligkeit. Regatta-Segeln ändert sich gerade massiv durch das Foilen.

Segelreporter: Ist es eigentlich eher Ansporn oder Last, wenn man als Sohn von Thomas Friese in die doch recht großen seglerischen Fußstapfen tritt?

Silas Mühle: Mein Vater ist so etwas wie mein Mentor. Er fördert mich – und fordert gleichzeitig. Nacra auf diesem Niveau zu segeln ist anspruchsvoll. Da unterstützt er mich genau wie die gesamte Familie. Aber er fordert dafür auch eine professionelle Einstellung – vom Training bis hin zur Organisation vor und während der Regatten erwartet er im Gegenzug vollen Einsatz und die Leidenschaft, die auch er einst hatte.

Segelreporter: Dein Vater segelte einst auf großen Booten, wo gelingendes Team-Playing immanent für den Erfolg war. Wie wichtig ist das Zusammenspiel im Nacra?

Silas Mühle: Enorm wichtig. Wir fliegen quasi über das Wasser. Entscheidungen müssen so in Sekundenschnelle miteinander abgestimmt werden. Jedes Manöver – auf dem Nacra immer ein physischer Drahtseilakt – wird somit auch zu einem besonderen Ereignis, bei dem Kommunikation und Team-Playing wesentlich sind.

Segelreporter: Gibt es einen Angstgegner vor Buenos Aires?

Silas Mühle: Nein, Angst haben wir vor Niemandem – nur Respekt. Wir segeln letztlich nur um eine Medaille – die allerdings viele Mühen mit sich bringt (lacht).

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Hinnerk Stumm

... segelt seit Kindertagen, von Jolle bis Dickschiff. Sein Motto: „Segeln ist letztlich völlig überbewertet!“ Weiteres ...
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